Kritik wird lauter
Russen verzweifeln: "Hab Angst, in den Supermarkt zu gehen"
Lebensmittel werden für viele Menschen zunehmend unerschwinglich, während die Kritik an der Wirtschaftspolitik des Kremls lauter wird. Ein Video zweier Supermarktmitarbeiterinnen aus Sotschi, das sprunghafte Preiserhöhungen dokumentiert, verbreitete sich millionenfach im Internet. Für die beiden Frauen hatte die Veröffentlichung allerdings Konsequenzen.
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"Die Wahlen sind vorbei – die Preise sind gestiegen": Mit diesem Satz kommentierte die 36-jährige Swetlana Ischilenko gemeinsam mit ihrer Kollegin Alisa Kunjaschowa die neuen Preisschilder in einem Supermarkt. Aufnahmen zeigen, wie die Mitarbeiterinnen Etiketten austauschen. Die neuen Preise lagen teilweise um 18 bis 33 Prozent höher als zuvor. Das Video löste eine Welle von Reaktionen aus.
"Ich habe Angst, in den Supermarkt zu gehen"
In den sozialen Netzwerken berichten Menschen aus verschiedenen Regionen Russlands von immer größeren finanziellen Problemen. Eine Frau aus Irkutsk schilderte gegenüber dem unabhängigen Medium Radio Swoboda, dass Mehl, das früher 36 bis 45 Rubel gekostet habe, inzwischen mit 84 Rubel zu Buche schlage.
"Offen gesagt, habe ich inzwischen Angst, überhaupt noch in den Supermarkt zu gehen. Ich fürchte, dort die Hälfte meines Gehalts liegen zu lassen", erklärte die zweifache Mutter.
Andere Nutzer beschreiben, wie sie beim Einkaufen zunehmend auf Produkte verzichten müssen. "Wir gehen mittlerweile einkaufen wie in ein Museum. Es ist peinlich, jemandem unseren Einkaufskorb zu zeigen", schrieb ein Kommentator. Ein anderer erklärte sarkastisch: "Ich fange an zu stehlen."
Kritik an Putin wird lauter
Die steigenden Preise sorgen auch für wachsende Kritik an Präsident Wladimir Putin und seiner Regierung. In den Kommentaren machen manche Nutzer ihrem Ärger über die wirtschaftliche Lage und die politischen Verantwortlichen Luft. Während die russische Staatspropaganda ein positives Bild des Landes vermittelt, schildern Betroffene im Internet einen zunehmend schwierigen Alltag.
Für Ischilenko und ihre Kollegin hatte das Video berufliche Folgen. In einem weiteren Beitrag erklärte die Bloggerin, beide Frauen hätten ihre Stellen verloren. Das Unternehmen habe offenbar befürchtet, dass die Aufnahmen seinem Ruf schaden könnten.