Knalleffekt

Trump: Iran-Feuerpause "ist vorbei"

© APA/AFP/POOL/FILIP SINGER
Nach den Angriffen der US-Streitkräfte auf Ziele im Iran hat US-Präsident Donald Trump die Feuerpause mit der Islamischen Republik für beendet erklärt.
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"Was mich betrifft, ist sie vorbei", sagte Trump am Mittwoch auf dem NATO-Gipfel in Ankara auf die Frage eines Journalisten zur Mitte Juni in Kraft getretenen Waffenruhe. "Es ist reine Zeitverschwendung, sich mit ihnen abzugeben", sagte Trump weiter über die iranische Führung.

Trump fügte hinzu: "Das sind fiese Typen, deshalb haben sie es auf jeden abgesehen, wahrscheinlich auch auf mich. Ich stehe schon seit Jahren ganz oben auf ihrer Liste. Und sie sind ein Haufen Abschaum, um ehrlich zu sein. Sie sind Abschaum." Die Angriffe der USA auf iranische Ziele in der Nacht auf Mittwoch bezeichnete Trump als "sehr heftig" und ergänzte: "Wir haben ihnen gestern Abend sehr hart zugesetzt, sehr hart."

Weitere US-Angriffe gegen den Iran

Nach iranischen Angriffen auf Tanker in der Straße von Hormuz sowie auf US-Stützpunkte im Nahen Osten hatten die USA erneut Ziele im Iran bombardiert. Die iranische Nachrichtenagentur Mehr meldete am Mittwoch eine Reihe von Explosionen in der Hafenstadt Bushehr im Südwesten des Landes, wo sich das einzige zivile Atomkraftwerk (AKW) des Iran befindet. Unterdessen meldeten die iranischen Revolutionsgarden den Tod eines Mitglieds in der Stadt Mahshahr.

Das AKW Bushehr verfügt über den einzigen in Betrieb befindlichen Atomreaktor des Landes, der nach Angaben der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) im Jahr 2011 erstmals ans Stromnetz angeschlossen worden war. Im Laufe des Iran-Krieges war das Gelände des AKW mehrmals angegriffen worden. Bushehr liegt vor der Ölinsel Kharg, dem wichtigsten iranischen Ölterminal, über den normalerweise 90 Prozent des Rohöls aus dem Land umgeschlagen werden.

Die USA griffen zudem in der Nacht zum Mittwoch nach eigenen Angaben mehr als 80 Ziele im Iran an. Die US-Armee begründete die neue Angriffswelle mit einem vorangegangenen Beschuss von drei Tankern im Bereich der Straße von Hormuz, für den Washington die Führung in Teheran verantwortlich macht. Das Militär habe unter anderem Luftabwehrsysteme, Schiffsabwehrraketen sowie mehr als 60 Boote der Revolutionsgarden in oder nahe der Straße von Hormuz getroffen. Das teilte CENTCOM, das für den Nahen und Mittleren Osten sowie Zentralasien zuständige Regionalkommando der US-Streitkräfte, mit.

Der Iran griff nach eigenen Angaben als Vergeltungsmaßnahme US-Stützpunkte in anderen Staaten der Region an. In Kuwait und Bahrain wurde Luftalarm ausgelöst. Die iranischen Streitkräfte hätten "als Vergeltung für die Aggression des amerikanischen Feindes" und "für die Verletzung des Abkommens" den US-Luftwaffenstützpunkt Sheikh Isa in Bahrain mit Drohnen attackiert, erklärte die iranische Armee in einer von der staatlichen Nachrichtenagentur IRNA verbreiteten Stellungnahme. Nach Angaben aus Bahrain reagierte die Flugabwehr auf mehrere iranische Angriffe. Irans "Aggression" sei zerstört worden, teilte Nabil al-Ahmar mit, ein Berater am Königshof des Golfstaats.

NATO-Generalsekretär Rutte, Trump © APA/AFP/SAUL LOEB

Explosionen aus südiranischen Städten gemeldet

Iranische Medien berichteten in der Nacht von Explosionen in der Hafenstadt Sirik an der Straße von Hormuz sowie auf der Insel Qeshm. Auch aus dem Bereich der Großstadt Bandar Abbas gab es Berichte über Explosionen. Nach Angaben des iranischen Senders Press TV wurden mehrere Menschen verletzt.

US-Präsident Donald Trump habe den Plan für einen Schlag gegen den Iran während seiner Teilnahme am laufenden NATO-Gipfel in der Türkei genehmigt, berichtete der gut vernetzte Journalist Barak Ravid auf X unter Berufung auf einen US-Regierungsbeamten. Die erneute Eskalation erfolgte während der andauernden Trauerfeiern für Irans getötetes Staatsoberhaupt Ayatollah Ali Khamenei. Am Mittwoch sind Zeremonien im Nachbarland Irak geplant, ehe Khamenei am Donnerstag in seiner Heimatstadt Mashhad beigesetzt werden soll.

Sanktionen auf iranisches Öl wieder in Kraft

Zudem setzten die USA die zuvor gelockerten Sanktionen auf iranisches Öl wieder in Kraft. Eine vor gut zwei Wochen erteilte Ausnahmegenehmigung werde wieder zurückgenommen, teilte das US-Finanzministerium mit. Neue Geschäfte mit Rohöl, Petrochemie- und Erdölprodukten iranischen Ursprungs sind damit wieder untersagt. Der Iran profitiere nur dann von wirtschaftlichen Erleichterungen, wenn er seinen Verpflichtungen nachkomme, erklärte ein Beamter. Irans Verhalten in der Straße von Hormuz sei "völlig inakzeptabel".

In der Folge zogen die Ölpreise wieder an. Es wächst die Gefahr einer erneuten militärischen Eskalation in der Region. Nach wochenlangen Kämpfen zwischen den USA, Israel und dem Iran war erst im vergangenen Monat eine vorläufige Vereinbarung erreicht worden, die Raum für intensive Verhandlungen über ein Ende des Krieges schaffen sollte. Diese Gespräche stocken derzeit.

Trump hatte dem Iran zuletzt erneut gedroht und gesagt, es werde entweder ein Abkommen geben oder die USA würden "den Job zu Ende bringen". Irans Außenminister Abbas Araqchi erklärte daraufhin, Verhandlungen über ein endgültiges Abkommen würden nicht beginnen, solange Drohungen anhielten.

Seit Anfang April gilt in dem US-israelischen Krieg gegen den Iran eine brüchige Waffenruhe. Mitte Juni einigten sich der Iran und die USA auf ein Rahmenabkommen, das weitere Verhandlungen zu einer dauerhaften Beendigung des Krieges vorsieht. Die immer wieder aufflammenden Gefechte führten bisher nicht zum Abbruch der Verhandlungen.