Geheimplan

So will Lisa Totzauer den ORF jetzt aus der Krise retten

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Was Journalistin Lisa Totzauer sich für das öffentlich-rechtliche Medienhaus wünscht und wie ihre Chancen stehen, am 11. Juni vom Stiftungsrat zur Generaldirektorin gewählt zu werden.

Als der ehemalige ORF-Generaldirektor Roland Weißmann (58) im März seinen sofortigen Rücktritt bekanntgab, wünschte Medienminister und Vizekanzler Andreas Babler (53) sich eine Frau an die Spitze des öffentlich-rechtlichen Medienunternehmens. Lisa Totzauer (56) möchte diese Frau sein. Wenn der Stiftungsrat sie lässt: Sie warf Anfang der Woche als Erste ihren Hut in den Ring und gab ihre Bewerbung bekannt.

Eine Frau für den ORF

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"Der ORF ist in einer fundamentalen Krise. Seit zwei Monaten bekommen wir das täglich mit", begründete sie ihre Kandidatur für die Wahl am 11. Juni in einem Mediengespräch: "Wenn der ORF jetzt nicht reformiert wird, wenn wir jetzt so weitermachen und nur da und dort ein paar kosmetische Änderungen vornehmen, dann verlieren wir einen wichtigen Teil der demokratischen Infrastruktur unseres Landes." Das Bild, das das Unternehmen gerade abgibt, bezeichnet sie für sich und viele Mitarbeiter:innen als "schmerzhaft und beschämend".

Erfahrene Journalistin

Die Mammutaufgabe, den ORF aus der Krise und in die Zukunft zu führen, ist für Lisa Totzauer eine Herzensangelegenheit: Sie gehört dem Unternehmen seit 30 Jahren an. Um Machtmissbrauch von Führungskräften, Belästigungen und Interventionen zu beenden, braucht es, so ist sie überzeugt, Innenkenntnis: "Ich weiß, wo die Stärken sind und wo die Schwächen sind. Ich weiß in der Sekunde, was ich zu tun habe. Ich habe zwei Jahrzehnte Führungsverantwortung in den unterschiedlichsten Bereichen, habe Programme entwickelt, Teams durch tiefen Wandel geführt, Formate neu erfunden und den digitalen Umbau vorangetrieben."

Totzauer war im Laufe ihrer Karriere Sendungsverantwortliche der "Zeit im Bild", Infochefin und Senderchefin von ORF eins und ist seit 2022 Hauptabteilungsleiterin Magazine und Servicesendungen. Ihr Wunsch, die Leitung des Unternehmens zu übernehmen, ist nicht neu. Die mehrfach ausgezeichnete Journalistin trat schon vor fünf Jahren an, unterlag damals aber Weißmann. Den letzten Anstoß, es zu versuchen, gaben Lisa Totzauer ihre Kinder. Als sie ihnen erzählte, dass sie mit dem Gedanken spielt, sich wieder zu bewerben, antworteten sie: "Du hast die moralische Verpflichtung."

Klare Vision

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Zum Inhalt ihres rund 80-seitigen Konzepts wollte sie sich vorerst nicht äußern und vertröstete auf später, versicherte aber dass sie darin konkrete Maßnahmen und einen klaren Zeitplan präsentiert, um den ORF zu einer unverzichtbaren demokratischen Infrastruktur zu machen, die ein Orientierungssystem der Gesellschaft ist. Genau das braucht es, findet sie, in Zeiten, in denen Algorithmen und Despoten entscheiden, was wir glauben sollen. Ein unbeeinflussbarer ORF ist kein Relikt, sondern die "modernste Antwort auf die älteste Frage der Demokratie: Wer kontrolliert die Information? Den Tech-Giganten können wir das nicht überlassen."

Kanzler-Favorit

Neben Totzauer bewirbt sich Medienmanager Markus Breitenecker (57) um die Position. Er will für einen "souveränen und starken ORF, der uns durch diese Zeit trägt", sorgen. Beide gelten nicht als die großen Favoriten für den Job. Als Außenseiterin versucht auch Exxpress-Herausgeberin Eva Schütz (52) ihr Glück. Bundeskanzler Christian Stocker (66) soll sich APA-CEO Clemens Pig (51) an der Spitze des Österreichischen Rundfunks wünschen – der als Favorit betrachtet wird (zu Redaktionsschluss lag seine Bewerbung noch nicht vor).

Fix ist allerdings nichts, denn ein Teil der ÖVP betrachtet Pig als "keinen echten Schwarzen" und wünscht sich eine Alternative, etwa Krone-Hit-CEO Philipp König (42). Weder er noch Interims-Chefin Ingrid Thurnher (63) hatten sich zu Redaktionsschluss offiziell ins Rennen geworfen. Thurnher ist die zweite Frau, die den ORF leitet. Vor ihr hatte bislang lediglich Monika Lindner (81) die Position inne. Ihre Amtszeit endete 2006. Vielleicht wird 20 Jahre später endlich wieder eine Frau zur Generaldirektorin des ORF gewählt.