Das steckt dahinter
Sonnwendfeuer: Darum brennen heute die Berge
Wenn heute Abend auf Bergen, Hügeln und in Tälern tausende Feuer auflodern, wird in Österreich die Sommersonnenwende gefeiert. Die sogenannten Sonnwendfeuer zählen zu den ältesten lebendigen Bräuchen des Landes und verwandeln die Nacht des längsten Tages im Jahr in ein beeindruckendes Lichtermeer.
Die Wurzeln des Brauchs reichen weit in die vorchristliche Zeit zurück. Damals glaubten die Menschen, dass Feuer böse Geister vertreiben, Schutz bringen und die Kraft der Sonne stärken könne. Mit der Christianisierung wurde die Tradition später mit dem Fest des Johannes des Täufers verbunden. Daher werden Sonnwendfeuer vielerorts auch als Johannisfeuer bezeichnet.
Tief verwurzelt
Besonders eindrucksvoll wird der Brauch in den Alpen gepflegt. In Tirol erleuchten jedes Jahr tausende Fackeln und Feuerstellen die Berghänge. Freiwillige gestalten dabei oft riesige Motive wie Herzen, Kreuze oder Friedenstauben, die noch aus großer Entfernung sichtbar sind. Die Tiroler Bergfeuer gelten als eine der spektakulärsten Formen der Sonnwendfeier in Europa.
Eine Besonderheit sind die sogenannten Herz-Jesu-Feuer in Tirol. Sie gehen auf das Jahr 1796 zurück, als die Tiroler im Kampf gegen französische Truppen dem Heiligsten Herzen Jesu die Treue gelobten. Seitdem werden vielerorts Kreuze, Herzen und religiöse Symbole aus Feuer auf die Berghänge gezeichnet.
Gefeiert wird die Sommersonnenwende jedoch nicht nur in Tirol. Auch in Salzburg haben Sonnwendfeuer eine lange Tradition. Vor allem auf Berggipfeln und Anhöhen des Pongaus und Pinzgaus lodern jedes Jahr zahlreiche Feuer. In manchen Orten werden zusätzlich schwimmende Lichter auf Flüssen ausgesetzt oder alte Bräuche wie das Sonnwendscheibentreiben gepflegt.
Ein weiteres Zentrum der Sonnwendfeiern ist die Wachau in Niederösterreich. Entlang der Donau werden Burgen, Weinberge und Uferbereiche mit Fackeln beleuchtet. Tausende Besucher verfolgen das Spektakel von Schiffen oder vom Ufer aus. Die Kombination aus Feuerketten, beleuchteten Burgruinen und Feuerwerken macht die Wachauer Sonnwend zu einem der bekanntesten Sommerereignisse Österreichs.
Alter Brauch
Auch in Kärnten, Oberösterreich, der Steiermark und Vorarlberg gehören Sonnwendfeuer vielerorts zum festen Bestandteil des Brauchtumskalenders. Oft sind die Feuer mit Dorffesten, Musikveranstaltungen und geselligen Feiern verbunden. Früher wurden dabei sogar alte Besen oder Strohpuppen verbrannt, um symbolisch Krankheiten und Unglück zu vertreiben. Mancherorts sprang die Jugend über die Glut, was Glück und Gesundheit bringen sollte.
Bis heute haben die Sonnwendfeuer nichts von ihrer Faszination verloren. Sie verbinden alte Traditionen mit regionaler Identität und erinnern daran, wie eng das Leben früher mit dem Lauf der Natur verbunden war. Wenn die Flammen in der kürzesten Nacht des Jahres aufleuchten, wird in vielen Regionen Österreichs ein Brauch lebendig, der seit Jahrhunderten Generationen begeistert.