Platz 9 beim Auftakt

Vom ÖSV verstoßen: So viel Arbeit steckt hinter Gritsch-Coup in Sölden

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Ihre Liebesbeziehung zu einem Trainer hat dazu geführt, dass Skirennläuferin Franziska Gritsch im Dezember 2023 den ÖSV verlassen hat und die Herausforderung Privatteam angenommen hat.
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Am Samstag war die 29-Jährige als Riesentorlauf-Neunte beim Weltcup-Auftakt in Sölden beste und einzige Österreicherin klassiert. Das Resultat gibt ihr Selbstvertrauen und Planungssicherheit, denn ihren Startplatz bekommt sie nur, wenn die Ergebnisse stimmen.

So gut klassiert war Gritsch zuletzt als Neunte am 8. März 2024 in Aare. "Das ist schon sehr cool. Mich freut es sehr, dass ich das daheim erleben und vor meiner Familie und meinen Freunden zeigen kann. Sie sind auch in den letzten zwei Jahren zu mir gestanden, als es echt hart war. Das bedeutet mir sehr viel", sagte die Ötztalerin. Sie habe nicht nur Material gewechselt, sondern sich auch selbst hinterfragt und Schlüsse daraus gezogen, wo sie sich verbessern und was sie ändern müsse. "Ich fühle mich wieder freier beim Skifahren und habe wieder Spaß."

"Kleine Brötchen backen"

Schritt für Schritt wolle sie sich nach vor arbeiten, in der Startnummer wolle sie sich von Nummer 29, die sie in Sölden trug, verbessern. "Ich wusste, dass ich wieder meinen Grundspeed gefunden habe. Aber Rennen ist Rennen, da muss von den Bedingungen und der Abstimmung viel zusammenpassen. Und auch die Herangehensweise." Sie sehe das Ergebnis jetzt nicht als Genugtuung, sie fahre für sich und mit Spaß.

Franziska Gritsch ist beim Training auf sich alleine gestellt. © APA/EXPA/ JOHANN GRODER

Wie es nun weitergeht, wird mit Lebensgefährten und Trainer Florian Stengg besprochen. "Aber ich denke, Super-G-Training in Sölden und dann geht es hoffentlich nach Levi." Dort steht am 14. November der erste Slalom der Saison auf dem Programm. Auch dort habe sie das Problem der Startnummer. Daher: "Kleine Brötchen backen, step by step."

Planungssicherheit gewonnen

Eine gute Leistung bringt Gritsch nicht nur einen Startplatz im ÖSV-Kontingent. "Am meisten hilft es, dass wir Planungssicherheit haben. Dass wir die Flüge buchen können. Wenn es immer last minute ist, kann das schon manchmal bisschen Chaos abgeben. Aber wir sind da schon Sachen gewöhnt." Es gehe darum, "Arbeitsabläufe zu optimieren", sagte Stengg, der sich um alles Drumherum kümmert. "Es ist viel Arbeit, aber man tut es für einen Menschen, den man liebt."

Gritsch empfindet die organisatorische Mehrbelastung, die ein Privatteam mit sich bringt, nicht als "Last", sie sieht es als "Selbstbestimmtheit". Und manchmal auch einfach ein bisschen mehr selbst mitdenken und selbstständiger sein, was ja auch kein Schaden sei. "Wir ergänzen uns sehr gut. Den Großteil vom Organisieren macht aber Flo, dafür bin ich dankbar."

Trainiert wird viel allein, aber man habe mittlerweile international Kooperationen mit anderen Nationen, sie habe mit Zrinka Ljutic (Kroatien) oder Alice Robinson (Neuseeland) trainiert. "Und wenn man gemeinsam am gleichen Ort ist, wie vor zwei Wochen im Pitztal, wo auch die Deutschen waren, dann trainieren eh alle zusammen", sagte Gritsch.

Respektvolle Kommunikation zwischen Privatteam und ÖSV

Den neuen ÖSV-Frauen-Chef Johannes Zöchling kennt Gritsch gut, er war früher ihr Slalomtrainer. Mit ihm und Alpinchef Christian Mitter verlaufe die Kommunikation ruhiger und sehr respektvoll ab. "Es ist sehr angenehm mit ihnen und generell mit dem ÖSV jetzt wieder. Es ist ein gutes Miteinander." Zöchling erklärte, man freue sich und gratuliere recht herzlich. "Sie hat den Weg eingeschlagen, das ist ihr gutes Recht."

Wenn Gritsch rund um die Rennen Hilfe haben wolle, kriege sie diese. "Sei es bei der Besichtigung oder am Start. Wir sind da, es ist ihre Entscheidung. Wenn sie was braucht, helfen wir." Am Samstag nahm Gritsch die Hilfe nicht in Anspruch.