Notdurft am Berg

Was Wanderer beim Toilettengang in der Natur beachten müssen

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Benutzte Taschentücher und Hinterlassenschaften an Wanderwegen belasten zunehmend die sensible Bergwelt der Alpen. Der Österreichische Alpenverein gibt nun konkrete Verhaltensregeln für den Notfall auf Bergtouren bekannt.
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Die Wandersaison lockt jedes Jahr Hunderttausende Naturbegeisterte auf Österreichs Berge und Almen. Doch mit dem Ansturm wächst auch ein unappetitliches Problem: Entlang der Wanderwege häufen sich weggeworfene Papiertaschentücher und menschliche wie tierische Notdurft-Spuren. Was im Tal als rasch verrottende Kleinigkeit abgetan werden könnte, entwickelt sich in alpinen Höhenlagen zu einer massiven ökologischen Belastung. Der Österreichische Alpenverein warnt eindringlich davor, dass menschliche und tierische Fäkalien das empfindliche Gleichgewicht der alpinen Natur nachhaltig verändern und empfindliche Ökosysteme aus dem Takt bringen.

Das Hauptproblem liegt in der besonderen Höhenlage und der alpinen Witterung. Menschliche Ausscheidungen wirken wie ein starker Dünger, der den natürlichen Nährstoffhaushalt karger Böden überlastet. Zudem verrotten organische Abfälle und Zellstoff in kühleren Höhenlagen ungleich langsamer als im Tal. Während Taschentücher im Flachland binnen weniger Wochen vergehen, bleiben sie auf zweitausend Metern Seehöhe oft monate- oder sogar jahrelang in der Landschaft sichtbar liegen und belasten Pflanzen- sowie Tierwelt.

Die fünf goldenen Regeln für den Notfall im Gebirge

Die wichtigste Grundregel des Alpenvereins lautet simpel: Wo immer eine offizielle Toilette auf einer Berghütte oder an einer Seilbahnstation vorhanden ist, sollte diese vor dem Weitermarsch zwingend genutzt werden. Wer dennoch mitten im Gelände von einem akuten Bedürfnis überrascht wird, muss sich an fünf klare Richtlinien halten:

  • 1. Strikt Abstand zu Gewässern halten: Bäche, Gebirgsseen, Quellen und kleine Tümpel sind absolut tabu. Durch Fäkalien können Keime in sensible Wasserläufe gelangen und die empfindliche Flora und Fauna schwer schädigen.
  • 2. Das richtige Papier einpacken: Herkömmliches Toilettenpapier verrottet deutlich rascher als reißfeste Papiertaschentücher. Noch umweltfreundlicher ist es, das benutzte Papier in einem eigenen Beutel wieder mit ins Tal zu nehmen.
  • 3. Spuren niemals offen liegen lassen: Wer keine Sanitäranlagen vorfindet, muss die Hinterlassenschaften ordentlich einscharren, eingraben oder zumindest sorgfältig mit Steinen und Zweigen abdecken. Das gebrauchte Papier gehört im Idealfall ins Tal transportiert.
  • 4. Stadel und Geräte sind kein WC-Ersatz: Landwirtschaftliche Stadel, Reviereinrichtungen, Heuschober oder landwirtschaftliche Maschinen dürfen unter keinen Umständen als provisorische Toilette missbraucht werden.
  • 5. Pflicht gilt auch für vierbeinige Begleiter: Die Schutzmaßnahmen gelten uneingeschränkt auch für Hundehalter und deren tierische Begleiter auf Wanderschaft.

Rucksack-Apotheke erweitern: Experte rät zum "Notfall-Set"

Laut Benjamin Stern von der Naturschutzabteilung des Österreichischen Alpenvereins scheitert der saubere Berggenuss selten an mangelnden Möglichkeiten, sondern primär am fehlenden Problembewusstsein der Wanderer. Dabei ließe sich der Schaden mit minimalem Mehraufwand bei der Tourenplanung verhindern. Stern stellt klar: "Toilettenpapier verrottet beispielsweise deutlich schneller als Papiertaschentücher. Am besten wäre, gebrauchtes Papier wieder mit ins Tal zu nehmen. Neben der medizinischen Rucksackapotheke gehört also auch ein spezielles 'Erste-Hilfe-Set' für den Notdurft-Fall in den Rucksack, bestehend aus Klopapier und Beutel."

Auch die Schonung fremden Eigentums lässt sich problemlos bewerkstelligen. "Leicht umsetzbar ist auch das Abstandhalten von Gewässern und Stadeln. Das schont nicht nur Flora und Fauna, auch Bauern und Grundbesitzer sind froh darüber", betont der Naturschutz-Experte.

Richtiges Timing vor dem Tourstart verhindert Notlagen

Viele unangenehme Situationen am Berg ließen sich im Vorfeld gänzlich vermeiden, wenn Bergsteiger ihr Zeitmanagement anpassen. Benjamin Stern rät deshalb zu vorausschauendem Handeln: "So könnte das ein oder andere sich anbahnende Bedürfnis sicher noch auf der Toilette am Ausgangspunkt erledigt werden." Wer bei der Anreise am Bahnhof, auf dem Wanderparkplatz oder beim letzten Gasthaus noch einmal austritt, erspart sich und der Umwelt unschöne Momente. Für jeden Bergausflug gilt letztlich das Motto: Die faszinierende Bergwelt in vollen Zügen genießen – und nichts als Fußspuren hinterlassen.