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Von Frankreich bis Brasilien: Das sind die 25 neuen UNESCO-Welterbestätten 2026
Jedes Jahr entscheidet das UNESCO-Welterbekomitee darüber, welche Kulturdenkmäler und Naturlandschaften als besonders schützenswertes Erbe der Menschheit gelten. Bei seiner 48. Sitzung, die von 19. bis 29. Juli 2026 im südkoreanischen Busan stattfand, wurden 25 neue Stätten aufgenommen: 19 Kulturstätten, fünf Naturstätten und eine gemischte Kultur- und Naturstätte. Die Welterbeliste umfasst damit aktuell 1.248 Stätten in 170 Staaten.
Alle neuen UNESCO-Welterbestätten 2026 im Überblick
- Aalto-Werke, Finnland
- Alamut-Burg und zugehörige Befestigungen, Iran
- Amazonas-Theater, Brasilien
- Antike buddhistische Stätte Sarnath, Indien
- Antike Hauptstädte Asuka und Fujiwara, Japan
- Strände der D-Day-Landungen in der Normandie, Frankreich
- Modernistisches Stadtzentrum von Gdynia, Polen
- Porzellanmanufakturen von Jingdezhen, China
- Burgen des Jabal Amel, Libanon
- Felsenmoscheen und zugehörige heilige Stätten von Mangystau, Kasachstan
- Königliche kapetingische Festungen des Languedoc, Frankreich
- Sebastia, Staat Palästina
- Modernistische Architektur von Taschkent, Usbekistan
- Gräberkomplexe des Xiongnu-Adels, Mongolei
- Medinas der historischen Sultanate der Komoren
- Roças von São Tomé und Príncipe
- Italienische Condominio-Theater in Mittelitalien
- Dorf Sidi Bou Saïd, Tunesien
- Wat Phra Mahathat Woramahawihan, Thailand
- Meeresschutzgebiet Aqaba, Jordanien
- Boma-Badingilo-Wanderlandschaft, Südsudan
- Okefenokee National Wildlife Refuge, USA
- Knochenfisch-Fossilien des westlichen Limfjords, Dänemark
- Wadi Wurayah, Vereinigte Arabische Emirate
- Das weitere Gebiet des Olymp, Griechenland
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Die neuen Kulturstätten
1. Aalto-Werke, Finnland
Gleich 13 Gebäude und Ensembles aus den Jahren 1928 bis 1988 gehören zu diesem neuen seriellen Welterbe. Dazu zählen unter anderem die Finlandia-Halle in Helsinki, das Sanatorium von Paimio und die berühmte Villa Mairea. Die Bauten zeigen, wie Alvar Aalto, seine Ehefrauen Aino und Elissa Aalto sowie das gemeinsame Architekturstudio den internationalen Modernismus mit finnischen Traditionen und einer besonders menschenfreundlichen Gestaltung verbanden.
2. Alamut-Burg und zugehörige Befestigungen, Iran
Hoch oben in der zerklüfteten Landschaft des Alborz-Gebirges liegen die Alamut-Burg und sechs weitere Festungen. Ab dem späten 11. Jahrhundert bildete Alamut das politische, militärische und intellektuelle Zentrum der Nizari-Ismailiten. Das schwer zugängliche Netzwerk aus Burgen diente nicht nur der Verteidigung, sondern auch als Rückzugsort und Zentrum von Wissenschaft und Kultur.
3. Amazonas-Theater, Brasilien
Mit dem Theatro da Paz in Belém und dem prachtvollen Teatro Amazonas in Manaus wurden zwei architektonische Symbole des brasilianischen Kautschukbooms ausgezeichnet. Die Gebäude entstanden während des wirtschaftlichen Höhepunkts zwischen 1879 und 1912 und verbinden europäische Architektur mit dekorativen Motiven aus dem Amazonasgebiet. Besonders das rosafarbene Opernhaus von Manaus zählt heute zu den auffälligsten Sehenswürdigkeiten der Region.
