Sonderzug evakuiert!

Boris Johnson und deutsche Spitzenpolitiker entkommen russischem Drohnenangriff

© X/ Gerashchenko_en
Russland und die Ukraine haben ihre gegenseitigen Angriffe auch in der Nacht auf Sonntag fortgesetzt.
Zur Vollversion des Artikels

Laut russischen Behörden wurden in der Teilrepublik Tatarstan zwei Menschen bei einem ukrainischen Drohnenangriff getötet. In der ukrainischen Kleinstadt Jahodyn nahe der Grenze zu Polen schlug indes laut Kiew eine russische Drohne ein. In der Grenzregion Wolyn habe zudem Drohne einen Personenzug zwei Kilometer vor der polnischen Grenze angegriffen. Verletzte gebe es nicht.

In der russischen Teilrepublik Tatarstan wurden infolge eines ukrainischen Drohnenangriffs zwei Menschen getötet. Eine Drohne sei in einen Baum gestürzt, wodurch ein in der Nähe stehendes Auto mit vier Insassen beschädigt worden sei, teilte der Bürgermeister der Stadt Nischnekamsk, Radmir Beljajew, am Sonntag auf Telegram mit. Zwei der Insassen seien ums Leben gekommen, die anderen beiden seien schwer verletzt worden.

Vier weitere Menschen wurden Beljajew zufolge verletzt, als eine Drohne in ein Wohnhaus stürzte. Industrieobjekte und zivile Objekte seien beschädigt worden. In einem nicht näher genannten Unternehmen sei ein Feuer ausgebrochen, das schnell gelöscht worden sei. Der Generalstab in Kiew bestätigte unter anderem einen Angriff auf Nischnekamsk. Die Raffinerie Taneko sei getroffen und die Entzündung eines der Tanks festgestellt worden. Schon in der Vergangenheit hatte Kiew bei Gegenangriffen die Ölraffinerie in Nischnekamsk getroffen.

Militärgeheimdienst: Haben Raffinerie in Südrussland getroffen

Die Ukraine attackierte nach eigenen Angaben außerdem die Raffinerie Slawjansk Eko in der russischen Region Krasnodar. Eine Ölverarbeitungsanlage und ein Tankpark seien getroffen worden, teilte der ukrainische Militärgeheimdienst HUR mit. Ein großflächiges Feuer sei ausgebrochen. Zur Begründung hieß es, die Anlage in Slawjansk-na-Kubani diene dem russischen Angriffskrieg.

Der Zivilschutzstab der Region Krasnodar teilte bei Telegram lediglich mit, dass auf dem Gelände eines nicht näher beschriebenen Unternehmens ein Feuer ausgebrochen sei. Herabstürzende Drohnentrümmer hätten außerdem eine Gasleitung in einem Wohngebiet der Stadt Slawjansk-na-Kubani, beschädigt. Schon in der Vergangenheit war die Raffinerie dort getroffen worden. Im Sommer brannte sie infolge einer Attacke mehrere Tage lang.

Die Ukraine verteidigt sich mit westlicher Hilfe seit mehr als viereinhalb Jahren gegen den russischen Angriffskrieg. Als Teil ihres Abwehrkampfes nimmt sie auch Ziele im russischen Hinterland ins Visier.

Zug nahe Grenze zu Polen in der Ukraine von russischer Drohne getroffen

Eine russische Drohne schlug unterdessen in der Nacht auf Sonntag nahe der ukrainisch-polnischen Grenze in der Kleinstadt Jahodyn ein. Dies teilte der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha auf der Plattform X mit und korrigiert damit eine frühere Aussage, wonach der Grenzübergang direkt getroffen wurde. Der Einschlagsort liegt rund 800 Meter von der Grenze entfernt, wie eine Sprecherin des polnischen Grenzschutzes der Nachrichtenagentur Reuters sagte. Der Grenzübergang sei während des Angriffs vorübergehend geschlossen worden.

In der Ukraine wurde überdies ein Zug in Richtung Polen nach Angaben des polnischen Bahnbetreibers in Grenznähe von einer russischen Drohne getroffen. Nach übereinstimmenden Angaben aus Warschau und Kiew wurde bei dem Angriff niemand verletzt. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, Moskau habe den Zug "absichtlich" angegriffen. Der Bahnbetreiber PKP Intercity teilte mit, der Zug sei von Kiew nach Warschau unterwegs gewesen. An Bord hätten sich 206 Fahrgäste befunden.

Sonderzug mit deutschen Politikern und Boris Johnson an Bord evakuiert

Nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Spiegel" musste bei einem anderen Vorfall zwei Kilometer von der Grenze entfernt ein privat gecharterter Sonderzug teilweise evakuiert werden, nachdem Drohnen in der Region angegriffen hatten. An Bord dieses Zuges waren demnach einer der engster Berater des deutschen Kanzlers Friedrich Merz (CDU), der außen- und sicherheitspolitische Berater im Kanzleramt Günter Sautter, und der ehemalige britische Premier Boris Johnson, die zu Beratungen in Kiew gewesen waren.

Der deutsche Grünen-Bundestagsabgeordnete Robin Wagener, der laut "Spiegel" ebenfalls mit dem gecharterten Zug reiste, schrieb im Onlinedienst X, Russland eskaliere immer weiter. Er teilte ein Video von dem Drohnenangriff auf den Zug Kiew-Warschau und erklärte: "Heute Morgen bin ich mit dem Zug auf der gleichen Strecke gefahren, auf der dieser Angriff war." Manchmal entscheide der Zufall, "ob man sicher durchkommt". "Russland sei "eine immense Gefahr für die Sicherheit Europas. Das haben zu viele bei uns noch nicht realisiert", schrieb Wagener weiter.

Russland wirf Ukraine Angriffe nahe AKW Saporischschja vor

Der Chef des staatlichen russischen Atomenergiekonzerns, Alexej Lichatschow, warf der Ukraine unterdessen einen Angriff auf Diesel-Lastwagen nahe dem Kernkraftwerk Saporischschja vor. Dabei seien zwei russische Soldaten getötet und mehrere weitere verletzt worden, erklärt Lichatschow. Die Ukraine gefährde damit gezielt die Sicherheit der von Russland besetzten Anlage. Treibstoff ist für Generatoren wichtig, die die Kühlung der Reaktoren bei einem Ausfall der externen Stromversorgung sichern.

Der Angriff hat Lichatschow zufolge am Freitag stattgefunden, die Vorwürfe äußert der Rosatom-Chef am Sonntag. Beide Seiten werfen einander regelmäßig vor, die Sicherheit des größten europäischen Atomkraftwerks zu gefährden.