Im Interview mit "FOCUS online" spricht Knaus von einer Entwicklung, die es in dieser Form kaum gegeben habe. Rund 60.000 Menschen seien innerhalb eines Tages nach Ceuta gelangt – eine Zahl, die laut dem Migrationsforscher alles bisher Dagewesene sprenge.
Zum Vergleich: Im gesamten Jahr 2025 seien an allen spanischen Außengrenzen zusammen weniger als 40.000 Migranten angekommen. Bereits in der vergangenen Woche hätten rund 1.500 Menschen Ceuta erreicht, doch darüber sei kaum berichtet worden.
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"Der Grund liegt in Marokko"
Für Knaus ist klar: Die Erklärung sei nicht in Spanien zu suchen.
"Wenn jetzt auf einmal so viele Menschen kommen, dann liegt der Grund dafür nicht in Spanien, sondern in Marokko." Spanien verzeichne seit drei Jahren sogar rückläufige Ankunftszahlen. Im Vergleich zu Italien oder Griechenland sei der Migrationsdruck zuletzt deutlich geringer gewesen. Deshalb könne weder die spanische Politik noch eine plötzliche Veränderung in Afrika den sprunghaften Anstieg erklären.
Der Experte stellt deshalb eine entscheidende Frage: Warum hätten die marokkanischen Behörden plötzlich aufgehört, die Menschen an der Ausreise zu hindern – obwohl viele sogar schwimmend ihr Leben aufs Spiel setzen?
Auch internationale Beobachter sehen mögliche politische Hintergründe. Die New York Times berichtet, dass mehrere Analysten vermuten, Marokko könnte über die jüngsten Annäherungen zwischen Spanien und Algerien verärgert sein. Erst vergangene Woche hatte Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez Abkommen mit Algerien unterzeichnet, um die Gasimporte aus dem nordafrikanischen Land auszubauen. Ob dieser Schritt tatsächlich mit den Ereignissen in Ceuta zusammenhängt, ist bislang jedoch nicht belegt.
Erinnerung an die Krise 2021
Knaus erinnert an die Ereignisse im Jahr 2021. Damals gelangten innerhalb kurzer Zeit rund 6.000 Menschen aus Marokko nach Ceuta.
Auslöser sei damals ein außenpolitischer Streit zwischen Spanien und Marokko gewesen – unter anderem wegen der Westsahara-Frage. Knaus spricht von einer "Instrumentalisierung von Migration".
Nachdem Spanien und Marokko wieder aufeinander zugegangen waren, habe Rabat innerhalb kürzester Zeit einen Großteil der Migranten zurückgenommen. Mit den Bildern der Rückkehr sei die Krise damals praktisch beendet gewesen.
Kommt es jetzt wieder zur Zusammenarbeit?
Ob sich dieses Szenario nun wiederholt, bleibt laut Knaus offen. Entscheidend werde sein, ob Marokko erneut bereit sei, mit Spanien zusammenzuarbeiten und die Menschen zurückzunehmen.
Genau darin sieht der Migrationsexperte auch den Schlüssel zur Lösung der aktuellen Krise. Die Bilder aus Ceuta würden zeigen, wie stark Migrationsbewegungen von politischen Entscheidungen beeinflusst werden können – und wie schnell sie auch wieder enden könnten, wenn beide Staaten gemeinsam handeln.