Michael Schottenberg war in seinem Leben schon vieles: Schauspieler, Theaterintendant, Regisseur oder Vize-Dancing Star 2020 (legendär seine unterhaltsamen und kraftvollen Performances zusammen mit Tanz-Profi Conny Kreuter).
Fernab der touristischen Fallen
Seit einiger Zeit ist "Schotti" nun Reisender, entdeckt die Welt fern und nah. Einige seiner Erlebnisse gibt es bereits in Buchform, nun sind neue Berichte erschienen mit dem Titel: Irgendwo auf der Welt – 66 neue Reisegeschichten. Darin wendet Schottenberg sich den Orten zu, die er besucht hat, er beschreibt durch seine Augen, schildert seine Eindrücke, fernab von Klischees oder überlaufenen Touristen-Must-sees.
Schottenberg lässt sich auf Moment ein
Entdeckungen. Von Valencia zur Ostsee, von Kaunas nach Ipoh: Bei Schottenberg kommen in jedem Kapitel persönliche Beobachtungen zu Papier, die mit einigen konkreten Tipps und Fotos abgerundet werden.
Auch interessant
Für Michael Schottenberg ist die Herangehensweise Offenheit, wie er im oe24-Buchtalk erörtert: "Vorarlberg, Malaysia oder die Bukowina – welches dieser Länder wäre nicht entdeckenswert?"
Genau das macht Schottis Beobachtungen aus - er lässt sich darauf ein, was er erlebt. Und darum staunt er über eine Stadt, die bereits am späten Nachmittag geschlossen ist, über auf Bäumen weidende Ziegen oder wo in Deutschland es Elefantenfüße und Viperngebisse zu bestaunen gibt.
Autor liest einige Kapitel selber vor
Übrigens, wer nicht alles selber lesen will, scannt den QR-Code und lässt sich einige der Geschichten vom Autor höchstpersönlich vorlesen. Ein unterhaltsames Buch, das auch als Inspirationsquelle für eigene Reisen gelesen werden kann.
Schotti im oe24-Buchtalk
oe24: Lieber Herr Schottenberg, was bedeutet Reisen für Sie und wie wählen Sie ein Reiseziel aus?
SCHOTTENBERG: Spontan und ohne Kalkül. Vorarlberg, Malaysia oder die Bukowina – welches dieser Länder wäre nicht entdeckenswert? Unter Reisen verstehe ich das Aufspüren unbekannter Plätze, versunkener Landschaften, vergessener Bräuche und – die Suche nach Menschen und ihren Geschichten. Es ist spannend, der Welt zu begegnen, mit nichts anderem im Gepäck als sich selbst.
oe24: Welches Reiseerlebnis hat Sie bislang am positivsten und welches am negativsten beeindruckt?
SCHOTTENBERG: Zoo von Jaipur, Radjasthan (Indien): Es gab alles, nur keine Tiere. Die Tore der Gehege standen weit offen. Ich schlenderte von Käfig zu Käfig und beglückwünschte die Direktion, die Leid mindert, indem sie ihren Schutzbefohlenen die entwürdigende Gefangenschaft erspart. In einem Tierpark keine Tiere zu zeigen, das muss man als Zoodirektor auch erst einmal hinbekommen. Urwald, nördlich von Chang Mai (Thailand): In einem Menschenreservat sind Menschen ausgestellt: "Longnecks" – Frauen, denen in ihrer Jugend dutzende Metallringe um den Hals geschmiedet wurden. Die Zurschaustellung wirkt anrüchig, zielt sie doch auf Mitgefühl und Almosen ab. Diese Art von vorgeschützter Folklore und kafkaesker Show möge jeder für sich beurteilen.
oe24: Was können wir lernen, wenn wir reisen, wenn wir andere Kulturen kennenlernen?
SCHOTTENBERG: Reisen eröffnet mir die Möglichkeit, mein Leben neu zu ordnen. Zwischen atemberaubend schöner Natur und dem Trubel von Metropolen, zwischen Begegnungen mit Gefahr und Tod fand ich, Schritt für Schritt, zur Langsamkeit zurück. Lässt sich Leben nicht auch als "Erkennen des Augenblicks" erklären – und als "Respekt vor dem Anderen"?