Denn Gall hat mit seinem herausragenden zweiten Platz beim Giro neue Sphären erreicht. Auch von vielen Radexperten wird er als erster Herausforderer von Superstar Tadej Pogacar gesehen. Ein zweiter Grand-Tour-Podiumsplatz wäre für Gall in seinem wohl letzten Rennen für Decathlon ein schöner Abschied und ist erklärtes Ziel.
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Über seine Zukunft wollte Gall bei einem Medientermin für österreichische Journalisten noch nicht sprechen, auch wenn sein Wechsel mit Teamkollege Gregor Mühlberger zu Lidl-Trek seit rund sechs Wochen kolportiert wird. "Nach der Vuelta, glaube ich, können wir vielleicht mal drüber reden", sagte Gall auf APA-Nachfrage. Fix ist: Die WM wird er als letztes Saisonrennen bestreiten.
Gesprächiger war Gall freilich im Hinblick auf seine achte Grand Tour. "Die Vuelta bin ich jetzt zwei Mal gefahren, aber immer mit der Tour de France in den Beinen. Was dann schon ziemlich schwierig ist, dass man da dort noch einmal stabile Leistungen hat. Jetzt habe ich mich im Sommer erholen und normal trainieren können", erklärte Österreichs Rad-Star. Zudem habe er ein sehr gutes Höhentrainingslager in Les Arcs gehabt und mit der Burgos-Rundfahrt auch wieder viel Selbstvertrauen getankt. "Beim Giro habe ich den nächsten Schritt machen können. Aber es war natürlich schon auch wichtig zu sehen, dass ich auf dem richtigen Weg bin für den zweiten Höhepunkt in der Saison."
Team mit Mühlberger steht hinter ihm
Der Vorjahres-Gesamt-Achte der Vuelta hat sich mit seinem ersten Rundfahrtsieg auf der zweithöchsten Ebene bei der Burgos-Rundfahrt zwei Wochen vor der Vuelta ja prächtig aufgewärmt. Und dem Team auch gezeigt, dass die Form stimmt. "Das ist sehr wichtig, wenn man das Team hinter sich haben will, dass der Leader stark ist." Happy ist Gall auch darüber, dass Mühlberger wieder an seiner Seite (und auch Zimmerkollege) ist. "Dass er die Ö-Tour gewinnt, ist extrem cool für ihn und auch für österreichischen Radsport. Er ist innerhalb kürzester Zeit der wertvollste Helfer für mich geworden - auf jeden Fall", lobt Gall den Niederösterreicher.
Dass Gall das große Ziel Podiumsplatz bei einem der großen Rundfahren schon erreicht hat, befreit ihn. "Ich habe es schon beim Giro geschafft und gesehen, dass es möglich ist, nach drei Wochen auf dem Podium zu stehen. Das ist jetzt auch wieder das Ziel." Was dem Osttiroler fehlt, sind die langen Anstiege. "Ich fühle mich schon auch wohl bei kurzen explosiven Anstiegen, aber ich glaube, Etappen wie nach Blockhaus beim Giro liegen mir besser."
Dennoch sieht er sich auch von der Explosivität her kraftvoller als noch vor einem Jahr. "Ich habe mehr explosive Intervalle in der Vorbereitung schon im Frühjahr angefangen. Es gibt die Bergetappen, aber die Höhenmeter sind mehr aufgeteilt. Wenn man 5.000 Höhenmeter fährt, geht es um die Ermüdungsresistenz, da sehe ich eine Stärke von mir", glaubt Gall.
Topstar Pogacar erneut das Maß aller Dinge
Beim Blick auf die Starterliste ist natürlich Pogacar herausragend. "Da muss schon sehr viel passieren, dass er nicht gewinnt", sagt Gall und ergänzt später: "Ich rechne nicht wirklich damit, Tadej schlagen zu können." Als weitere Konkurrenten im Gesamtklassement sieht er Richard Carapaz, Oscar Onley, Joao Almeida ("es ist die Frage, wie viel er dem Tadej helfen muss") oder Mattias Skjelmose. "Es gibt ein paar, die da ein Wörtchen mitreden."
Pogacar könnte bei seiner zweiten Vuelta nach 2019 (damals Gesamtdritter) als neunter Fahrer drei Grand Tours gewinnen. Vor ihm gelang dies Jacques Anquetil, Felice Gimondi, Eddy Merckx, Bernard Hinault, Alberto Contador, Vincenzo Nibali, Chris Froome und seit Mai Jonas Vingegaard. Das Double Tour-Vuelta im selben Jahr gelang bisher nur drei Fahrern, zuletzt Chris Froome 2017. Der fünfmalige Tour-Sieger Pogacar wohnt in Monaco und fährt beim Zeitfahren am 22. August an seinem Haus vorbei.
Mit von der Partie ist auch sein slowenischer Landsmann Primoz Roglic. Der bereits vierfache Vuelta-Sieger (zuletzt 2024) und Giro-Sieger 2023 geht allerdings mit einer Hypothek an den Start, ist der Red-Bull-Fahrer doch Ende Juli von einem Auto angefahren worden. Der Zeitfahr-Olympiasieger meldete sich aber fit.
Strecke ohne lange Anstiege
Die diesjährige Auflage der Vuelta a Espana wird erst am fünften Tag spanischen Boden erreichen. Die dritte und letzte Grand Tour des Jahres startet im Fürstentum Monaco mit einem 9,4 km Einzelzeitfahren (teilweise auf dem Formel-1-Kurs), führt dann im zweiten und mit 215 km längsten Teilstück in die Provence und bleibt auch einen weiteren Tag in Frankreich, ehe die vierte Etappe im Fürstentum Andorra ausgetragen wird.
Insgesamt 3.275 Kilometer sind in den 21 Etappen bis ins Ziel am 13. September in Granada in Andalusien zu meistern. Sieben Bergankünfte und 58.000 Höhenmeter zeugen vom Schwierigkeitsgrad des Rennens, das wohl zu den bergigsten aller Zeiten zählt. Monaco wird nach dem Giro d'Italia 1966 und der Tour de France 2009 zum ersten Austragungsort, der alle drei Grand Tours eröffnet hat.