Schlafreport
Schlaf-Weltmeister: In diesen Ländern schlafen die Menschen am meisten
Eine aktuelle Auswertung des Weltwirtschaftsforums zeigt drastische Unterschiede beim Schlafverhalten rund um den Globus. Während manche Nationen erholsame Nächte genießen, herrscht in anderen Ländern ein gefährlicher Schlafmangel.
Neuseeland als Spitzenreiter im Schlaf-Ranking
Die Daten, die ursprünglich von der weltweit genutzten App "Sleep Cycle" aufgezeichnet und vom Weltwirtschaftsforum analysiert wurden, zeigen ein klares Bild. Am ausgeschlafensten sind die Menschen in Neuseeland. Eine durchschnittliche:r Neuseeländer:in bringt es pro Nacht auf mehr als siebeneinhalb Stunden Schlaf. Expert:innen führen diese Spitzenposition auf mehrere günstige Faktoren zurück:
- Eine extrem niedrige Lichtverschmutzung im Land, die den natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus unterstützt.
- Eine vergleichsweise geringe Bevölkerungsdichte, die für ruhigere Nächte sorgt.
- Eine allgemein gelassene Lebensart, die den Stresspegel senkt.
Neben Neuseeland schaffen es auch einige europäische Nationen über die Marke von siebeneinhalb Stunden Schlaf pro Nacht. Dazu gehören Großbritannien, Finnland, die Niederlande und Belgien. Auch der neuseeländische Nachbar Australien reiht sich in dieser Spitzengruppe ein.
Japan am Tabellenende: Die Gefahr von Karoshi
Am völlig anderen Ende der Skala befindet sich Japan. Hier schlafen die Menschen im Schnitt gerade einmal etwas mehr als sechs Stunden und 15 Minuten pro Nacht. Dies ist der absolute Tiefstwert der Untersuchung. Die Gründe dafür sind tief in der Gesellschaft verankert: Extrem lange Arbeitszeiten und ein enormer Leistungsdruck im Beruf. Unglaublich lange Pendelzeiten, wie Untersuchungen des Rundfunksenders NHK zeigen. Ein chronischer Mangel an Erholungsphasen im Alltag.
In Japan ist der Schlafmangel sogar so akut, dass es einen eigenen Begriff für den plötzlichen Tod durch Überarbeitung gibt: "Karōshi". Dieses Phänomen beschreibt die fatalen Folgen von extremen Arbeitszeiten, hohem Druck im Job und dem damit einhergehenden akuten Mangel an Schlaf. Knapp hinter Japan folgen Saudi-Arabien und Südkorea als weitere Länder mit extrem geringen Schlafzeiten.
Enorme wirtschaftliche Schäden durch Schlafmangel
Die Auswirkungen von zu wenig Schlaf sind jedoch nicht nur ein privates Gesundheitsproblem, sondern belasten auch die Volkswirtschaften massiv. Eine schlaflose Nacht beeinträchtigt die Konzentration und Produktivität am nächsten Tag erheblich. Laut Berechnungen der renommierten Rand Corporation verliert die Wirtschaft der USA jährlich umgerechnet rund 1,2 Millionen Arbeitstage, weil Beschäftigte übermüdet sind.
Selbst in Ländern mit vergleichsweise guten Schlafwerten sind die Verluste gigantisch. So büßen Deutschland und Großbritannien trotz ihrer besseren Platzierungen im Ranking jeweils rund 200.000 produktive Arbeitstage pro Jahr ein. Ein kleiner Unterschied in der täglichen Schlafzeit summiert sich im Laufe der Zeit zu riesigen Summen. Der Unterschied zwischen der schlaffreudigsten Nation und der am stärksten übermüdeten beträgt immerhin eine Stunde und 25 Minuten pro Nacht. Auf das ganze Jahr hochgerechnet entspricht dies mehr als 19 Tagen Schlafentzug.
Wie viel Schlaf braucht der Mensch wirklich?
Wie viel Schlaf ein Mensch tatsächlich benötigt, lässt sich nicht pauschal beantworten. Die US-Gesundheitsbehörde CDC hat jedoch Richtwerte herausgegeben, die sich stark am Lebensalter orientieren. Die Empfehlungen zeigen deutliche Unterschiede:
- Erwachsene im Alter zwischen 18 und 60 Jahren sollten mindestens sieben Stunden oder mehr pro Nacht schlafen.
- Für Menschen zwischen 61 und 64 Jahren verengt sich der Zielbereich auf sieben bis neun Stunden.
- Neugeborene und Kleinkinder benötigen mit 14 bis 17 Stunden fast doppelt so viel Schlaf wie Erwachsene.
Im Mittelfeld des weltweiten Vergleichs bewegen sich Länder wie Thailand, Argentinien, Taiwan und Singapur. Hier schlafen die Menschen im Durchschnitt zwischen sechs Stunden und 45 Minuten und sieben Stunden pro Nacht. Damit liegen sie zwar im gesunden Bereich, haben aber noch deutlichen Nachholbedarf gegenüber den Spitzenreitern.