Ohne Schlauch

Wiener Start-up entwickelt revolutionäre Klimaanlage

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Kein Einbau nötig: Diese Klimaanlage kommt ohne Schlauch aus
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Steigende Temperaturen im Sommer machen Klimaanlagen für viele Menschen immer attraktiver. Doch gerade in Mietwohnungen oder älteren Gebäuden scheitert die Installation häufig an fehlenden Genehmigungen für Außengeräte. Mobile Klimaanlagen mit Abluftschlauch gelten zudem oft als laut und vergleichsweise ineffizient. Ein österreichisches Start-up arbeitet nun an einer Lösung, die ohne beides auskommen soll.

Wie das Technikportal CHIP berichtet, entwickelt das Wiener Unternehmen so.cool eine neuartige Klimaanlage namens "TerraBreeze", die weder ein Außengerät noch einen Abluftschlauch benötigt. Stattdessen setzt das System auf ein besonderes Verfahren zur Wärmespeicherung.

Das Herzstück der Anlage bilden spezielle Terrakotta-Rohre, die als Wärmetauscher fungieren. Mithilfe von Phasenwechselmaterialien soll die dem Raum entzogene Wärme zunächst im Gerät gespeichert werden. Gleichzeitig nutzt das System das Prinzip der Verdunstungskälte, um die Raumtemperatur zu senken, ohne dabei zusätzliche Feuchtigkeit an die Luft abzugeben.

Downtime

"TerraBreeze" soll laut Unternehmensangaben Räume zwischen 15 und 35 Quadratmetern für sechs bis zwölf Stunden kühlen können. Je nach Wärmelast seien sogar Flächen von bis zu 50 Quadratmetern möglich. Die Kühlleistung wird mit 12.000 BTU angegeben. Zusätzlich soll das Gerät als Luftreiniger und Luftentfeuchter dienen.

Ganz ohne Wärmeabgabe funktioniert das Konzept allerdings nicht. Die im Gerät gespeicherte Wärme muss zu einem späteren Zeitpunkt wieder abgeführt werden. Unternehmensgründer Philippe Schmit erklärte laut CHIP in einem Interview mit dem Start-up-Portal Brutkasten, dass dafür täglich etwa zwei Stunden "Downtime" ausreichen sollen. In dieser Zeit gibt das System die gespeicherte Wärme wieder an die Umgebung ab – idealerweise nachts, wenn die Räume nicht genutzt werden.

Die Technologie gilt als vielversprechend. Das Wiener Institute of Building Research & Innovation (IBR&I) hat die technische Plausibilität des Konzepts bereits bestätigt. Zudem verfügt das Unternehmen nach eigenen Angaben über ein entsprechendes Patent.

Großes Potential

Noch befindet sich die Entwicklung allerdings in einem frühen Stadium. Nach Angaben des Technikportals Basic Thinking besitzt der aktuelle Prototyp noch etwa die Größe eines Kastens. Die spätere Serienversion soll jedoch um 30 bis 40 Prozent kompakter ausfallen. Erst im März präsentierte das Start-up die neueste Generation der Anlage bei der Eröffnung seines neuen Standorts im Technologiezentrum Seestadt Wien.

Finanziell konnte so.cool zuletzt ebenfalls Fortschritte vermelden. In einer ersten Finanzierungsrunde sammelte das Unternehmen 400.000 Euro ein, weitere Förderungen kommen hinzu. Seit Anfang April läuft zudem eine neue Fundraising-Kampagne, um die Produktion voranzutreiben.

Zunächst richtet sich das Angebot vor allem an Gewerbekunden. Pilotprojekte laufen bereits mit der Stadt Wien, der Rewe Group in Köln, Energie Steiermark sowie zwei Gemeinden in Luxemburg. Vorbesteller können das Gerät derzeit für rund 3.000 Euro reservieren. Der reguläre Verkaufspreis soll später zwischen 3.800 und 3.900 Euro liegen.

Bis Ende 2026 plant so.cool den Verkauf von rund 2.000 Geräten. Die ersten Auslieferungen sollen im kommenden Jahr beginnen. Ob sich die ungewöhnliche Technik tatsächlich als Alternative zu klassischen Klimaanlagen durchsetzen kann, wird sich allerdings erst im Praxiseinsatz zeigen. Fest steht: Der Bedarf an innovativen Kühllösungen dürfte angesichts immer häufiger auftretender Hitzewellen weiter steigen.