IHS-Chef Bonin
Vorschlag für AMS-Reform: Was sich ändern soll
Angesichts des demografischen Wandels müsse die Arbeitsmarktpolitik bereits Erwerbstätige in Stellen vermitteln, in denen ihre Fähigkeiten produktiver eingesetzt werden, sagt er im Podcast "Geht so. Passt schon. Oder?". Konkret schlägt Bonin vor, dass das AMS Arbeitnehmern einmal im Jahr per Newsletter passende Joboptionen übermittelt.
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Durch die Pensionierung der geburtenstarken Jahrgänge verändere sich die Lage am Arbeitsmarkt grundlegend, betonte der Leiter des Instituts für Höhere Studien (IHS). Weil die Zahl der Arbeitskräfte schrumpfe, müsse die Produktivität gesteigert werden. Bisher habe sich das AMS vorrangig auf Arbeitslose konzentriert. "Lange Zeit war die Aufgabe: Wir müssen Arbeitslose wieder zurück in Beschäftigung bringen. Jetzt ist die Aufgabe: Wir müssen Beschäftigte in den besten Job bringen, den sie kriegen können", so Bonin. Die Information über bessere Jobchancen sei eine staatliche Aufgabe, da viele Menschen ihre Marktchancen unterschätzen würden. "Die Menschen sind viel zu früh zufrieden mit dem, was sie haben, weil sie nicht wirklich wissen, was sie haben könnten", sagte der Ökonom.
Wettbewerb um Arbeitskräfte erwünscht
Dass ein solches staatliches Job-Matching den Wettbewerb der Unternehmen um Arbeitskräfte verschärfen würde, bewertet Bonin positiv. "Als Volkswirt muss ich sagen: Genau das wollen wir. Wir wollen nicht, dass Jobs, die eben nicht so gut sind, erhalten werden. Wir wollen, dass die Menschen in die besseren Jobs kommen", erklärte der IHS-Direktor. Um die nötige berufliche Mobilität abzusichern, fordert er eine stärkere Absicherung beruflicher Veränderungen. Als mögliche Maßnahme nennt er unter anderem eine bessere steuerliche Berücksichtigung von Umzugskosten.
Zudem plädiert Bonin für ein neues Verständnis von Erwerbsbiografien. Die Vorstellung, einen erlernten Beruf bis zur Pension auszuüben, sei nicht mehr zeitgemäß. "Dann lohnt es sich mit 45, mit 50 nochmal was Grundlegendes Neues zu lernen", betonte Bonin. Die aktive Arbeitsmarktpolitik müsse die Beschäftigungsfähigkeit über das gesamte Erwerbsleben hinweg unterstützen. Was Künstliche Intelligenz (KI) angeht, erwartet Bonin keinen abrupten Einbruch der Beschäftigung. KI könne Routineaufgaben übernehmen und insbesondere ältere oder weniger leistungsfähige Beschäftigte dabei unterstützen, produktiver zu arbeiten.