4. Antike buddhistische Stätte Sarnath, Indien
Sarnath gilt als einer der heiligsten Orte des Buddhismus. Hier soll Buddha im 6. Jahrhundert vor Christus seine erste Predigt gehalten und seine ersten Schüler getroffen haben. Über Jahrhunderte entstanden Stupas, Tempel und Klöster, bevor die Anlage im 12. Jahrhundert an Bedeutung verlor. Heute ist Sarnath wieder ein bedeutendes Pilgerziel für Buddhisten aus aller Welt.
5. Antike Hauptstädte Asuka und Fujiwara, Japan
Die beiden ehemaligen Hauptstädte im Süden des Nara-Beckens erzählen von der Entstehung des zentralisierten japanischen Staates. Insgesamt umfasst das Welterbe 19 Teilstätten mit Palästen, Verwaltungsgebäuden, buddhistischen Tempeln und Hügelgräbern. Hier entstand auch Asuka-dera, der erste buddhistische Tempel Japans. Die Entwicklungen in Asuka und Fujiwara beeinflussten später die Hauptstädte Nara und Kyoto.
6. D-Day-Strände in der Normandie, Frankreich
Utah, Omaha, Gold, Juno und Sword Beach sowie die Landspitze Pointe du Hoc gehören nun offiziell zum Welterbe. Entlang eines rund 80 Kilometer langen Küstenabschnitts erinnern Bunker, Artilleriestellungen, Schlachtfeldspuren und Gedenkstätten an die alliierte Landung vom 6. Juni 1944. Sie leitete die Befreiung Westeuropas von der nationalsozialistischen Besatzung ein.
7. Modernistisches Stadtzentrum von Gdynia, Polen
Innerhalb weniger Jahrzehnte entwickelte sich Gdynia von einem kleinen Dorf zu einem der wichtigsten Seehäfen Polens. Das Stadtzentrum zeigt bis heute eine außergewöhnlich geschlossene Ansammlung modernistischer Architektur aus der Zwischenkriegszeit. Klare Linien, kompakte Häuserblöcke und markante Villen stehen für den bewussten Bruch mit älteren historischen Baustilen.
8. Porzellanmanufakturen von Jingdezhen, China
Jingdezhen gilt seit Jahrhunderten als eine der wichtigsten Porzellanstädte der Welt. Die fünf Teilstätten dokumentieren die Entwicklung der handwerklichen Produktion vom 10. bis zum 19. Jahrhundert – vom Abbau der Rohstoffe über die Brennöfen bis zur Organisation der Werkstätten. Vor allem das blau-weiße Porzellan aus Jingdezhen wurde weltweit gehandelt und zum Symbol chinesischer Kunstfertigkeit.
9. Burgen des Jabal Amel, Libanon
Fünf Burgen im Süden des Libanon bilden ein eindrucksvolles Netzwerk aus Befestigungen. Sie liegen auf strategisch bedeutenden Hügeln und kontrollierten über Jahrhunderte wichtige Straßen und landwirtschaftliche Gebiete. Kreuzfahrer, Ayyubiden, Mamluken, Osmanen und lokale Herrscher hinterließen hier ihre architektonischen Spuren. Wegen der aktuellen Gefährdung wurde die Stätte im Eilverfahren aufgenommen und gleichzeitig auf die Liste des gefährdeten Welterbes gesetzt.
10. Felsenmoscheen von Mangystau, Kasachstan
In der Halbwüste der Mangystau-Halbinsel liegen fünf außergewöhnliche Heiligtümer, die in natürliche Höhlen und Felswände gebaut wurden. Die sogenannten unterirdischen Moscheen entstanden zwischen dem 12. und 18. Jahrhundert und sind jeweils mit einem Sufi-Meister verbunden. Gebetsräume, Gräber, heilige Bäume, Quellen und weitläufige Friedhöfe machen die Anlagen bis heute zu bedeutenden Pilgerstätten.
