Studentenliste

Vučić verliert Wahl: So geht es in Serbien weiter

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Nach mehr als einem Jahrzehnt politischer Dominanz muss Aleksandar Vučić in Serbien eine schwere Niederlage hinnehmen. Die aus den landesweiten Protesten hervorgegangene Studentenbewegung hat die Parlamentswahl triumphal gewonnen.
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Bereits knapp zwei Stunden nach dem Schließen der Wahllokale am Sonntagabend trat Aleksandar Vučić vor seine Anhänger und gestand den Verlust der Macht ein. "Die Studentenliste hat gewonnen", erklärte der bisherige Langzeit-Machthaber. Die Plätze vor dem Parlament in Belgrad füllten sich mit zehntausenden feiernden Menschen.

Erste Hochrechnungen untermauern den historischen Erdrutschsieg: Mehr als jeder zweite Wähler gab der Bewegung seine Stimme, während Vučićs rechtsgerichtete Serbische Fortschrittspartei (SNS) bei knapp 39 Prozent landete. Bei einer hohen Wahlbeteiligung von fast 70 Prozent zeichnet sich eine klare Sitzverteilung im 250 Mandate zählenden Parlament ab:

  • Studentenliste: Voraussichtlich 135 bis 140 Mandate (absolute Mehrheit). Denn mehr als jeder zweite Wähler stimmte für die Studentenliste.
  • Vučić-Partei (SNS): Voraussichtlich rund 105 Mandate

Vučić fand Sündenböcke

Vučić suchte die Gründe für das Debakel nicht bei sich selbst: Er machte unabhängige Medien, eine angebliche Einmischung europäischer Staaten sowie einen sogenannten "Deep State" in den USA für den Ausgang verantwortlich.

Akademiker und Bürger anstelle von Berufspolitikern

An der Spitze der Wahlliste steht der Kardiologe Ilija Srdanović aus Novi Sad. © APA/AFP/ANDREJ ISAKOVIC

Durch den komfortablen Überhang im Parlament kann die Bürgerbewegung ohne Koalitionspartner regieren. Wer das Amt des Regierungschefs übernimmt, ist aktuell noch offen.

An der Spitze der Wahlliste steht der Kardiologe Ilija Srdanović aus Novi Sad. Die Bewegung verzichtet bewusst auf eine traditionelle Parteiführung und setzt auf basisdemokratische Beschlüsse. Statt Berufsfunktionären stehen Fachleute aus der Zivilgesellschaft im Zentrum:

  • Ärzte und medizinisches Personal
  • Universitätsprofessoren und Wissenschaftler
  • Architekten und Ingenieure
  • Kunst- und Kulturschaffende
Feiernde Fans der Studentenliste © EPA

Tragödie mit 16 Toten brachte das Fass zum Überlaufen

Dass ausgerechnet Studenten die Macht brechen würden, begann mit einem schrecklichen Unglück in Novi Sad. Im November 2024 stürzte das frisch renovierte Vordach des Hauptbahnhofs ein und riss 16 unschuldige Menschen in den Tod. Die Wut über angebliche Korruption, Misswirtschaft und vertuschte Baumängel brachte die Universitäten zum Kochen.

Aus Hörsaal-Besetzungen und Straßenblockaden entstand eine Massenbewegung. Im September trat Vučić zwar als Staatschef zurück, wollte sich über die Parlamentswahlen jedoch postwendend den Sessel des Premierministers sichern. Das Volk erteilte ihm nun eine krachende Abfuhr.

Vucic bleibt ein Machtfaktor, Europakurs offen

Das Land wird künftig von Menschen geführt, die keine Berufspolitiker sind. Angeführt wird die Liste vom angesehenen Kardiologen Ilija Srdanović. Gemeinsam mit Professoren, Architekten und Kulturschaffenden will die Bewegung das Gesundheitssystem erneuern und Institutionen entpolitisieren. Rektorin Mirjana Nikolić dankte in der Wahlnacht den jungen Kräften: Ohne ihren Einsatz wäre dieser Umsturz nie Wirklichkeit geworden.

Trotz des Triumphs wartet harte Realität: Die Vučić-Partei SNS verfügt weiterhin über tief verwurzelte Netzwerke im Land. Zudem begrüßte EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen zwar den Wahlausgang, doch der außenpolitische Kurs der heterogenen Studentenbewegung im Hinblick auf Russland und den Kosovo muss sich erst noch beweisen.