Ukraine dementiert
Russland meldet Einnahme von Kostjantyniwka
"Wir weisen dies zurück. Das sind weitere Falschmeldungen", sagte ein Vertreter des ukrainischen Generalstabs am Samstag. Die Stadt befinde sich weiter unter ukrainischer Kontrolle. Zuvor hatte das russische Verteidigungsministerium mitgeteilt, Generalstabschef Waleri Gerassimow habe Präsident Wladimir Putin über die Einnahme unterrichtet.
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Das war seit langem das Ziel Russlands bei seinem Vormarsch in der Region Donezk. Die Stadt im Osten der Ukraine ist einer von vier Orten, die eine zentrale Verteidigungslinie der Ukraine in der stark industrialisierten Region bilden. Im Morgenbericht des Generalstabs war die Rede davon, dass es in der Kleinstadt weiterhin Gefechte gebe. Auch in Dörfern noch dichter an russischen Positionen wie Iwanopyllja werde noch gekämpft.
Wichtige Bastion
Der ukrainische Generalstab betonte, Einheiten des 19. Armeekorps verteidigten Kostjantyniwka weiter an festgelegten Linien innerhalb der Stadt und an deren Zugängen. Das russische Militär erklärt schon seit geraumer Zeit, Teile von Kostjantyniwka unter seiner Kontrolle zu haben. Die Stadt gilt als eine wichtige Bastion im sogenannten Festungsgürtel der Ukraine. Die Einwohnerzahl der Stadt ist von fast 70.000 vor dem Krieg auf rund 2.000 geschrumpft.
Analysten zufolge würde die Einnahme von Kostjantyniwka den russischen Streitkräften einen Brückenkopf bieten, um weiter nach Norden vorzustoßen. Jeder weitere Vormarsch dürfte jedoch langwierig und verlustreich werden. Dies könnte an die Belagerungen anderer ostukrainischer Städte wie Pokrowsk und Awdijiwka erinnern.
Putin spricht von strategischem Erfolg
Putin lobte bereits die Einnahme der Stadt als bedeutenden strategischen Erfolg. "Wir alle wissen, dass diese Stadt ein wichtiges Verkehrszentrum und ein großes Industriezentrum des Donbass ist." Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte zuletzt erklärt, der russische Vormarsch im Osten habe sich seit Jahresbeginn deutlich verlangsamt. Putin wies dies als "Informationskampagne" zurück, mit der die Führung in Kiew angebliche Erfolge zur Schau stellen wolle.
Putin erklärte weiter, die russischen Streitkräfte müssten auf die verstärkten ukrainischen Fernangriffe, die sich vor allem gegen die russische Ölindustrie richteten, reagieren. Der russische Staatschef sprach von einer Ausweitung sogenannter Sicherheitszonen. Je mehr Angriffe die Ukraine auf zivile russische Einrichtungen versuche, desto größer müsse die Sicherheitszone im angrenzenden Gebiet werden. Er reagierte damit auf den Bericht des Kommandanten Jewgeni Nikiforow, wonach es noch nicht vollständig gelungen sei, ukrainische Drohnenangriffe auf die russische Ölindustrie zu unterbinden.
Institut: Putin braucht positive Nachrichten
Die Moskauer Kräfte hätten in den vergangenen Wochen Geländegewinne in Kostjantyniwka erzielt, schrieb das US-amerikanische Institut für Kriegsstudien (ISW). Doch vor allem bestehe die russische Präsenz in der Stadt aus kleinen Stoßtrupps zwischen ukrainischen Stellungen. Das ISW wertete Putins Siegesmeldung als Versuch, mediale Aufmerksamkeit vor dem Wochenende mit den Feiern zu 250 Jahre Unabhängigkeit der USA zu gewinnen.
Der russische Staatschef zeigte sich erstmals seit längerem wieder in Uniform bei den Militärs. Das Verkünden von Erfolgen der Armee ist wichtig für Putin. Die Treibstoffkrise in Russland, verursacht durch ukrainische Gegenangriffe mit Drohnen, hat in der Bevölkerung großen Unmut hervorgerufen.