Von der Ronald McDonald- Kinderhilfe über die Spanische Hofreitschule bis zu Gut Aiderbichl: Der berufliche Weg der einstigen Kanzlergattin verbindet soziales Engagement mit ihrer großen Leidenschaft für Tiere. Seit Jahrzehnten setzt sich Sonja Klima (63) für Familien schwerkranker Kinder und den Tierschutz ein. Umso wichtiger ist es der passionierten Reiterin auch in ihrer Funktion als Organisatorin der Longines Global Champions Tour in Wien, das Tierwohl zu gewährleisten und karitative Projekte zu unterstützen. Das Interview über das Spektakel des Reitsports in einzigartigem Rahmen.
So kontert Klima Kritikern
Pferde begleiten Sie schon einen großen Teil Ihres Lebens. Was fasziniert Sie persönlich an diesen Tieren? Und gibt es ein Pferd, das Sie ganz besonders geprägt hat?
Sonja Klima: Die Faszination spielt sich in erster Linie auf der Gefühlsebene ab. Der bloße Anblick eines Pferdes löst bei mir schon ein warmes Gefühl und das Bedürfnis nach Nähe aus. In der Gegenwart dieser wundervollen Tiere empfinde ich eine tiefe innere Ruhe und ein Gefühl von Freiheit, das den Alltag komplett in den Hintergrund rücken lässt. Es sind mehrere Pferde, zu denen ich ein besonderes und langjähriges Verhältnis hatte und habe. Ganz besonders hervorheben möchte ich mein erstes eigenes Pferd Frio, mit dem mich viele ganz besondere Momente verbinden. Seit 15 Jahren bin ich im Besitz eines wunderbaren P.R.E. namens Yadro und seit einigen Monaten einer liebenswerten Quarterhorse-Stute.
Spitzensport mit Pferden wird auch kritisch gesehen. Was sagen Sie Menschen, die sich fragen, ob Höchstleistung, internationaler Turnierbetrieb und echtes Tierwohl überhaupt miteinander vereinbar sind?
Klima: Die Beziehung zwischen Mensch und Pferd ist eine der ältesten und tiefgründigsten Partnerschaften unserer Geschichte. Im Verlauf der Menschheitsgeschichte hat das Pferd eine zentrale Rolle eingenommen. Ohne den "kentaurischen Pakt", wie dies Ulrich Raulff formuliert hat, hätte sich die Menschheit nicht in der Form weiterentwickeln können. Er beschreibt, wie der Mensch durch das Pferd schneller, mobiler und mächtiger wurde, als ob beide zu einem einzigen schlagkräftigen Wesen verschmolzen wären. Waren Pferde in der Vergangenheit hauptsächlich Arbeitstiere und Kriegsmaschinen und wurden aus diesen Gründen in der Vielfalt gezüchtet und vielfach auch gequält, vielfach auch beschützt, so sind sie seit der Mitte des 20. Jahrhunderts fast ausschließlich für sportliche Zwecke im Einsatz. Wenn wir verhindern, dass sie Partner im Sport sind, würden wir der Gattung Pferd den Todesstoß versetzen. Selbstverständlich ist es unabdingbar, dass im Umgang mit Pferden im Sport höchste Tierwohlmaßstäbe zu gelten haben. Dass Turniersport und Tierwohl vereinbar sind, beweisen wir besonders bei unserem Turnier vor Schloss Schönbrunn. Unsere Stallungen befinden sich mitten im Schlosspark in der Hietzinger Allee. Das Wohlbefinden der Pferde muss bei jedem Reitturnier an erster Stelle stehen und damit vor jeglichem sportlichen Erfolg oder Ehrgeiz stehen.
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“Die Liebe zu allem Lebendigen, insbesondere zu Pferden und Hunden, bestimmt mein ganzes Leben...”
Sonja Klima
auf ihrem privaten Gestüt in Niederösterreich. © www.kernmayer.com
Das Tierwohl ist kein Marketing-Tool
Wie stellen Sie sicher, dass Tierschutz bei der LGCT Vienna nicht nur eine Botschaft nach außen ist, sondern auch hinter den Kulissen konsequent gelebt wird?
Klima: Für mich ist Tierwohl kein Trend und kein Pflichtpunkt auf einer Marketing-Checkliste. Ganz konkret bedeutet Tierwohl für mich, dass die Bedürfnisse des Tieres im Mittelpunkt jeder einzelnen Entscheidung stehen! Dass das Tierwohl bei uns hinter den Kulissen keine leere Hülle bleibt, stützt sich auf drei klare Säulen: lückenlose Transparenz, Kontrolle des Hinschauens, Konsequenz vor Profit. Für mich steht immer das Tier an erster Stelle. Ich zeige unsere Stallungen, unsere Prozesse und unsere Arbeit ungeschönt, so wie sie sind. Denn wer hinter den Kulissen alles richtig macht, muss nach außen hin nichts erfinden.
Ihre Liebe zu Tieren und zur Natur zieht sich wie ein roter Faden durch Ihr Leben. Woher kommt diese starke Verbundenheit?
Klima: Die Liebe zu allem Lebendigen, insbesondere zu Pferden und Hunden, bestimmt mein ganzes Leben, seit ich denken kann. Es ist mir wohl, wie man sagt, "in die Wiege gelegt worden". Ich selbst bezeichne mich als Biophilistin.
Sie engagieren sich seit vielen Jahren für Tiere und soziale Projekte. Was treibt Sie dabei persönlich an?
Klima: Es ist wohl beides: soziales Engagement und auch die Dankbarkeit, das Privileg zu haben, in diesem Teil der Welt geboren zu sein und Glück im Leben zu haben, das anderen verwehrt wurde. Ich versuche, denjenigen eine Stimme zu geben, die selbst keine haben, wie etwa Tieren oder benachteiligten gesellschaftlichen Gruppen. Und natürlich ist da die Freude, etwas Bleibendes zu erschaffen, wie zum Beispiel die Kinderhilfehäuser. Das macht mir große Freude und spendet Sinn. Besondere Freude bereitet es mir heuer bei der Longines Champions Tour, das Kinderhospiz Lichtblickhof unterstützen zu können. Es ist ein Lebensort für Kinder mit schweren und lebensverkürzenden Erkrankungen und ihren Familien. Mit tiergestützter Hospizarbeit werden schwer kranken Kindern Lebensqualität, Geborgenheit und unvergessliche Momente geschenkt. Ein großes Anliegen ist der Tierschutz, und darum wird auch Gut Aiderbichl bei uns dabei sein und beim Kindertag einen großen Beitrag für den richtigen Umgang mit Tieren leisten.
“Momentan weiß ich nicht, was ich zuerst tun soll.”
Sonja Klima
Welche Projekte stehen nach der LGCT an?
Klima: Fragen Sie mich das besser nach Durchführung der heurigen Veranstaltung. (lacht) Momentan weiß ich nicht, was ich zuerst tun soll. Aber spontan würde ich sagen, es liegt mir besonders am Herzen, dass es in meinem Leben noch gelingen sollte, die Käfighaltung von Tieren auf der Welt zu verbieten.
Zum Abschluss ganz persönlich: Wenn Sie für einen Moment alle Funktionen, Termine und Verpflichtungen ausblenden – was macht Sie heute wirklich glücklich?
Klima: Das kann ich leicht beantworten: Wenn ich am Abend zusammen mit meinem Pferd und mit meinem geretteten Hund Michelle die Natur reitend durchstreifen kann, das löst bei mir ein wirkliches Glücksgefühl aus. Ich fühle dabei, wie auch meine Stute das Gleiche empfindet.