11. Königliche Festungen des Languedoc, Frankreich
Zu dem neuen Welterbe zählen Carcassonne und sieben weitere Festungen, darunter Montségur, Peyrepertuse und Quéribus. Die meist spektakulär auf felsigen Höhen gelegenen Anlagen gehörten zum Verteidigungssystem der französischen Krone im 13. und 14. Jahrhundert. Ihre dramatische Lage macht viele der Burgen schon heute zu beliebten Ausflugszielen in Südfrankreich.
12. Sebastia, Staat Palästina
Sebastia liegt nahe Nablus im Westjordanland und bewahrt Spuren zahlreicher Zivilisationen. Die Geschichte reicht mindestens bis ins 9. Jahrhundert vor Christus zurück, als Samaria-Sebaste Hauptstadt des nördlichen Königreichs Israel war. Assyrer, Babylonier, Perser, Römer, Byzantiner, Kreuzfahrer und Osmanen prägten den Ort. Sebastia wurde im Eilverfahren aufgenommen und gleichzeitig als gefährdetes Welterbe eingestuft.
13. Modernistische Architektur von Taschkent, Usbekistan
Nach einem schweren Erdbeben im Jahr 1966 wurde Taschkent umfassend neu gestaltet. Zehn Gebäude und Stadtkomplexe aus den 1960er- bis frühen 1990er-Jahren zeigen, wie sowjetischer Modernismus mit zentralasiatischen Traditionen verbunden wurde. Museen, Hotels, Kulturzentren und Wohnanlagen mussten dabei sowohl dem heißen Klima als auch der Erdbebengefahr standhalten.
14. Gräberkomplexe des Xiongnu-Adels, Mongolei
Acht Grabstätten geben Einblick in die Kultur der Xiongnu, die zwischen dem 3. Jahrhundert vor Christus und dem 2. Jahrhundert nach Christus ein mächtiges nomadisches Reich beherrschten. In den tiefen Hauptgräbern wurden unter anderem Waffen, Pferdegeschirr, Wagen, Werkzeuge und Lebensmittel für das Jenseits entdeckt. Die Anlagen zeigen, wie organisiert und technisch versiert die vermeintlich ausschließlich nomadische Gesellschaft war.
15. Medinas der historischen Sultanate der Komoren
Sechs historische Städte auf den Inseln der Komoren gehören zu diesem seriellen Welterbe. Ihre Ursprünge reichen mindestens bis ins 11. Jahrhundert zurück, später entwickelten sie sich zu Zentren eigenständiger Sultanate. Architektur und Stadtstruktur spiegeln den Handel im Indischen Ozean sowie afrikanische, arabische und asiatische Einflüsse wider.
16. Roças von São Tomé und Príncipe
Die sechs ehemaligen Plantagen Monte Café, Água Izé, Diogo Vaz, São João, Sundy und Belo Monte dokumentieren die koloniale Kaffee- und Kakaoproduktion. Zu den weitläufigen Anlagen gehörten neben Anbauflächen auch Fabriken, Wohnhäuser und soziale Einrichtungen. Gleichzeitig erinnern sie an ein System, das nach der Abschaffung der Sklaverei weiterhin auf erzwungener Migration und ausbeuterischer Arbeit beruhte.
17. Italienische Condominio-Theater in Mittelitalien
Zehn Theater in den Regionen Emilia-Romagna, Marken und Umbrien wurden gemeinsam ausgezeichnet. Die zwischen dem 18. und 19. Jahrhundert errichteten Häuser besitzen elegante Logen, neoklassizistische Säle und historische Bühnentechnik. Besonders war ihr Finanzierungsmodell: Gemeinden und Privatpersonen errichteten und besaßen die Theater gemeinschaftlich.
18. Sidi Bou Saïd, Tunesien
Weiße Häuser, leuchtend blaue Türen und ein weiter Blick über das Mittelmeer: Sidi Bou Saïd ist eines der schönsten Dörfer Nordafrikas. Der Ort entwickelte sich rund um das Grab eines Sufi-Heiligen aus dem 12. beziehungsweise 13. Jahrhundert. Seine Architektur, die Lage auf einer Klippe und die spirituelle Atmosphäre inspirierten über Generationen hinweg Künstler und Reisende.
