Premieren-Kritik
Schnitzlers "Reigen" enttäuscht in Reichenau
Mit Arthur Schnitzlers "Reigen" haben die Festspiele Reichenau am Donnerstagabend ihre zweite Produktion vorgestellt. Alexandra Henkel und Dietmar König haben das Stück im Neuen Spielraum inszeniert und wirken selbst mit (als junge Frau und Ehegatte). Das Resultat fiel leider enttäuschend aus.
Reigen lässt seltsam kalt
"Ich hab keine Ahnung, wo ich lebe", sagt die Schauspielerin (Stefanie Dvorak) einmal, und man hat dafür großes Verständnis: Auch als Zuseher lässt sich das Geschehen nur sehr ungefähr verorten, sei es sprachlich oder topografisch. Begonnen wird mit einer lautlosen Prozession aller Mitwirkenden, die am Ende ebenfalls wieder gemeinsam auf der Bühne stehen und eine Vertonung von Schnitzlers "An die Geliebte" singen. "Gerne möchte ich reparieren mein fadenscheiniges Ich."
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Das klingt beinahe entschuldigend, aber da war nichts mehr zu reparieren. Kaum eine Szene, in der nachvollziehbar gewesen wäre, was das jeweilige Paar zusammengebracht hat. Da wird gestelzt, gebrüllt, deklamiert, durchaus mit Absicht. Was fehlt, sind jedoch Zwischentöne, Momente psychologischer Präzision, Augenblicke, in denen das Erwartbare durchbrochen wird. Doch dieser Reigen langweilt und lässt seltsam kalt.
Da nützt selbst Bernhard Moshammers musikalischer Spannungsaufbau zwischen Vivaldi-Anklängen und Disco-Beats wenig. Das Bühnenbild beschränkt sich auf eine unebene Fläche, die aussieht, als wäre ein überdimensionales Spannleintuch aufgezogen worden. Darauf agieren u.a. Therese Affolter als Dirne, Stefan Jürgens als Graf und Daniel Jesch als Dichter. Das Premierenpublikum zeigte sich applausfreudig.