Riesenwirbel

"Vorauseilender Gehorsam": Shitstorm für Standard wegen Gunkl-Artikel

© APA/HANS KLAUS TECHT
Im "Standard" wird heftige Kritik am "zu harten" Urteil gegen Kabarettist Günther Paal geübt. Ein Standard-Journalist schreibt sogar von einem "Promi-Malus". Das sorgt für eine Welle der Entrüstung in den sozialen Medien.
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Wien. Der Kabarettist Günther "Gunkl" Paal wurde am Donnerstag am Wiener Landesgericht wegen sexuellen Missbrauchs von Unmündigen (§ 207 StGB) und Besitzes von sexualbezogenem Kindesmissbrauchsmaterial (§ 207a StGB) zu drei Jahren unbedingter Haft verurteilt.

Hinter dem Schuldspruch zu sexuellem Missbrauch von Unmündigen und Besitz von sexualbezogenem Kindesmissbrauchsmaterial steckt noch ein Detail, das viele nicht mitbekommen haben.

Paal machte nämlich eine brisante Aussage - im nicht öffentlichen Teil der Verhandlung. Paal bezog sich dabei auf die Reaktion des im Tatzeitpunkt des Missbrauchs knapp vier Jahre alten Mädchens. Paals Feststellung dazu sei die "typische Formulierung" eines Missbrauchtäters, befand der vorsitzende Richter. Das lasse befürchten, dass Paal - was seine pädophile Veranlagung betrifft - "noch nicht über dem Berg ist" und man befürchten müsse, "dass so etwas Ähnliches wieder passiert."

Wirbel um Standard-Artikel

Riesenwirbel löste nun ein Artikel des "Standard" aus, in dem Kritik am "zu harten" Gunkl-Urteil geübt wird. Darin werden eine Kriminologin und ein Strafverteidiger zitiert, die eine "ungewöhnlich harte Strafe" monieren. So heißt es in dem Standard-Artikel, dass Richter und Beisitzer "Angst vor einem Shitstorm in sozialen Medien gehabt haben könnten" und das Urteil aus "möglichem vorauseilenden Gehorsam" gefällt hätten.

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"Standard"-Journalist Michael Möseneder schrieb in seinem Kommentar gar von einem "Promi-Malus". Und: "Dennoch kann man den Eindruck bekommen, dass ein Zeichen gesetzt wurde, um sich nicht dem Vorwurf der "Kuscheljustiz" aussetzen zu müssen."

Shitstorm

Auf Social Media lösten die "Standard"-Artikel eine Welle der Entrüstung aus: "Mitleid mit einem Sexualstraftäter - unglaublich!", schreibt User TonyG auf X. Journalist Richard Schmitt zeigt sich empört: "Schämen sich diese Typen nicht, die den "armen, armen" Herrn Sexualverbrecher bemitleiden? Haben diese Menschen keine Kinder? Ist deren moralischer Kompass schon derart im A...?" Und User Christian_AT schreibt: "Das ist der eigentliche Skandal: Ich muss mit meinem Steuergeld Zeitungen finanzieren, die ich nie kaufen würde."

Selbst im eigenen "Standard"-Forum sorgte der Artikel für heftige Diskussionen, zig Postings wurden gelöscht. Die Forum-Moderatorin musste die Poster zu Mäßigung aufrufen: "Bitte verzichtet außerdem auf hämische und/oder pietätlose Kommentare, denn diese sind unserer Community nicht würdig und werden ebenso gelöscht wie Beleidigungen, persönliche Angriffe und Gewaltfantasien."