Machtkampf
Trump-Affäre: FIFA will Regeln ändern – Infantino unter Beschuss
Für Infantino wird es am Donnerstag in Zürich ungemütlich. Bei der 37. FIFA-Ratssitzung (ab 11 Uhr) muss sich der 56-Jährige mit gleich mehreren Konflikten um seine Amtsführung auseinandersetzen. Ganz oben steht die umstrittene Aussetzung einer Rot-Sperre gegen US-Teamspieler Folarin Balogun nach einer Intervention von Donald Trump. Nun soll ausgerechnet jene Regel geändert werden, die diese Entscheidung ermöglichte. Dazu kommen ein Milliardenprogramm für die 211 Mitgliedsverbände, neue Fragen zu Infantinos Vergütung und die norwegische Ethikbeschwerde.
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Trump-Anruf: FIFA will Regeln ändern
Zur Erinnerung: US-Stürmer Folarin Balogun hatte bei der WM 2026 gegen Bosnien-Herzegowina Rot gesehen. Die automatische Sperre wurde später für ein Jahr zur Bewährung ausgesetzt.
Für Aufsehen sorgte Donald Trump. Der US-Präsident erklärte öffentlich, Infantino persönlich um eine Überprüfung gebeten zu haben. Die FIFA verwies anschließend auf die Unabhängigkeit ihrer Disziplinarinstanzen.
Nun könnte die Affäre das FIFA-Regelwerk verändern. Wie "The Athletic" berichtet, soll der Disziplinarkodex so geändert werden, dass automatische Sperren nach Roten Karten künftig nicht mehr auf vergleichbare Weise ausgesetzt werden können.
Drei mächtige Funktionäre machen Druck
Mit UEFA-Präsident Aleksander Čeferin, Asien-Verbandschef Salman bin Ibrahim Al Khalifa und CONCACAF-Präsident Victor Montagliani sitzen drei einflussreiche Kritiker im FIFA-Rat. Sie stören sich an Infantinos Führungsentscheidungen, mangelnder Transparenz und dem gescheiterten Investorenprojekt FIFA Forward Enterprise.
Der FIFA-Rat zählt 37 Mitglieder. Infantino verfügt weiterhin über Rückhalt in anderen Kontinentalverbänden. Gerade deshalb ist die heutige Sitzung auch ein Kräftemessen zwischen den unterschiedlichen Interessen innerhalb des Weltverbandes.
Infantino legt Milliarden auf den Tisch
Mitten in diesem Machtkampf steht ein Finanzplan zur Debatte. Nach Recherchen der Nachrichtenagentur AP will die FIFA ihr Entwicklungsprogramm für 2027 bis 2030 auf umgerechnet rund 5,5 Milliarden Euro ausweiten.
Jeder der 211 Mitgliedsverbände könnte rund 21,5 Millionen Euro erhalten – statt der ursprünglich vorgesehenen 8,6 Millionen Euro. Das entspricht einer Erhöhung um 150 Prozent. Mehr als drei Milliarden Euro sollen zusätzlich aus den FIFA-Reserven kommen.
Bemerkenswert: UEFA und CONCACAF hatten zuvor selbst höhere Ausschüttungen gefordert. Infantino kommt ihnen mit dem Vorschlag weit entgegen.
Die finanzielle Dimension ist auch mit Blick auf seine Wiederwahl relevant. Jeder Mitgliedsverband verfügt bei der FIFA-Präsidentenwahl über eine Stimme. Gerade für kleinere Fußballnationen haben die geplanten zusätzlichen Millionen erhebliches Gewicht.
FIFA-Rat: Das steht in Zürich auf dem Spiel
Neue Fragen zu Infantinos Vergütung
Zusätzlichen Druck erzeugt eine Recherche der britischen "Times". Demnach erhielt Infantino 2024 von der amerikanischen WM-Organisationsgesellschaft FWC2026 eine Vergütung von umgerechnet rund 1,5 Millionen Euro.
Die Veröffentlichung wirft Fragen auf, wie diese Zahlung in den offiziellen FIFA-Unterlagen ausgewiesen wurde. Die FIFA weist die Vorwürfe zurück.
Norwegen fordert Offenlegung interner Chats
Noch weiter geht der norwegische Fußballverband. Anfang Oktober reichte er zwei formelle Eingaben bei der FIFA ein. Die Ethikkommission soll mögliche Verstöße gegen den Ethikkodex prüfen, ein zweites Gremium die internen Entscheidungsprozesse und Kontrollmechanismen untersuchen.
Im Mittelpunkt stehen der FIFA-Friedenspreis für Donald Trump, die ausgesetzte Balogun-Sperre und das gescheiterte FIFA Forward Enterprise.
Verbandspräsidentin Lise Klaveness verlangt die Offenlegung relevanter Dokumente und interner Kommunikation. Die Norweger wollen klären lassen, wer an den Entscheidungen beteiligt war und ob dabei FIFA-Regeln eingehalten wurden.
Im März geht es um Infantinos Amt
Der Machtkampf fällt in eine entscheidende Phase. Im März 2027 will sich Infantino erneut zum FIFA-Präsidenten wählen lassen. Bis zum 18. November können mögliche Gegenkandidaten nominiert werden.
Der frühere Schweizer Nationalspieler Ramon Vega hat seine Kandidatur angekündigt. Die UEFA hat bislang keinen eigenen Kandidaten vorgestellt.