Bericht
So ködern politische Islamisten Österreicher
Vom dunklen Hinterzimmer verlagern radikale Netzwerke ihre Aktivitäten ins Internet. Laut dem Jahresbericht der Dokumentationsstelle Politischer Islam (DPI) verbinden Influencer Alltagsfragen, Ernährung und persönliche Weiterentwicklung mit ideologischen Botschaften. Der Westen dient dabei als Feindbild, während die liberale Demokratie grundsätzlich infrage gestellt wird. Zudem lässt sich mit dem islamistischen Lifestyle Geld verdienen – etwa durch Bücher, Coachings, Retreats oder Vernetzungstreffen.
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Islamistische Angebote rund um Fitness
Ein Beispiel ist laut Bericht das Projekt "Rujulah 1.000", das von einer Führungspersönlichkeit der salafistischen Missionierungsorganisation IMAN gestartet wurde. Mit Glauben, Selbstoptimierung und strenger Disziplin soll eine "maskuline Exzellenz" erreicht werden. Das Projekt bietet Retreats und Kurse an und wirbt mit "wahrer Männlichkeit". Auch die Sportmarke "Deenathletic" nutzt Fitness, um einen einfachen Zugang zu religiös geprägten Gemeinschaften zu schaffen und neue Mitglieder zu gewinnen.
Beeinflussung von KI und Netzwerken
Auch Künstliche Intelligenz rückt in den Fokus. Weil Sprachmodelle, Chatbots und automatische Suchzusammenfassungen auf frei verfügbare Daten im Netz zugreifen, wird versucht, Wissensplattformen gezielt zu beeinflussen. Im deutschsprachigen Wikipedia-Artikel über die Muslimbruderschaft entfernten einzelne User wiederholt kritische Quellen und ergänzten positive Darstellungselemente. Wer Inhalte auf großen Wissensplattformen prägt, kann laut DPI auch Informationen beeinflussen, auf die KI-Systeme zugreifen.
Islamistische Propaganda in Österreich
Der Bericht verweist zudem auf ausländische Akteure und die türkeistämmige Diaspora, in der über Vereine, Bildungseinrichtungen und Medien ein Weltbild verbreitet wird, das eine "islamische Zivilisation" der westlichen Gesellschaft gegenüberstellt. Davon ist auch Österreich betroffen. Einen direkten Österreich-Bezug gibt es beim Propagandamedium "Gaza Now", das von einem in Linz lebenden Aktivisten gegründet wurde. Dem arabischsprachigen Kanal folgen mehr als 1,3 Millionen Menschen, dem englischsprachigen knapp 200.000. Dort wird unter anderem Bildmaterial der Al-Qassam-Brigaden verbreitet, in dem deren Kämpfer heroisiert werden.
DPI-Direktorin Lisa Fellhofer betont: "Der DPI-Jahresbericht dokumentiert die Professionalisierung und Diversifizierung von Akteuren des Politischen Islams. Die liberalen Demokratien in Europa müssen sich dieser Herausforderung stellen. Es ist wichtig, die Methoden und Strategien der Bewegungen des Politischen Islams zu durchschauen, wie etwa die zunehmende Nutzung von neuen identitätsstiftenden Angeboten".