In Spotorno betreiben die Schwestern des Ordens Carità di Santa Maria die "Bagni Gino Garrone". Seit rund acht Jahrzehnten kümmern sie sich um das Strandbad.
Dabei geht es längst um mehr als Liegestühle und Sonnenschirme. Ein großer Teil der Einnahmen fließt in soziale Angebote für Kinder und in ein Ferienlager. Für viele Menschen im Ort ist das Bad deshalb auch ein wichtiger sozialer Treffpunkt. Doch die Zukunft ist nun ungewiss.
2027 wird der Strand neu vergeben
Die aktuelle Konzession läuft bis zum 30. September 2027. Danach soll der Strand im Rahmen einer öffentlichen Ausschreibung neu vergeben werden.
Hintergrund ist unter anderem der Plan der Gemeinde, den Anteil der frei zugänglichen Strände deutlich zu erhöhen. Bürgermeister Mattia Fiorini will den Anteil von derzeit 3,5 Prozent auf rund 40 Prozent anheben und damit regionale Vorgaben erfüllen.
Die Schwestern fürchten nun, dass ihr langjähriger Betrieb bei einer neuen Vergabe verloren gehen könnte.
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EU-Recht sorgt für zusätzlichen Druck
Der Streit hat auch eine europäische Dimension. Italien steht seit Jahren wegen seiner Strandkonzessionen unter Druck der EU.
Die sogenannte Bolkestein-Richtlinie schreibt vor, dass knappe natürliche Ressourcen wie Strände nicht einfach dauerhaft an dieselben Betreiber vergeben werden dürfen. Stattdessen sollen transparente und diskriminierungsfreie Ausschreibungen stattfinden.
Der Europäische Gerichtshof stellte bereits 2023 fest, dass Italien mit seiner bisherigen Praxis gegen die EU-Regeln verstößt.
Die italienische Regierung hat die bestehenden Konzessionen inzwischen bis Ende September 2027 verlängert. Gleichzeitig müssen die Ausschreibungen bis Juni 2027 gestartet werden.
Schwestern dürfen mitbieten
Ganz aufgeben will die Gemeinde den Orden allerdings offenbar nicht. Bisher galten die Badeanstalten der Schwestern aufgrund ihres sozialen Engagements als sogenannte "Wohltätigkeitsbäder".
Diese Kategorie ist laut Gemeinde in der heutigen Gesetzgebung nicht mehr vorgesehen. Deshalb soll der Strand künftig als ausgestatteter öffentlicher Strand geführt werden. Damit können die Schwestern an der Ausschreibung teilnehmen.
Für den Orden ist die Situation trotzdem schwierig. Die Schwestern sorgen sich darum, was mit dem Strandbad und ihren sozialen Projekten passiert, sollte künftig ein anderer Betreiber den Zuschlag bekommen.
Der Fall wird deshalb mit Spannung verfolgt. Es geht nicht nur um einen Strand, sondern auch um die Frage, ob eine jahrzehntelange soziale Tradition bei der Neuvergabe von Küstenflächen eine besondere Rolle spielen darf.