Die kühlen Monate sind angebrochen und was gibt es Gemütlicheres, als an einem frostigen Herbstabend eine Duftkerze anzuzünden, die eine wohlige Stimmung schafft. Doch während wir uns vom Licht der Flamme verzaubern lassen, steigt gleichzeitig auch die Belastung der Luft, die wir atmen. Wer hier nicht aufpasst, riskiert ernsthafte gesundheitliche Schäden.
Du atmest schädliche Stoffe ein
Die meisten herkömmlichen Duftkerzen werden aus Paraffin hergestellt. Das ist ein Abfallprodukt der Erdölindustrie. Wenn du diese Kerzen anzündest, verbrennst du quasi fossile Brennstoffe in deinem geschlossenen Wohnzimmer.
Dabei können sogenannte flüchtige organische Verbindungen, wie Benzol und Toluol an die Raumluft abgegeben werden. Benzol kennst du vielleicht eher von der Tankstelle oder aus Autoabgasen, es ist giftig und gilt als krebserregend. Zwar sind die freigesetzten Mengen laut Studien meist unter den WHO-Richtwerten für Innenräume, doch mal ehrlich: Wer möchte beim Relaxen auf der Couch schon freiwillig Industrieabgase inhalieren?
Wenn Duftstoffe mutieren
Besonders tückisch wird es bei bestimmten, eigentlich harmlos klingenden Aromen. Ein Paradebeispiel ist Limonen, ein Duftstoff, der für den beliebten, frischen Zitrus-Geruch sorgt. Limonen selbst ist nicht das Problem, doch sobald es in die Raumluft gelangt, reagiert es mit dem dort natürlich vorkommenden Ozon.
Das schockierende Ergebnis einer Studie der University of New York: Durch diese chemische Reaktion wandelt sich Limonen in Formaldehyd um. Dieses Gas reizt nicht nur die Schleimhäute stark, sondern wird von Gesundheitsbehörden als krebserregend eingestuft.
Feinstaub-Alarm
Eine Kerze ist und bleibt ein offenes Feuer. Bei der Verbrennung entstehen ultrafeine Partikel und Ruß, die wir ungefiltert in die Lunge einatmen. Untersuchungen zeigen, dass eine einzige brennende Duftkerze ganze 53 Billionen ultrafeine Partikel freisetzen kann.
Dazu kommen bei qualitativ schlechten Kerzen oder Zugluft oft polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK). Für Menschen mit Asthma, chronischen Atemwegserkrankungen oder für Kleinkinder und Haustiere kann dieser Feinstaub schnell gefährlich werden und Husten, allergische Reaktionen oder sogar Atemnot auslösen.
Kopfschmerzen und hormonelles Chaos
Hattest du nach einem gemütlichen Kerzen-Abend schon mal einen brummenden Schädel oder tränende Augen? Die synthetischen Duft- und Farbstoffe, die den Wachskreationen ihre intensive Note verleihen, sind bekannte Allergie-Auslöser. In manchen importierten Produkten verbergen sich laut Verbraucherzentrale sogar synthetische Moschus-Verbindungen, die im Verdacht stehen, sich im menschlichen Fettgewebe oder gar in der Muttermilch anzureichern. Häufig werden den Düften auch Phthalate beigemischt (Weichmacher), die als hormonell wirksam gelten.
Muss ich jetzt alle meine Duftkerzen wegwerfen?
Ganz in Panik verfallen musst du nicht. Eine gelegentliche Duftkerze wird nicht zu einer akuten Vergiftung führen. Gehörst du aber zu den Menschen, die im Herbst und Winter jeden Abend das Wohnzimmer einnebeln, solltest du deine Gewohnheiten im Sinne deiner Gesundheit lieber anpassen. So machst du es risikofrei:
- Wechsle das Wachs: Schmeiß Paraffin aus deiner Wohnung. Greife stattdessen zu Kerzen aus Bienenwachs, Soja- oder Kokoswachs. Diese Alternativen verbrennen deutlich sauberer und stoßen extrem wenige bis keine Schadstoffe aus.
- Achte auf Siegel: Kaufe am besten Kerzen mit dem RAL-Gütezeichen. Das garantiert dir strenge gesundheitliche Richtlinien bei den Inhaltsstoffen, beim Docht und bei den Farben.
- Natürliche Düfte: Setze auf 100 % reine ätherische Öle statt auf billige synthetische Parfüm-Mixturen.
- Docht kurz halten & lüften: Ein zu langer Docht führt zum Flackern und Flackern erzeugt Ruß. Kürze den Docht vor jedem Anzünden. Wenn du die Kerze auspustest (am besten mit einem Löscher tauchen, statt zu blasen!), gilt danach: Fenster weit auf und ordentlich stoßlüften.