Schwere Vorwürfe

Selenskyj attackiert Trump: "Falsche Seite der Geschichte"

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Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat US-Präsident Donald Trump ungewöhnlich deutlich kritisiert.
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Bei seinem Besuch in Großbritannien warf er dem amerikanischen Staatschef vor, sich von den falschen Beratern beeinflussen zu lassen und im Ukraine-Krieg nicht auf der richtigen Seite zu stehen. Gleichzeitig bekräftigte Selenskyj, dass sein Land nicht bereit sei, seine Souveränität für politische oder wirtschaftliche Vereinbarungen aufzugeben.

"Wenn Sie in der Mitte sind, müssen Sie in der Mitte bleiben, nicht auf der falschen Seite. Ich denke, Trumps Berater liegen falsch. Ich weiß nicht, wer ihn auf die falsche Seite drängt. Das ist nicht die richtige Seite der Geschichte", erklärte Selenskyj am Mittwoch während seines England-Besuchs.

In einem Interview mit einem der einflussreichsten Journalisten Großbritanniens machte der 48-Jährige zudem deutlich, dass die Ukraine keine Zugeständnisse auf Kosten des eigenen Landes akzeptieren werde. "Wir verkaufen unser Land nicht. Seht her, Leute, es geht für uns nicht um Geschäfte. Es geht um unser Leben", sagte der Präsident.

Schwere Vorwürfe gegen Washington

Bereits im Laufe des Tages hatte ein hochrangiger Vertreter der ukrainischen Regierung schwere Anschuldigungen gegen die USA erhoben. Demnach soll Washington die Ukraine wiederholt nicht rechtzeitig vor russischen Raketenangriffen gewarnt haben. Zudem könnte eine Einschränkung des Satelliten-Kommunikationssystems Starlink die ukrainischen Streitkräfte geschwächt und damit Russland in die Hände gespielt haben.

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Die USA hätten die Ukraine bereits zweimal nicht über den Start russischer Raketen informiert, als Angriffe auf den Energiesektor erfolgt seien, erklärte der Regierungsvertreter. Auch bei Starlink übte er scharfe Kritik: "Obendrein haben sie die Geschwindigkeit von Starlink gedrosselt."

Selenskyj selbst hatte zuvor beklagt, dass sein Land vor nächtlichen Angriffen von Verbündeten "wieder einmal" nicht rechtzeitig gewarnt worden sei.

Wegen der infolge des Iran-Kriegs stark gestiegenen Kraftstoffpreise steht Trump kurz vor den US-Kongresswahlen unter Druck. Er verlangte ein Ende ukrainischer Angriffe auf die Energieinfrastruktur in Russland und kündigte Dieselimporte aus Russland trotz Sanktionen an. Zudem verkündete er eine "Energie-Waffenruhe" Russlands und der Ukraine, von der Selenskyj nach eigenen Angaben nichts wusste.

Der Kreml rechnet nach eigenen Angaben vom Mittwoch "in den nächsten Tagen" mit ersten Diesel-Lieferverträgen mit den USA. Zwölf US-Senatoren, darunter sechs Republikaner, warfen Trump wegen des Deals "Verrat" am ukrainischen Volk vor.

Starlink-Ausfall soll ukrainische Angriffe behindert haben

Zusätzliche Brisanz erhielt die Debatte durch Berichte über erhebliche Einschränkungen bei Starlink in der Nacht auf Mittwoch. Serhij Beskrestnow, Technologieberater des ukrainischen Verteidigungsministeriums, erklärte, der Betrieb des Satellitensystems sei deutlich beeinträchtigt gewesen. Dadurch seien ukrainische Angriffe gescheitert.

Selenskyj hat den US-Technologieunternehmer Elon Musk zur Wiederherstellung des Satellitenkommunikationsdienstes Starlink in der Ukraine aufgefordert - kurz darauf meldete das ukrainische Verteidigungsministerium eine Verbesserung der Verbindungen. "Wenn die Angriffe weitergehen und Starlink nicht funktioniert, werden natürlich Menschen sterben", sagte Selenskyj am Mittwoch in einem Interview mit dem Journalisten Piers Morgan.

Die Verbindung habe sich bei Empfangsgeräten, die sich mit bis zu 160 Kilometern pro Stunde bewegen, verbessert, teilte das Ministerium mit. SpaceX halte aber an einer Geschwindigkeitsgrenze von 161 Stundenkilometern fest. Die Regierung stehe mit SpaceX in Kontakt, um einen stabilen Betrieb sicherzustellen.

Musk verwies unterdessen auf die Verantwortung der US-Regierung für das militärisch genutzte Satellitensystem Starshield. "Starshield-Systeme gehören der US-Regierung und werden von ihr kontrolliert", erklärte er auf X. "Alle Begrenzungen bei Geschwindigkeit oder Nutzung werden vom US-Militär und letztlich vom POTUS (Präsidenten der Vereinigten Staaten) entschieden." Beide Systeme wurden von Musks Unternehmen SpaceX entwickelt: Starshield dient der militärischen Kommunikation, Starlink laut Musk zivilen und defensiven Zwecken.

Der Technologieberater des Verteidigungsministeriums, Serhij Beskrestnow, hatte erklärt, Starlink sei in der Nacht auf Mittwoch stark eingeschränkt gewesen. Dies habe ukrainische Angriffe scheitern lassen.

Satellitennetz für Drohnensteuerung essenziell

Das Satellitennetz nutzt die ukrainische Armee zur Kommunikation an der Front und zur Steuerung von Drohnen. Bei zu hoher Fluggeschwindigkeit kann die Verbindung abbrechen. Der frühere ukrainische Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow erklärte, Angriffs- und Abfangdrohnen könnten bei Geschwindigkeiten bis 160 Stundenkilometern wieder fliegen.

Wegen angeblich fehlender Warnungen vor russischen Luftangriffen warf ein ranghoher ukrainischer Regierungsvertreter den USA vor, Russland im Krieg gegen sein Land zu unterstützen. Es sei "offensichtlich", dass Russland "aus irgendeinem Grund" geholfen werde, sagte er AFP.

"Es war bereits zweimal so, dass uns die Amerikaner nicht über den Start russischer Raketen informiert haben, als unser Energiesektor attackiert wurde", sagte der Regierungsvertreter. "Obendrein haben sie die Geschwindigkeit von Starlink gedrosselt." Selenskyj beklagte, die Ukraine sei "wieder einmal" nicht rechtzeitig gewarnt worden.

Die Ukraine ist in ihrem Abwehrkampf gegen russische Angriffe stark auf US-Geheimdienstinformationen angewiesen. Medienberichten zufolge hatte Washington mit deren Einstellung gedroht. Ein ranghoher ukrainischer Regierungsvertreter bestätigte nun eine solche Drohung. US-Präsident Donald Trump bestritt dies am Dienstag.

Ein US-Regierungsvertreter bestritt eine Änderung von Washingtons Haltung zum Austausch von Geheimdienstinformationen. NATO-Generalsekretär Mark Rutte verwies auf Trumps Zusicherung, dass der Austausch weitergehe. Auch die EU sah "keine Anzeichen" für einen Stopp.