Wissenschaftler haben die Schale einer Riesenmuschel der Art Tridacna gigas untersucht, die in den frühen 1800er-Jahren rund 30 Jahre lang am Rande des Great Barrier Reefs lebte. Die Muschel aus dem Gebiet der Lizard Island Group – auch als Jiigurru bekannt – entpuppte sich dabei als echtes maritimes Archiv. Sie liefert den Experten der James Cook University Australia eine hochauflösende Momentaufnahme der Umweltbedingungen in einer entscheidenden Phase.
Blick in die kleine Eiszeit
Das Ende der kleinen Eiszeit markiert die letzte große Abkühlung, bevor ab Mitte des 19. Jahrhunderts die vom Menschen verursachte Erwärmung begann. Bisher gab es für diese Phase auf der südlichen Erdhalbkugel kaum detaillierte Belege. Durch die Untersuchung der inneren und äußeren Schichten der Muschel konnten die Wissenschaftler nun jedoch die Temperaturen der Wasseroberfläche, die Schwankungen der Niederschlagsmenge und lokale extreme Wetterphänomene rekonstruieren.
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Kühleres Wasser am Korallenriff
Die Ergebnisse der Analysen zeigen eindeutig, dass sich die kleine Eiszeit auch auf das nördliche Great Barrier Reef auswirkte. Die Wassertemperaturen lagen damals schätzungsweise zwischen 0,6 und 1,2 Grad Celsius unter den heutigen Werten. Damit fiel die Abkühlung in dieser tropischen Region allerdings geringer aus als in vielen Teilen der Nordhalbkugel.
Zudem zeigte die Riesenmuschel starke jahreszeitliche Schwankungen auf, die mit den damaligen Niederschlägen zusammenhingen. Die Daten weisen auf wiederkehrende Zyklen von zwei bis drei Jahren hin. Dabei traten im späten 18. Jahrhundert häufiger El-Niño-artige Ereignisse auf, während in den frühen 1800er-Jahren stärkere La-Niña-Bedingungen vorherrschten. Für die Forschung stellt diese Schale somit ein seltenes und extrem wertvolles Archiv dar, um die damaligen klimatischen Bedingungen im Detail zu verstehen.