FPÖ holt rasant auf
Umfrage-Beben in Niederösterreich
Der Abstand zwischen ÖVP und FPÖ in Niederösterreich wird laut einer am Montag veröffentlichten Umfrage des Instituts für Demoskopie und Datenanalyse (IFDD) im Auftrag des ORF NÖ kleiner. Bei der Sonntagsfrage vor der Landtagswahl 2028 erreicht die Volkspartei 35 Prozent, die FPÖ 30 Prozent. Die SPÖ kommt auf 19 Prozent, die Grünen erzielen neun und NEOS fünf Prozent. Erstmals wäre eine FPÖ-SPÖ-Mehrheit möglich. Die Mehrheit ist mit Schwarz-Blau zufrieden.
Die ÖVP würde laut der Umfrage den ersten Platz verteidigen, aber im Vergleich zur Landtagswahl 2023 deutlich verlieren - vor fünf Jahren erzielte sie 39,9 Prozent. Auf Platz zwei folgte beim letzten Urnengang mit großem Abstand die FPÖ mit 24,2 Prozent. Die Blauen würden laut der Umfrage ihren historischen Höchstwert in Niederösterreich erreichen. Die SPÖ, die 2023 rund 20,7 Prozent verbucht hatte, würde ein leichtes Minus verzeichnen. Die Grünen würden im Vergleich zum Ergebnis der letzten Landtagswahl von 7,6 Prozent zulegen, die Pinken, die 6,7 Prozent erreicht hatten, verlieren. Laut der Sonntagsfrage ("Angenommen am Sonntag wäre Landtagswahl, welche Partei würden Sie wählen?") würden zwei Prozent für eine andere Partei stimmen.
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Zusammenarbeit zwischen Schwarz und Blau am beliebtesten
FPÖ und SPÖ kommen laut der Umfrage gemeinsam auf 49 Prozent der Stimmen. Aufgrund der Mandatsverteilung könnten die beiden Parteien laut Meinungsforscher Christoph Haselmayer erstmals gemeinsam eine Mehrheit im Landtag erreichen. "Zwar hauchdünn, aber gemeinsam könnte man den Landeshauptmann oder die Landeshauptfrau stellen" - und das ohne ÖVP, wurde Haselmayer zitiert.
Dem Umfrageergebnis zufolge könnten FPÖ und SPÖ erstmals sowohl im Landtag als auch in der Landesregierung gemeinsam eine Mehrheit haben - bei der Frage nach der bevorzugten Zusammenarbeit in der Landesregierung sprechen sich aber nur acht Prozent der Befragten für eine blau-rote Zusammenarbeit aus. 35 Prozent wünschen sich eine Kooperation von ÖVP und FPÖ, wie sie seit 2023 besteht. 32 Prozent bevorzugen ÖVP und SPÖ. Ein Viertel der Befragten machte dazu keine Angabe.
Haselmayer führt den niedrigen Wert für FPÖ und SPÖ unter anderem darauf zurück, dass eine Mehrheit ohne die ÖVP in Niederösterreich bisher kaum vorstellbar gewesen sei. Die Möglichkeit, dass der Landeshauptmann oder die Landeshauptfrau nicht von der Volkspartei gestellt wird, sei in den Köpfen vieler Menschen noch nicht präsent. "So eine Chance bekommt man in Wirklichkeit nur alle 100 Jahre", so der Meinungsforscher. "Da braucht es ganz eigene Dynamiken, die wir gerade in den Daten sehen. Hier gibt es wirklich große Verschiebungen zwischen den Wählerströmen."
Mikl-Leitner wäre bei Direktwahl vor Landbauer
Die aktuelle Zusammenarbeit von ÖVP und FPÖ wird von 60 Prozent der Befragten positiv beurteilt. Elf Prozent sind damit sehr zufrieden, weitere 49 Prozent eher zufrieden.
Könnten die Befragten die Landeshauptfrau oder den Landeshauptmann direkt wählen, würden sich 40 Prozent für die amtierende Landeschefin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) entscheiden. FPÖ-Landesparteichef und Landeshauptfrau-Stellvertreter Udo Landbauer kommt auf 30 Prozent, SPÖ-Landesparteichef und Landesrat Sven Hergovich auf 20 Prozent. Grünen-Landessprecherin Helga Krismer erreicht bei dieser Frage sechs Prozent, NEOS-Landessprecherin Indra Collini vier Prozent.
Gesundheit ersetzt Teuerung als wichtigstes Thema
23 Prozent nennen das Gesundheitssystem und die ärztliche Versorgung als wichtigstes Thema. Die bisherige Nummer eins - Teuerung, Inflation und leistbares Leben - folgt mit 19 Prozent. Zuwanderung, Asyl und Integration nennen zwölf Prozent, Wirtschaft und Arbeitsmarkt zehn Prozent. Klima- und Umweltschutz kommt mit neun Prozent auf Rang fünf.
Den "Gesundheitsplan 2040+" sehen 59 Prozent der Befragten positiv, 27 Prozent lehnen die Reform ab. "Das ist beeindruckend, weil die Menschen per se kaum Veränderungen wollen", so Haselmayer. Regional gebe es allerdings Unterschiede: Im Waldviertel und im Mostviertel sei man kritischer. "Zusammengefasst kann man sagen: Den Menschen ist die Wahrheit zuzumuten. Man muss es nur gut erklären."
Befragt wurden von 27. Juli bis 7. August 1.098 wahlberechtigte Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher ab 16 Jahren. Die Stichprobe ist für die wahlberechtigte Bevölkerung Niederösterreichs repräsentativ. Für die Gesamtstichprobe beträgt die maximale Schwankungsbreite drei Prozentpunkte, bei der Sonntagsfrage 3,4 Prozentpunkte.