Millionenschaden

Schlecht gewartet? So hätte U1-Brand verhindert werden können

© zVg
Knapp zwei Jahre nach einem verheerenden U-Bahn-Brand in Wien sorgt jetzt ein Untersuchungsbericht für Wirbel: Wartungsmängel könnten das Feuer begünstigt haben, die Wiener Linien bestreiten das.
Zur Vollversion des Artikels

Am 19. November 2024 geriet ein Sonderzug der Linie U1 zwischen den Wiener U-Bahn-Stationen Taubstummengasse und Südtiroler Platz in Brand. Fünf Menschen wurden leicht verletzt, die Fahrerin zur Kontrolle ins Krankenhaus gebracht. Die Strecke blieb in Folge zehn Tage lang gesperrt. Dabei war nur eine Woche zuvor die betroffene Garnitur gewartet worden. Laut Bericht der zuständigen Sicherheitsuntersuchungsstelle des Bundes hätten hierbei beschädigte Stellen an der Kabelisolierung auffallen können, die den Brand im Zuge eines Kurzschlusses begünstigten.

Die Prüfer gehen von Scheuerstellen aus, die sich über längere Zeit entwickelt hatten. Gleichzeitig hätte ein wichtiger Hauptschalter beim Kurzschluss die Stromzufuhr unterbrechen sollen – genau das passierte aber nicht. Dem Bericht nach könnte auch die Wartung des Schalters mangelhaft gewesen sein, darüber hinaus wären die vorgeschriebenen Wartungsintervalle nicht eingehalten worden. Die Wiener Linien widersprechen dieser Darstellung und geht stattdessen von einer "Verkettung zweier unabhängiger Ereignisse" aus. Außerdem sei im Nachhinein ein eindeutiger technischer Nachweis wegen der Zerstörung des Schalters nicht mehr möglich.

Die Folgen des Unfalls sind jedenfalls enorm: Die ausgebrannte Garnitur musste verschrottet werden, ein Ersatz-Zug kostet 11,4 Millionen Euro. Dazu kommen mehr als 2,7 Millionen Euro an Schäden an der Infrastruktur im U-Bahntunnel. Vor diesem Hintergrund fordert ÖVP-Verkehrssprecherin Elisabeth Olischar maximale Transparenz: "Der Bericht einer unabhängigen Untersuchungsstelle darf nicht einfach relativiert werden. Es braucht volle Aufklärung darüber, wie es zu diesen möglichen Versäumnissen kommen konnte, ob weitere Fahrzeuge betroffen sind und welche konkreten Maßnahmen bereits gesetzt wurden. Die SPÖ-NEOS-Stadtregierung und die Wiener Linien müssen sämtliche Kritikpunkte ernst nehmen und für Transparenz sorgen. Bei der Sicherheit im öffentlichen Verkehr darf es keine Kompromisse geben."