Nach Wahl-Debakel

Rücktritt? Wilde Spekulationen um Donald Trump

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Prognose-Guru Nate Silver hat eine "seltsame Intuition".
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Donald Trump könnte seine zweite Amtszeit möglicherweise nicht bis zum Ende durchziehen. Nach den schweren Verlusten der Republikaner bei den US-Zwischenwahlen steht der Präsident vor einer schwierigen politischen Phase. Ab Jänner kontrollieren die Demokraten den Kongress und könnten Trumps Regierung mit zahlreichen Untersuchungen unter Druck setzen. US-Experten halten deshalb sogar einen vorzeitigen Rücktritt für denkbar. Sein Nachfolger wäre Vizepräsident JD Vance.

Eine entsprechende Theorie bringt nun der US-Datenanalyst Nate Silver ins Spiel. Der 48-Jährige, der für seine präzisen Wahlprognosen bekannt ist, schilderte in einem Podcast eine ungewöhnliche Einschätzung. Trump könnte "vielleicht irgendeinen Vorwand finden, um hinzuschmeißen".

Angst-Faktor

Hintergrund ist die veränderte Machtverteilung in Washington. Mit dem Verlust der Mehrheiten im Kongress verliert Trump ab Jänner einen wichtigen Teil seines politischen Handlungsspielraums. Die Demokraten können Untersuchungsausschüsse einsetzen, Regierungsmitglieder vorladen und die Arbeit des Weißen Hauses deutlich erschweren. Besonders brisant sind dabei Vorwürfe möglicher politischer und finanzieller Verflechtungen innerhalb der Trump-Familie.

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Silver erwartet, dass Trump dadurch zunehmend unter Druck geraten könnte. Der Präsident werde möglicherweise "sehr, sehr, sehr isoliert". Das könne ihn zwar in der Außenpolitik unberechenbarer machen, im innenpolitischen Machtkampf seien seine Möglichkeiten aber stark eingeschränkt. Silver formulierte es drastisch: Trump habe "verdammt noch mal keinerlei Druckmittel" mehr. Auch der bisherige "Angst-Faktor" könnte schwinden, wenn sich republikanische Abgeordnete nicht länger vor politischen Konsequenzen einer offenen Konfrontation fürchten.

Politologe hält Rücktritt im kommenden Jahr für möglich

Auch der US-Politologe Scott Erb hält einen solchen Schritt nicht für ausgeschlossen. Gegenüber BILD sagte er: "Es würde mich nicht überraschen, wenn Präsident Trump aus Frust über seinen Machtverlust irgendwann im kommenden Jahr zurücktritt." Als mögliche Auslöser nennt er anhaltende Untersuchungen im Kongress, politische Blockaden und den wachsenden Druck auf den Präsidenten.

Ein Rücktritt wäre allerdings ein außergewöhnlicher Schritt. Trump müsste damit nicht nur die politische Verantwortung für die Niederlage seiner Partei übernehmen, sondern auch das Weiße Haus vorzeitig verlassen. Eine entsprechende Ankündigung gibt es bislang nicht. Die Überlegungen von Silver und Erb sind Einschätzungen und keine Hinweise auf konkrete Rücktrittspläne.

JD Vance würde automatisch Präsident werden

Sollte Trump tatsächlich zurücktreten, wäre die Nachfolge verfassungsrechtlich klar geregelt: Vizepräsident JD Vance würde gemäß dem 25. Zusatzartikel zur US-Verfassung unmittelbar das Präsidentenamt übernehmen. Er könnte damit bereits vor der nächsten regulären Präsidentschaftswahl 2028 ins Weiße Haus einziehen.

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Allerdings ist das Verhältnis zwischen Trump und seinem Vize derzeit ebenfalls ein Thema. Vance soll den Iran-Krieg als wesentlichen Grund für das schlechte Abschneiden der Republikaner bei den Zwischenwahlen genannt und damit indirekt auch Trump kritisiert haben. In politischen Kreisen wird deshalb bereits über Spannungen innerhalb der MAGA-Bewegung spekuliert. Ob Vance tatsächlich als politischer Erbe Trumps aufgebaut wird, ist offen.

Parallelen zu George W. Bush

Für Nate Silver gibt es auch historische Gründe, warum die aktuelle Situation für Trump problematisch werden könnte. Er zieht Vergleiche mit dem Jahr 2006. Damals verloren die Republikaner unter Präsident George W. Bush bei den Zwischenwahlen ebenfalls die Kontrolle über beide Kammern des Kongresses.

Die Parallelen reichen laut dieser Analyse bis zu den damaligen Umfragewerten: Bush kam 2006 auf rund 38 Prozent Zustimmung. Auch Trumps derzeitiger Wert soll in einer ähnlichen Größenordnung liegen. Beide Präsidenten waren zudem mit einem umstrittenen Krieg im Nahen Osten und wirtschaftlicher Unzufriedenheit konfrontiert.

Nach Bushs politisch schwieriger Schlussphase gewann 2008 der Demokrat Barack Obama die Präsidentschaftswahl. Silver sieht darin einen möglichen Hinweis darauf, wie schwierig die politische Ausgangslage für die Republikaner bis 2028 werden könnte. Eine direkte Wiederholung der Geschichte lässt sich daraus allerdings nicht ableiten.

Rücktritt als politisches Manöver?

Eine andere Frage ist, ob Trump tatsächlich aus Frust aufgeben würde oder ob ein Rücktritt auch strategische Überlegungen haben könnte. Ein solcher Schritt könnte JD Vance die Möglichkeit geben, sich als amtierender Präsident für die Wahl 2028 zu positionieren. Gleichzeitig würde Trump die Verantwortung für die Regierung an seinen Stellvertreter übergeben.

Eine ähnliche Konstellation gab es in der Netflix-Serie "House of Cards": In der fünften Staffel tritt Präsident Frank Underwood unter dem Druck eines Untersuchungsausschusses zurück. Seine Ehefrau und Vizepräsidentin Claire übernimmt daraufhin das höchste Staatsamt.

Die Parallele ist allerdings rein fiktiv. Für einen Rücktritt Trumps gibt es derzeit keine bestätigten Anzeichen. Fest steht lediglich, dass die neuen Mehrheitsverhältnisse im Kongress seine politische Arbeit ab Jänner erheblich erschweren dürften