Grabredner

Toni Faber & Helmut Marko mit KI-Hit

© -
Am Stephansdom geht eine Ära zu Ende, doch Dompfarrer Toni Faber setzt nun auf modernste Zukunftstechnologie. Am heutigen Dienstag präsentierte er gemeinsam mit Experten eine weltweite Premiere, bei der künstliche Intelligenz die traditionelle Seelsorge revolutionieren soll.
Zur Vollversion des Artikels

Per 31. August 2027 endet am Wiener Stephansdom eine Epoche, die das religiöse und gesellschaftliche Leben der Bundeshauptstadt über viele Jahrzehnte hinweg entscheidend geprägt hat. Toni Faber räumt zu diesem Stichtag seinen Posten als Dompfarrer, denkt jedoch keineswegs an einen klassischen Stillstand im Ruhestand. Ganz im Gegenteil stellte der prominente Geistliche am heutigen Dienstag, dem 20. Oktober, gemeinsam mit den Gründern und Geschäftsführern Lukas Stern, Markus Pinter und Philipp Berkessy ein neues Projekt vor. Die Initiative trägt den Namen "Lebensstimmen" und schlägt eine Brücke zwischen digitaler Innovation und kirchlicher Tradition.

Bei der viel beachteten Vorstellung des Vorhabens zeigte sich auch prominente Unterstützung aus dem Spitzensport. Motorsportlegende und Investor Helmut Marko ließ es sich nicht nehmen, gemeinsam mit Toni Faber für die Kameras zu posieren und beim Projektstart ebenfalls auf dem Podium zu stehen. Die innovative Plattform verbindet moderne Algorithmen mit der traditionsreichen Handwerkskunst der Seelsorge und Begräbniskultur. Im Zentrum steht dabei die Idee, den Übergang in die Ewigkeit persönlicher, würdevoller und vorausschauender zu gestalten.

Der Dompfarrer wird zum digitalen Grabredner

Im Rahmen dieser Kooperation wird der scheidende Dompfarrer künftig in einer völlig neuen Rolle agieren. Er fungiert als digitalisierter Sprecher und persönlicher Trauerredner für Menschen, die für ihren eigenen Abschied vorsorgen möchten. Das Prinzip hinter der Initiative setzt direkt bei den Wünschen der Gläubigen und Interessierten an. Jeder Mensch erhält dabei die Gelegenheit, bereits zu Lebzeiten die Worte für die eigene Verabschiedung ganz genau festzulegen, die Toni Faber anschließend vorträgt: "Man kann schon jetzt für sein eigenes Begräbnis eine Rede schreiben und ich halte sie."

Die fertiggestellte Ansprache wird während der eigentlichen Trauerfeier im Zeremoniensaal abgespielt und soll den Hinterbliebenen in den schwersten Stunden Trost spenden. Hinter diesem Schritt steht ein handfestes seelsorgerisches Anliegen, das Faber im Laufe seiner jahrzehntelangen Erfahrung bei unzähligen Verabschiedungen immer wieder beobachten musste. Häufig hinterlässt der plötzliche Verlust von Angehörigen die Familien in Schock und tiefer Ratlosigkeit. Genau diese emotionale Lücke soll nun durch die moderne Digitaltechnik dauerhaft geschlossen werden.

Kampf gegen unpersönliche Begräbnis-Floskeln

Faber begründet seinen Schritt mit den Defiziten bei traditionellen Abläufen. Immer wieder habe er erleben müssen, wie wenig über die tatsächlichen Wünsche der Toten bekannt war: "Es gibt ja so viele Begräbnisse, die sehr unpersönlich sind, weil die Verwandten nicht Bescheid wussten, wie der Verstorbene es haben möchte", sagt er gegenüber oe24. Oftmals fehlen den Hinterbliebenen in ihrer tiefen Trauer das Wissen oder die Kraft, um den wahren Charakter und die persönlichen Wünsche des Heimgegangenen in passende Worte zu fassen.

Das Projekt soll wirksam verhindern, dass Verstorbene mit unpassenden Standardphrasen und distanzierten Floskeln verabschiedet werden. Für den Geistlichen handelt es sich bei dem Vorhaben um einen historischen Meilenstein: "Es ist weltweit das erste Projekt in dieser Sicht." Durch die digitale Erfassung wird sichergestellt, dass jede Rede unverwechselbar bleibt und exakt das widerspiegelt, was dem Menschen zeitlebens am Herzen lag.

Lukas Stern, Markus Pinter und Philipp Berkessy © -

Offene Worte über Skepsis und Pensions-Zubrot

Im Gespräch mit oe24 räumte der 2027 scheidende Dompfarrer ganz offen ein, dass der Weg in Richtung künstliche Intelligenz und Algorithmen für ihn ein Prozess war. Über lange Zeit hinweg betrachtete er die rasante technologische Entwicklung mit einer gehörigen Portion Respekt und Skepsis. Es habe Überwindung und ein tiefes Verständnis gebraucht, um die Vorbehalte gegenüber sozialen Netzwerken und digitalen Stimmenmodellen abzubauen.

Gleichzeitig macht Faber keinen Hehl aus den weltlichen Vorteilen des Projekts. Er sieht in dem neuen Geschäftsmodell eine willkommene Möglichkeit, um seine persönliche Haushaltskasse in der Pension aufzubessern und finanziell flexibel zu bleiben. Mit dieser Kombination aus Seelsorge, Technologie und wirtschaftlicher Vorsorge betritt der Wiener Dompfarrer zweifellos Neuland.