Heimat-Schock

Wer nie auszieht, hat eher Züge eines Psychopathen!

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Eine neue Untersuchung aus den Vereinigten Staaten bringt überraschende Zusammenhänge zwischen dem Wohnort und dunklen Persönlichkeitsmerkmalen ans Licht. Demnach weisen Erwachsene, die in ihrem Heimat-Bundesstaat wohnen bleiben, im Schnitt höhere Werte bei bestimmten psychopathischen Eigenschaften auf als Personen, die wegziehen.
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Psychopathische Persönlichkeitszüge sind im Alltag oft schwer auf den ersten Blick zu erkennen. Ein US-amerikanisches Forschungsteam analysierte im Rahmen einer groß angelegten Untersuchung die Daten von 3.958 Erwachsenen aus einer Online-Erhebung vom Dezember 2022. Im Zentrum stand der Vergleich zwischen Personen, die nach wie vor in ihrem Heimat-Bundesstaat leben (2.703 Teilnehmer), und jenen, die in eine andere Region umgezogen sind (1.255 Befragte).

Dabei wurden sogenannte "Stayer" definiert: Wer als Kind in einem Bundesstaat aufwuchs und heute noch oder wieder dort wohnt – inklusive jener, die zwischenzeitlich wegzogen und zurückkehrten –, fiel in diese Kategorie. In den Vereinigten Staaten verbleiben generell rund 29 bis 37 Prozent der Erwachsenen direkt in ihrer Geburtsstadt, während 60 bis 72 Prozent in ihrer Heimatstadt oder in der näheren Region verweilen.

Gefühlskälte und Impulsivität im Fokus

Die Auswertung zeigte ein klares Bild: Die Daheimgebliebenen erzielten bei bestimmten Wesenszügen geringfügig, aber statistisch signifikant höhere Werte als Umzügler. Dieser Effekt blieb selbst dann stabil, als demografische und geografische Unterschiede herausgerechnet wurden. Konkret ging es um zwei zentrale Säulen:

  • Gefühlskälte: Ein Mangel an Empathie und emotionale Abstumpfung gegenüber den Gefühlen der Mitmenschen.
  • Impulsivität: Rasches und unbedachtes Handeln ohne Rücksicht auf mögliche negative Konsequenzen.
  • Reputation: Eine geringere Sorge darum, wie das eigene Auftreten auf das soziale Umfeld wirkt.

Ergänzend stellten die Wissenschaftler fest, dass höhere Psychopathie-Werte generell mit dichter besiedelten Ziel-Bundesstaaten, größerer sozialer Ungleichheit und höheren Mordraten einhergehen. Während die Vorliebe für dichte Metropolen zu früheren Erkenntnissen über dunkle Wesensmerkmale passt, bleiben die genauen Hintergründe zu Kriminalitäts- und Ungleichheitsstatistiken vorerst ungeklärt.

Fehlende Chancen oder strategischer Vorteil?

Für das beobachtete Phänomen liefern die Forscher zwei theoretische Erklärungsansätze. Einerseits erfordert ein Umzug über Grenzen hinweg meist finanzielle Mittel, berufliche Jobangebote oder verlässliche Netzwerke. Personen mit ausgeprägter Gefühlskälte und Impulsivität schaden oft ihrem eigenen Ruf und zerstören wichtige Verbindungen, wodurch sie seltener berufliche Chancen für einen Neuanfang erhalten.

Andererseits könnte das gewohnte Umfeld handfeste Vorteile bieten: Wer dazu neigt, andere Menschen für eigene Zwecke auszunutzen, profitiert von jahrelang etablierten Kontakten und Kenntnissen vor Ort mehr, als bei Fremden ganz von vorne anzufangen. Beide Theorien sind plausible Möglichkeiten, wurden durch die Studiendaten selbst jedoch nicht direkt bewiesen.

Wissenschaftliche Messung ohne Diagnose

Zur Erfassung nutzte das Team den anerkannten Fragebogen "Short Dark Triad", der neben Psychopathie auch Narzissmus und Machiavellismus (manipulative Selbstsucht) abbildet. Jeder Bereich wurde über neun Aussagen auf einer Skala von eins bis fünf bewertet – darunter Sätze wie: "Leute, die sich mit mir anlegen, bereuen es immer." Die Mittelwerte zeigen Tendenzen im Normalbereich an und stellen keine klinische Diagnose dar.

Die Autoren betonen zudem wichtige methodische Grenzen:

  • Keine Kausalität: Die Momentaufnahme kann nicht belegen, ob die Persönlichkeit die Wohnortwahl steuert oder das Umfeld den Charakter prägt.
  • Fehlende Individualdaten: Persönliches Einkommen, Bildungsstand und konkrete Umzugsgründe wurden nicht erfasst.
  • Keine Vollrepräsentativität: Die Stichprobe bildet nicht die gesamte US-Bevölkerung ab.
  • Regionale Ebene: Die Daten beziehen sich auf gesamte Bundesstaaten und nicht auf spezifische Stadtviertel.