19. Wat Phra Mahathat Woramahawihan, Thailand
Das bedeutende buddhistische Kloster befindet sich in der Provinz Nakhon Si Thammarat im Süden Thailands. Seit seiner Gründung im 8. Jahrhundert wurde es von religiösen und architektonischen Traditionen aus Indien, Sri Lanka, Java und Myanmar geprägt. Bis heute finden hier jahrhundertealte Rituale statt, darunter das feierliche Umwickeln des großen Reliquienschreins mit Stoffbahnen.
Die neuen Naturstätten
20. Meeresschutzgebiet Aqaba, Jordanien
Das Schutzgebiet am nördlichsten Ende des Roten Meeres beherbergt das nördlichste tropische Korallenriffsystem der Welt. Seine Korallen haben sich über rund 10.000 Jahre an hohe Salzgehalte, sommerliche Hitze und marine Hitzewellen angepasst. Mehr als 150 Arten von Steinkorallen, über 500 Fischarten und rund 1.000 Arten von Weichtieren leben in dem außergewöhnlichen Ökosystem.
21. Boma-Badingilo-Wanderlandschaft, Südsudan
Diese gewaltige Landschaft aus Savannen, Feuchtgebieten und Überschwemmungsflächen ist Schauplatz einer der größten noch existierenden Wanderungen von Landsäugetieren. Geschätzt sechs Millionen Antilopen und Gazellen ziehen durch das weitgehend unzerschnittene Gebiet. Auch Elefanten, Löwen, Geparde, Wildhunde und zahlreiche Vogelarten finden hier Lebensraum. Die Aufnahme erfolgte im Eilverfahren; gleichzeitig wurde das Gebiet auf die Liste des gefährdeten Welterbes gesetzt.
22. Okefenokee National Wildlife Refuge, USA
Das Okefenokee-Sumpfgebiet erstreckt sich über Teile von Georgia und Florida. Es gilt als das weltweit größte subtropische Tiefland-Süßwasser-Torfgebiet und gehört zu den intaktesten Ökosystemen der nordamerikanischen Küstenebene. Moore, Savannen und Wälder bieten unter anderem Alligatoren sowie Hunderten Vogel-, Pflanzen-, Fisch- und Amphibienarten einen Lebensraum.
23. Fischfossilien des westlichen Limfjords, Dänemark
An den Küstenklippen von Hanklit und Knudeklint wurden einige der weltweit am besten erhaltenen fossilen Fische gefunden. Die Ablagerungen stammen aus dem frühen Eozän und dokumentieren, wie sich moderne Knochenfische nach dem Massenaussterben am Ende der Kreidezeit entwickelten. Neben mehr als 80 Fischarten wurden auch fossile Vögel, Schildkröten, Insekten und Pflanzen entdeckt.
24. Wadi Wurayah, Vereinigte Arabische Emirate
Das Wadi Wurayah liegt vollständig im Hadschar-Gebirge im Emirat Fujairah. Die zerklüftete Landschaft ist geologisch ebenso bedeutend wie ökologisch: Mehr als 1.000 Tier- und Pflanzenarten wurden hier registriert, darunter mindestens zehn weltweit bedrohte Arten. Das Gebiet zeigt eine überraschend artenreiche Seite der Vereinigten Arabischen Emirate abseits der bekannten Wüsten- und Stadtlandschaften.
Kultur und Natur vereint
25. Das weitere Gebiet des Olymp, Griechenland
Griechenlands höchster Berg ist nicht nur landschaftlich spektakulär, sondern auch einer der bekanntesten Schauplätze der europäischen Mythologie. Für die alten Griechen galt der Olymp als Wohnsitz der zwölf Götter rund um Zeus. Steile Kalksteinfelsen, tiefe Schluchten, scharfe Bergkämme und eine außergewöhnlich vielfältige Pflanzenwelt machen das Gebiet zugleich zu einem bedeutenden Naturraum. Genau diese Verbindung aus Mythologie, Kulturgeschichte und Biodiversität brachte dem Olymp den Status als gemischtes Kultur- und Naturerbe ein.