Polit-Krimi

Ruck-Rücktritt aus Angst vor Benko-Enthüllung?

© Starpix / A. Tuma
Protokoll: Er entschied sich Mittwochabend, Krisensitzung am Donnerstag ++ Wiener Kammer tauschte Gebäude mit Signa ++ Druck war am Ende zu groß
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Am Donnerstag, exakt um 10.37 Uhr, war es  offiziell. Walter Ruck, durch einen in seinem Weinkeller aufgenommenen feuchtfröhlichen Abend in Misskredit geraten,  wirft das Handtuch. In einer dürren Aussendung teilt der Wirtschaftsbund Wien mit, dass Rucks Stellvertreterin Margarete Kriz-Zwittkovits als Obfrau des Wirtschaftsbund Wien und auch als Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien übernimmt. "Walter Ruck, Präsident der WK Wien und Obmann des WB Wien, hat in der heutigen Vorstandssitzung des Wirtschaftsbund Wien mitgeteilt, dass er sich ins Privatleben zurückzieht."

Das war der Schlusspunkt einer Affäre, die zunächst die Wiener Wirtschaftskammer, dann die Mutterpartei ÖVP und schlussendlich auch den Wiener Bürgermeister Michael Ludwig in ärgste Schwierigkeiten brachte. Und: Ausgerechnet der Sozialdemokrat Ludwig war es, der bis zuletzt zu seinem Freund Ruck loyal war.

Doch warum trat Ruck jetzt doch zurück? Hatte er doch von Sprechern und auch hinter vorgehaltener Hand seinen Abgang stets ausgeschlossen. In einem Schreiben an den ÖVP-Vorstand hatte er eine "Kampagne" gegen die Selbstverwaltung und gegen seine Person beklagt. "Seit Beginn dieser Kampagne gegen die Selbstverwaltung und meine Person habe ich darauf hingewiesen, dass die veröffentlichten Aussagen von mir nicht bestätigt werden können", so Ruck. Es seien nicht verifizierte Zitate aus einer potenziell illegalen Tonaufnahme publiziert worden. Und auch nach seinem Parteiausschluss hatte sich der Wiener Baumeister halsstarrig gezeigt. Dabei war da der Schaden längst angerichtet.

Rückzug aus Sorge um die Familie....

Insider aus der Wiener Kammer berichten, dass sich Ruck am Mittwochabend zu dem finalen Schritt entschlossen habe. Dabei soll er jedenfalls einen Blick auf seine Familie gehabt haben.

Rene Benko

...oder aus Angst vor Benko-Enthüllung

Das ist die eine Lesart. Doch just die "Presse" bringt einen anderen Blickwinkel in die Debatte: Ruck könnte auch Angst vor neuen Enthüllungen gehabt haben - und hier kommt der Name des Milliarden-Pleitiers Rene Benko ins Spiel, der bereits einmal rechtskräftig wegen betrügerischer Krida verurteilt worden ist.

Tatsächlich hatte die Wiener Wirtschaftskammer intensive Wirtschaftsbeziehungen zu Benkos Signa: Es war die Signa, die das neue "Haus der Wiener Wirtschaft" am Austria Campus beim Praterstern errichtet hatte - das allseits gelobte Projekt soll 100 Millionen Euro gekostet haben. Doch zuvor hatte die Signa quasi im Tausch das alte Gewerbehaus im 3. Wiener Gemeindebezirk sowie das Palais Festetics in Alsergrund an die Signa abgegeben. Und da passierte Seltsames: Das Gewerbehaus war mit 17,5 Millionen Euro bewertet worden - wenige Wochen danach verkaufte Signa das Gebäude um 31,3 Millionen Euro an einen Investor weiter. Wie es zur Wertsteigerung kam - ungewiss. Eine Prüfung in der Kammer - vom Wirtschaftsbund blockiert.

Erst Parteiausschluss - dann zerbröselte der Wirtschaftsbund

Doch auch so hatte sich enormer Druck auf Ruck aufgebaut: Vor knapp einer Woche hatte die Bundespartei auf Initiative von Kanzler Christian Stocker den Ausschluss beschlossen. Hatte sich Ruck zunächst stur gezeigt, so begann am Dienstag seine politische Heimat zu zerbröseln. Als Ex-Generalsekretärin Maria Rauch-Kallat ihren Austritt aus dem Wirtschaftsbund Wien erklärte, dürften Dutzende ihrem Beispiel gefolgt sein. Auch das hat im Ruck-Universum wie eine Bombe eingeschlagen.

Das waren Rucks Sager - oe24 veröffentlichte das Band

Doch was hat Ruck wirklich gesagt? Zunächst waren nur verschriftlichte Zitate einer Aufnahme veröffentlicht worden, die in Rucks Weinkeller gemacht worden sein soll. oe24 spielte dann Teile des Bandes ab.

Die Sager hatten es in sich: In der von oe24 veröffentlichten Passage spricht Ruck jedenfalls über Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer (ÖVP). Dieser sei "Typ Sachbearbeiter und Vorstandsassistent". Denn: "Der kommt zu dir hinein mit 300 Seiten, die er auswendig gestrebert hat und dort will er in zwei Minuten alle 300 Seiten erzählen", so Ruck laut der Tonaufnahme.

Attacken gegen die Industrie

Weitere Attacken setzte es gegen Industrielle: So hat Ruck den ehemaligen Chef der Ottakringer Brauerei sowie andere, nicht namentlich genannte Industrievertreter aus Oberösterreich scharf kritisiert: Diese hätten bei Diskussionen über die Kammerumlage 2 "gescheit dahergeredet, vom Kaviar-Frühstück kommend".

Abfälliges gegenüber Frauen

Auch ein seltsames Frauenbild ließ Ruck erkennen: Seine Stellvertreterin Margarete Kriz-Zwittkovits habe zugunsten von Rucks Sohn auf ein Mandat verzichtet - und nach dem "Befehl" auch noch "salutiert".