Forscher verblüfft

So clever kämpfen Korallen um Lebensräume

© Haus des Meeres
Die Korallen im Wiener Haus des Meeres stehen im Fokus zweier internationaler Studien, die überraschend neue Einblicke in das Leben der Meerestiere liefern.
Zur Vollversion des Artikels

Korallen können weit mehr als gedacht! Was bisher kaum jemand für möglich gehalten hat: Viele riffbildende Steinkorallen können selbst Wasserströmungen erzeugen. Möglich wird das durch winzige, perfekt abgestimmte Bewegungen, mit denen die Tiere ihre unmittelbare Umgebung beeinflussen. Die neue Erkenntnis stammt aus Untersuchungen an Korallen im Haus des Meeres und sorgt in der Forschung für großes Interesse.

Wie divers die Wuchsformen der verschiedenen Korallenarten sein können, zeigen die tropischen Riffaquarien im Haus des Meeres. © Haus des Meeres

Eine zweite Studie zeigt zudem, wie geschickt Korallen um Platz konkurrieren. Manche Arten wachsen gezielt in freie Bereiche, andere bremsen Nachbarn durch ihre besondere Wuchsform aus. Das erinnert an Pflanzen im Wald, die um jeden Sonnenstrahl kämpfen. Die Beobachtungen machen deutlich, wie komplex das Zusammenleben in Korallenriffen tatsächlich ist.

Die Froschlaich-Koralle bewegt sich mit den Wellen. © Haus des Meeres

Ergebnisse besonders wertvoll

Für den Schutz der weltweit bedrohten Korallenriffe sind diese Ergebnisse besonders wertvoll. Gleichzeitig stärken die Studien den Ruf des Wiener Haus des Meeres als wichtigen Forschungsstandort. Dank kontrollierter Bedingungen können Wissenschafter die faszinierenden Meerestiere dort genau beobachten und neue Erkenntnisse für ihren langfristigen Erhalt gewinnen.

Die Drahtkorallen zeichnen sich durch ihren festen, aufrechten Wuchs aus. © Haus des Meeres

"Diese Erkenntnisse zeigen, dass Korallen keineswegs passive Organismen sind, sondern aktiv ihre Umgebung gestalten können", erklärt Dr. Daniel Abed-Navandi, stellvertretender Direktor des Haus des Meeres. "Gleichzeitig zeigt es, wie wichtig die Verbindung von öffentlicher Bildung, Tierhaltung und neugiergetriebener Forschung ist." Die beiden Studien mit seiner Beteiligung und unter der Leitung des Neuroimmunologen Igor Adameyko wurden kürzlich in den renommierten Fachjournalen Communications Biology (Nature Portfolio) und Science Advances veröffentlicht.