Forderungen
Wegen Hitze: Fahrradkuriere von Lieferdiensten streiken
Sie protestieren gegen aus ihrer Sicht zu niedrige Bezahlung, das Vergütungssystem nach einzelnen Auslieferungen sowie gegen die Arbeitsbedingungen während der anhaltenden Hitzewelle. Zu dem Streik riefen die Beschäftigten nach einer Versammlung, die von der Gewerkschaft Nidil CGIL organisiert worden war.
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Nach Angaben der Gewerkschaft fordern die Fahrer eine Bezahlung nach tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden, statt nach "Stücklohn". Bei diesem bekommen sie nur Geld, wenn sie auch Aufträge haben. Das bisherige Vergütungsmodell müsse im Einklang mit europäischen und italienischen Vorgaben endgültig abgeschafft werden, betonte die Gewerkschaft.
Kritik an Beschäftigung als Scheinselbstständige
Die Kuriere beklagen zudem sinkende Einkommen und eine rückläufige Zahl von Lieferaufträgen, obwohl sich die Branche nach ihrer Einschätzung nicht in einer Krise befindet. Ein Fahrer berichtete, für eine Lieferung vom Stadtzentrum bis in den weit entfernten Stadtteil Coverciano lediglich drei Euro brutto erhalten zu haben.
Ein weiterer Schwerpunkt der Proteste sind die Arbeitsbedingungen bei extremer Hitze. Nach Angaben der Beschäftigten sind Fahrrad- und Motorradkuriere Temperaturen ausgesetzt, die deutlich über den offiziell gemessenen Werten liegen. Arbeitsunterbrechungen wegen Hitze dürften deshalb nicht zu Einkommensverlusten führen. Darüber hinaus verlangen die Fahrer bessere Möglichkeiten, Sicherheitsprobleme und Fehlverhalten von Restaurants zu melden, einen umfassenden Schutz bei Arbeitsunfällen sowie ein Ende der Beschäftigung als Scheinselbstständige. Mit dem Streik wollen sie den Druck auf die Lieferplattformen und die Politik erhöhen.
Zwischen 12.30 Uhr und 16.00 Uhr
Die Stadt Mailand hat diese Woche eine Verordnung zum Schutz von Essenslieferanten vor extremer Hitze erlassen. Demnach soll die Zuweisung von Lieferaufträgen während der heißesten Tageszeit zwischen 12.30 Uhr und 16.00 Uhr reduziert oder ausgesetzt werden. Die Regelung gilt bis zum 23. September. Die Verordnung verpflichtet Unternehmen, die Lieferdienste über digitale Plattformen mit Fahrradkurieren organisieren, verwalten, vermitteln oder Aufträge vergeben, ihre Beschäftigten rechtzeitig über das tägliche Hitzerisiko zu informieren. Zudem müssen sie die Vergabe von Lieferaufträgen zwischen 12.30 Uhr und 16.00 Uhr durch einen automatischen Stopp oder eine Verlangsamung des Zuweisungsalgorithmus einschränken oder aussetzen.
Italien ist derzeit mit der dritten Hitzewelle in diesem Sommer konfrontiert. In den nächsten Tagen sind wieder Höchstwerte um die 40 Grad zu erwarten.