Job-Abbau

VW kündigt 50.000 Mitarbeiter: Aktionäre machen Druck

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Laut VW-Chef Oliver Blume liegt der Auto-Konzern beim geplanten Abbau von 50.000 Stellen bis 2030 im Plan. Auf der Hauptversammlung gab es Kritik.
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Lob für das Ende seiner Doppelrolle als Porsche- und VW-Chef, Unmut über die schwache Entwicklung des Konzerns: Auf der VW-Hauptversammlung blies Konzernchef Oliver Blume heftiger Gegenwind entgegen. Ohne konsequente Neuaufstellung riskiere VW einen schleichenden Abstieg, warnte Tanja Bauer vom Fondsanbieter Deka Investment - und verwies auf den Bundesliga-Abstieg des VfL Wolfsburg als warnendes Beispiel.

Gewinneinbruch um fast die Hälfte

Der Gewinneinbruch um fast die Hälfte im vergangenen Jahr sei ein Alarmsignal, warnte Janne Werning von der Fondsgesellschaft Union Investment. "Diese Ergebnisentwicklung ist kein Zufall", betonte Hendrik Schmidt vom Fondanbieter DWS. "Sie ist Ausdruck eines Systems, in dem Kontrolle, Unabhängigkeit und Verantwortlichkeit nicht funktionieren." Die Dividende sei "auf einem unterirdischen Niveau", kritisierte Ulrich Hocker von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

Blume will Sparkurs verschärfen

Volkswagen feiert nächstes Jahr 90. Geburtstag. Der Umbau führt zu Kündigungen. © Getty Images

Die bisherigen Sparmaßnahmen reichten nicht aus, um den Konzern "endlich vor die Kurve zu bringen", kritisierte Fondsmanager Werning. "Überkapazitäten und Ineffizienzen sind ein Mühlstein um den Hals der Kernmarke." Der Konzern sei eine Großbaustelle. "Hoffen auf bessere Zeiten ist keine Strategie." Eine tiefgreifende Sanierung sei überfällig.

VW-Chef Blume verteidigte seinen Kurs. "2026 haben sich die Rahmenbedingungen der Automobilindustrie nochmals verschärft", sagte er bei dem virtuellen Aktionärstreffen in München. "Unsere Lage ist angespannt und anspruchsvoll." Darauf müsse der Konzern reagieren. "Da sich die Rahmenbedingungen weiter verschärfen, müssen wir unser Transformationstempo weiter erhöhen."

Blume hatte im Frühjahr ein "Zielbild Volkswagen Konzern 2030" angekündigt und erste Eckpunkte für die Neuausrichtung genannt. "Unser über Jahrzehnte erfolgreiches Geschäftsmodell funktioniert heute so nicht mehr. Wir müssen es weiterentwickeln", sagte er. Daran werde gearbeitet. "Weitere Entscheidungen treffen wir gemeinsam mit unserem Aufsichtsrat im Sommer."

Ziel sei es, 2030 "weltweit der attraktivste Automobilhersteller" zu sein. Die Umsatzrendite soll dann bei 8 bis 10 Prozent liegen. Der Umbau werde dann aber nicht abgeschlossen, fügte Blume hinzu, "Das wird eine Daueraufgabe bleiben." Es gehe um einen dauerhaft angelegten Transformationsprozess.

"Verdienen damit nicht genug Geld"

Zugleich zog Blume eine positive Bilanz der bisherigen Bemühungen. Mit neuen Modellen wie dem gerade vorgestellten elektrischen ID. Polo sei die Marke auf dem richtigen Weg. "Mit unseren Produkten stehen wir wieder vorn im Wettbewerb. Aber wir verdienen damit nicht genug Geld." Zwar zeigten die laufenden Sparprogramme bereits Wirkungen. Dem wirkten aber die neuen Belastungen durch Zölle, Handelsbarrieren und geopolitische Risiken entgegen.

Beim geplanten Abbau von konzernweit 50.000 Stellen bis 2030 liege VW im Plan. Allein bei der Kernmarke, wo 35.000 Stellen wegfallen sollen, werde sich die Belegschaft bis Ende 2026 um 19.000 reduzieren, berichtete Blume. 28.000 freiwillige Austritte seien bereits fest vereinbart, die Fabrikkosten an deutschen VW-Standorten 2025 um mehr als 20 Prozent gesunken.

Blume bekräftigte seine Pläne, die Kapazität der Werke weiter zu senken und Überkapazitäten abzubauen. Bis 2030 will Blume die Kapazität seiner europäischen Werke um weitere 500.000 Fahrzeuge senken - zusätzlich zum bereits laufenden Kapazitätsabbau um eine Million Fahrzeuge bis 2028. Ebenso viele sollen es in China sein, weltweit damit eine Million Autos wegfallen. Details zu einzelnen Standorten wollte Blume auch auf Nachfrage nicht nennen.

"Wir benötigen wettbewerbsfähige Kosten, um im Wettbewerb zu bestehen", sagte Finanzvorstand Arno Antlitz. "Das gilt für Materialkosten, für den Overhead, aber auch für die Kosten unserer Werke, den Fabrikkosten. Und jetzt kommt der Wettbewerb aus China nach Europa und baut im Osten und Süden Europas neue effiziente Werke. Dagegen können wir nicht mit unterausgelasteten Fabriken bestehen."

Das Aktionärstreffen fand erneut rein digital statt - wie bereits in den vergangenen beiden Jahren. Vorstand und Aufsichtsratsspitze waren dabei nicht einmal in Wolfsburg, sondern wurden aus München zugeschaltet. In Präsenz hatte Blume die eigenen Anteilseigner zuletzt 2023 empfangen.