Bei Krisensitzung
Trotz Rückschläge: Putin glaubt weiter an Sieg
Die russische Armee werde weiterhin alles unternehmen, um die Ziele der Spezialoperation, wie der Angriffskrieg gegen die Ukraine in Moskau offiziell genannt wird, umzusetzen, so Putin am Sonntag im russischen Staats-TV. Seinen Optimismus begründete er auch mit einem "katastrophalen Personalmangel" der ukrainischen Streitkräfte.
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Der Kremlchef behauptete, dass den russischen Streitkräften der Vorschlag unterbreitet worden sei, die Kampfhandlungen auf vier Gebiete in der Ostukraine zu beschränken. Dies würde Kiew die Möglichkeit geben, Truppen aus anderen Gebieten in diese Regionen zu verlegen. "Aber die Rettung des Kiewer Regimes ist nicht Teil unserer Pläne."
Westen will Russland besiegen
Seiner Ansicht nach strebe der Westen weiterhin danach, Russland eine strategische Niederlage zuzufügen. "Dort werden zwar vereinzelt verschiedene Gerüchte laut, dass man dies angeblich nicht mehr anstrebe, aber offiziell hat niemand diese These von der Tagesordnung gestrichen", sagte Putin. "Wozu brauchen sie dann aber die Einstellung der Kampfhandlungen und die Friedensverhandlungen, von denen sie immer häufiger sprechen und an denen sie teilnehmen wollen?"
Putin hat bisher jede friedliche Lösung und den Weg zu möglichen Friedensgesprächen abgelehnt. Auch ein Angebot aus Kiew zu einem direkten Gespräch Putins mit dem ukrainischen Staatschef Wolodymyr Selenskyj wurde zurückgewiesen. Moskau beharrt stattdessen auf seinen Maximalforderungen, zu denen unter anderem die komplette Kontrolle über den Donbass gehört.
Krisensitzung zu russischem Treibstoffmangel
Am Sonntag hatte Putin zudem eine Krisensitzung zu den aktuellen russischen Versorgungsproblemen mit Treibstoff einberufen. Zuallererst müssten die Auswirkungen der wiederholten ukrainischen Angriffe gegen Raffinerien und anderen Objekten der Erdölindustrie abgefedert werden. "Wir müssen die Folgen terroristischer Anschläge auf unsere zivilen Einrichtungen und die Infrastruktur reduzieren", wurde er von der Staatsagentur Tass zitiert.
An der Sitzung nahmen Vertreter diverser Ministerien sowie der wichtigsten Erdöl-Produzenten Russlands teil. Prinzipiell erklärt Putin im TV, dass Russland mit den Folgen der Angriffe gut zurechtkomme. Die Schläge gegen diese Anlagen hätten keinerlei Auswirkungen auf die Lage an der Front. Russland werde sich dadurch nicht von seinem Vormarsch abhalten lassen.
Die zuletzt verstärkten ukrainischen Angriffe gegen die Erdölindustrie in Russland haben zu ernsthaften Versorgungsproblemen geführt. "An den Tankstellen gibt es Warteschlangen, die benötigten Benzinsorten sind nicht immer vorrätig", sagte Putin. Er bestätigte, dass bereits über ein Exportverbot für Diesel-Treibstoff nachgedacht werde. Russland habe inzwischen begonnen, seine Benzinreserven anzuzapfen.
Putin erwartet deutliche Produktionssteigerung
Putin erwartete schon im Juli eine deutliche Erhöhung der Produktion der wichtigsten Treibstoffarten. "Die sich stellenden außergewöhnlichen Aufgaben werden gelöst, und zwar klar, zügig und kompetent im Interesse des Landes und unserer Bürger", gab er den Produzenten und Ministerien eine klare Marschrichtung vor.
Der ständigen ukrainischen Angriffe gegen Ölanlagen haben im Alltag der Russen bereits tiefere Spuren hinterlassen: Die Treibstoffkrise, die auf der 2014 von Russland annektierten Krim ihren Anfang nahm, hat inzwischen fast sämtliche Regionen des Landes erfasst. Lange Schlangen bilden sich an den Tankstellen, die noch Benzin verkaufen. Auf der Krim geben die Tankstellen inzwischen Treibstoff gar nicht mehr an Privatpersonen ab.