"Dann weine ich"
Tränen-Beichte von Schumacher-Gattin Corinna
Die neue Schumacher-Dokumentation widmet sich einer der dramatischsten und prägendsten Spielzeiten in der gesamten Historie der Formel 1. In dem aufwendig produzierten Streifen schildern zahlreiche prominente Zeitzeugen und Vertraute ihre persönlichen Erinnerungen an jene Tage, an denen der Stern des Ausnahme-Rennfahrers endgültig aufging. Zu Wort kommen unter anderem Schumis langjähriger Manager Willi Weber, RTL-Kultreporter Kai Ebel sowie sein damaliger Benetton-Teamchef Flavio Briatore. Sie zeichnen den steilen Aufstieg des Piloten nach, der bis heute gemeinsam mit Lewis Hamilton, der inzwischen für Ferrari an den Start geht, mit insgesamt sieben Weltmeistertiteln an der Spitze der Motorsport-Geschichte thront.
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Privat wie nie
Einen besonderen Schwerpunkt bildet jedoch das ausführliche Zeugnis von Ehefrau Corinna Schumacher. Sie spricht so offen wie selten zuvor über die Anfänge ihrer großen Liebe und die Vorbehalte in den eigenen Reihen. So war Corinnas eigene Mutter zu Beginn keineswegs von der Verbindung begeistert. Da Michael damals auf der Go-Kart-Bahn regelmäßig andere Konkurrenten von der Piste drängte, äußerte die Mutter massive Bedenken und schimpfte regelmäßig über den ehrgeizigen Piloten, dessen Familie selbst eine Bahn betrieb und dort streng auf Regeln achtete. Corinna hielt dennoch fest zu ihm und beschreibt ihre tiefen Gefühle mit den Worten, dass ihr Herz stets mitgefahren sei, ganz gleich ob Michael siegte oder eine Niederlage einstecken musste.
Ungewöhnliche Fan-Post und intime Rituale abseits der Rennstrecke
Abseits des Scheinwerferlichts entwickelte das Paar ganz eigene Gewohnheiten, um mit dem wachsenden Medienrummel umzugehen. Nach dem Qualifying für das zweite Saisonrennen zogen sich beide gemeinsam in die Hotelbadewanne zurück, wo Corinna ihm in aller Ruhe die neuesten Entwicklungen und Gerüchte aus dem Fahrerlager übermittelte. Wenn Meinungsverschiedenheiten aufkamen, nutzten sie eine vertraute Parkbank als festen Rückzugsort zur Aussprache, wobei Michael umso leiser wurde, je lauter Corinna anfangs diskutierte. Eine besondere emotionale Bedeutung besitzt bis heute das Lied "Rush Rush" von Paula Abdul, bei dem Corinna noch in der Gegenwart im Auto weinen muss, wenn sie an die unbeschwerte gemeinsame Zeit zurückdenkt.
Mit der rasant wachsenden Popularität des Kerpeners häuften sich auch skurrile Erlebnisse mit Verehrerinnen. Corinna berichtet in der Dokumentation mit einem Schmunzeln darüber, dass Michael damals kistenweise intime Wäsche in der Fan-Post vorfand. Eine glühende Anhängerin namens Jutta schickte regelmäßig Unterwäsche an den Rennfahrer, was schließlich dazu führte, dass die Aufforderung "Komm jetzt, Jutta" über lange Zeit zu Michaels persönlichem Standardspruch im Alltag avancierte.
Die Tragödie von Imola und der beinahe erfolgte Rücktritt
Die Saison 1994 war ursprünglich als monumentales Duell zwischen dem dreifachen brasilianischen Weltmeister Ayrton Senna und dem aufstrebenden Emporkömmling Michael Schumacher angelegt. Doch das dritte Saisonwochenende im italienischen Imola verwandelte sich in ein beispielloses Trauma für den gesamten Motorsport. Nachdem der österreichische Rennfahrer Roland Ratzenberger am Samstag tödlich verunglückt war, verlor tags darauf auch Senna bei einem verheerenden Unfall sein Leben. Für Corinna und Michael markierten diese schwarzen Tage den Moment, an dem beiden schlagartig bewusst wurde, wie lebensgefährlich der Rennsport in Wahrheit war.
Unter den Piloten entbrannten nach Ratzenbergers Tod hitzige Diskussionen über eine Absage des Rennens. Schumacher selbst plädiert damals für einen Startverzicht, trat aber letztlich dennoch an, da die offizielle Entscheidung auf Renndurchführung lautete. Der tödliche Crash von Senna stürzte den Deutschen in ein tiefes seelisches Tal. Schumacher brach in der Küche der Hospitality seines Teams in Tränen aus und spielte ernsthaft mit dem Gedanken, seine Karriere mit sofortiger Wirkung zu beenden. Auch Ex-Manager Willi Weber bestätigt im Film diesen Moment der totalen Verzweiflung im Teambus. Vor seiner Ehefrau hielt Michael die Rücktrittsgedanken jedoch geheim, um sie vor zusätzlichen Sorgen zu bewahren.
Triumphales Finale trotz Sperren und Strafen
Trotz der schweren seelischen Belastungen und zahlreicher sportpolitischer Rückschläge kämpfte sich Schumacher durch das turbulente Rennjahr. Wegen umstrittener Disqualifikationen und Sperren wurden ihm am Ende lediglich zwölf der insgesamt 16 Saisonläufe für die Weltmeisterschaft gewertet. Dennoch sicherte sich der Benetton-Pilot im dramatischen Saisonfinale von Adelaide gegen seinen britischen Rivalen Damon Hill den ersten Titel seiner Laufbahn.
Corinna zieht am Ende des 105-Minuten-Werks ein stolzes Resümee über diesen historischen Erfolg. Sie stellt klar heraus, dass Michael mit nur zwölf gewerteten Grands Prix antrat, während die Konkurrenz auf 16 Resultate zurückgreifen konnte. Es bedürfe keiner weiteren Worte, um diese Leistung zu würdigen, zumal der Premierentitel von 1994 erst das Fundament für die nachfolgenden Triumphe legte.