Das österreichische Wirtschaftsministerium hat der geplanten 2,2-Milliarden-Euro-Übernahme der MediaMarkt-Mutter Ceconomy durch den chinesischen Online-Riesen JD.com zugestimmt.
Damit ist eine entscheidende Hürde für den Einstieg des E-Commerce-Konzerns in den heimischen Handel genommen, wenngleich strenge staatliche Sicherheitsauflagen gelten.
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900.000 Beschäftigte, Chinas größtes Privatunternehmen
Hinter JD.com steht ein chinesischer Konzern mit gewaltigen Dimensionen, der hierzulande bislang kaum im Rampenlicht stand. JD steht als Abkürzung für Jingdong und zählt rund 900.000 Beschäftigte.
Mit einem Jahresumsatz von rund 160 Milliarden Dollar ist das Unternehmen das umsatzstärkste Privatunternehmen Chinas – und übertrifft Ceconomy beim Erlös um mehr als das Sechsfache. Über 580 Millionen aktive Kunden bestellen jährlich auf der Plattform.
EU prüft geplante Übernahme noch
In China verfügt der Konzern über mehr als 1.600 Filialen, über 10.000 Verkaufsstellen sowie ein eigenes Einkaufszentrum in Peking. Zudem begründete JD das bekannte Shopping-Event "618 Shopping Day" am 18. Juni. Durch eine hochmoderne Logistik erhalten Kunden ihre Lieferungen teilweise binnen einer Stunde oder via Drohne. Seit 2022 ist Jingdong in Europa bereits mit der Marke Ochama und Logistikzentren in den Niederlanden, Polen und Frankreich aktiv.
Wer ist der Mann hinter JD.com?
JD.com-Boss Richard Liu ist einer der reichsten Chinesen. In Europa war der chinesische Milliardär bisher kaum einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Geboren in der ostchinesischen Provinz Jiangsu unter dem bürgerlichen Namen Liu Qiangdong, absolvierte er ein Soziologiestudium an der renommierten Chinesischen Volksuniversität in Peking, die für ihre engen Kontakte zur politischen Führungselite geschätzt wird.
“Diese Welle des grenzüberschreitenden E-Commerce-Modells kann nur billige Waren verkaufen, und billige Waren schaden dem Ruf unseres Landes erheblich”
Richard Liu
Im Jahr 1998 startete er sein Unternehmen Jingdong im Pekinger Technologiezentrum Zhongguancun. Der Fokus lag damals auf dem Vertrieb von elektronischen Artikeln. Ausschließlich zertifizierte Originalware statt der damals allgegenwärtigen Billigkopien gab es bei ihm.
Epidemie ließ sein Imperium groß werden
Die Namensgebung von JD.com geht auf persönliche Wurzeln zurück: Der Begriff setzt sich aus der Silbe "Jing" seiner damaligen Lebensgefährtin Gong Xiaojing und dem "Dong" seines eigenen Vornamens zusammen. Aus seiner ersten Ehe hat Liu einen Sohn. Der entscheidende Wendepunkt seiner Laufbahn folgte im Jahr 2003: Als die Sars-Epidemie Kunden und Mitarbeiter zum Verbleib im privaten Raum zwang, schwenkte das Geschäft auf den digitalen Handel um. Im Jahr 2004 ging die erste Internetplattform online – der Grundstein für ein Imperium.
Heute gilt JD.com gemessen an den Einnahmen als das größte Privatunternehmen Chinas. Der Jahresumsatz erreicht rund 160 Milliarden US-Dollar. Das Sechsfache der bisherigen Mediamarkt-Muttergesellschaft Ceconomy.
Der Vorstoß nach Europa ist für Liu die Möglichkeit zur Diversifizierung.
Mit den 1.000 Filialen von Mediamarkt gelingt nun der massive Einstieg in den stationären Handel. 56 davon sind in Österreich.