Brandenburg
Streit um Wasser: Ärger für Red Bull in Deutschland
Der geplante Ausbau der Produktion der österreichischen Getränkeriesen Red Bull und Rauch im deutschen Baruth sorgt für einen massiven Konflikt. Die beiden Unternehmen aus Salzburg und Vorarlberg hatten im Jahr 2022 die kränkelnde Brandenburger Urstromquelle GmbH & Co. KG übernommen, wo 240 Beschäftigte neben Mineralwasser auch Cola, Limonade, Energiedrinks, Bier und Schnaps abfüllen. Im Jahr 2024 beschlossen die Konzerne, ihren ersten gemeinsamen deutschen Standort im "Industriepark Bernhardsmüh" massiv zu erweitern. Das Vorhaben ruft nun jedoch den erbitterten Widerstand der lokalen Bevölkerung hervor.
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Giga-Fabrik für Alu-Dosen
Die Ausbaupläne haben gewaltige Dimensionen. Zur bestehenden Fabrik sollen eine weitere Abfüllanlage, ein Logistikzentrum sowie eine eigene Kläranlage hinzukommen. Das Herzstück der Erweiterung bildet jedoch eine neue Fabrik zur Produktion von Alubüchsen. Der geplante Jahresausstoß liegt bei astronomischen 3,3 Milliarden Dosen, was fast der Hälfte des gesamten Getränkeblechs entspricht, das derzeit in Deutschland an die Kundschaft geliefert wird. Für das Projekt müssten zudem insgesamt 17 Hektar Kiefernwald gerodet werden.
Kampf um das Grundwasser
Das größte Sorgenkind der betroffenen Baruther ist jedoch das Wasser. Red Bull darf unter dem Städtchen unfassbare 6,5 Millionen Liter Grundwasser herausholen – und das jeden einzelnen Tag. Damit stehen dem Limo-Giganten stolze 92 Prozent der jährlich vom Land Brandenburg genehmigten 2,555 Millionen Kubikmeter Grundwasser zu. Für die gut 4000 Einwohnerinnen und Einwohner der Region bleiben lediglich magere acht Prozent übrig. Während der zuständige WABAU-Werkleiter Frank Zierath im November 2025 in einem Online-"Faktencheck" betonte, dass die Trinkwasserversorgung der Bevölkerung immer Vorrang habe und den Kritikern Unwahrheiten vorwarf, wächst die Angst in der Bevölkerung, im Zuge des Klimawandels auf das Trockene gesetzt zu werden. Zum Vergleich: Elon Musks Tesla-Fabrik im nahegelegenen Grünheide schluckt nur etwa ein Fünftel dieser Wassermenge.
Klagen und Geheimniskrämerei
Die Fronten zwischen der Bürgerinitiative "Ressourcen-Bündnis Baruth" und der Stadtführung sind völlig verhärtet. Die Initiative startete eine Online-Petition mit dem Titel "Red Bull stoppen!", die bis Samstagvormittag bereits von fast 73.000 Menschen unterschrieben wurde. Weil die Stadt sich beharrlich weigert, die Wasserverträge mit den Konzernen offenzulegen, reichte eine Bürgerin im Juli 2025 mit Unterstützung des Portals "FragDenStaat" Klage ein. Der parteilose Bürgermeister Peter Ilk schwieg lange gegenüber Medien, gab jedoch im Jänner gegenüber der "Zeit" zu, dass die Gemeinde in akuten Geldnöten steckt und fest auf die Gewerbesteuer von Red Bull hofft. Die Konzerne selbst schwärmen von bis zu 400 neuen Arbeitsplätzen und betonen ihre enge Abstimmung mit den Behörden. Vorerst ruht das Projekt jedoch: Das Oberverwaltungsgericht Berlin/Brandenburg hat den Bebauungsplan ausgesetzt – allerdings nicht wegen des Wassers, sondern wegen des zu erwartenden Lärms.