"Hätte, hätte Fahrradkette"

Womit Rangnick nach dem WM-Aus haderte

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Spanien hat Österreichs Fußball-Nationalteam im WM-Sechzehntelfinale schonungslos die Grenzen aufgezeigt.
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ÖFB-Teamchef Ralf Rangnick haderte nach dem Aus durch ein 0:3 gegen den Europameister auch damit, schon so früh in der K.o.-Phase auf ein derartiges Kaliber getroffen zu sein. "Dass wir einige Hindernisse überwinden mussten, ist klar", sagte Rangnick nach Österreichs erster WM-Teilnahme seit 1998. "Insgesamt hat die Mannschaft wieder gezeigt, wie sehr sie zusammenhält."

Es seien im Verlauf einige Dinge passiert, die die Aufgabe für sein Team nicht gerade erleichtert hätten. Rangnick erwähnte die schwere Oberschenkelverletzung von Spielmacher Christoph Baumgartner kurz vor Turnierbeginn, den Ausfall von Außenverteidiger Phillipp Mwene am Tag vor dem Spanien-Spiel und einen Kieferbruch von Stefan Posch, der diesen zu Auftritten mit einem Spezialschutz zwang. "Man muss aber auch anerkennen, dass wir auf einen Gegner getroffen sind, der eine Klasse für sich selbst ist."

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Spanien sei in Ballbesitz "ein fehlerfreies Uhrwerk", lobte Rangnick. "Da auf 'unforced errors' (unerzwungene Fehler) zu hoffen, um es in der Tennissprache zu sagen, macht keinen Sinn. Die machen sie nicht." Die Iberer hätten gegen Österreich ihre "mit Abstand beste Leistung in diesem Turnier" gezeigt, meinte Rangnick. "Es würde mich nicht wundern, wenn das nicht nur der amtierende Europameister, sondern auch der kommende Weltmeister ist. Wenn sie so spielen, egal gegen wen, muss erst einmal jemand gegen die Spanier gewinnen."

"Hätte, hätte, Fahrradkette"

Vor allem Spaniens Mittelfeld-Stabilisator Rodri begeisterte den ÖFB-Teamchef. "Das war schon außergewöhnlich. So eine Leistung von einem Spieler auf so einer Position habe ich live so noch nie erlebt." Zum Spieler des Spiels wurde dennoch Lamine Yamal gewählt. "Ich finde trotzdem, dass wir ihn ganz gut verteidigt haben", sagte Rangnick über den Jungstar. Das sei Konrad Laimer mit Unterstützung seiner Nebenleute über weite Strecken gelungen. "Wir haben ihn immer wieder ganz gut stoppen können, aber natürlich geht es nicht über 90 Minuten."

Man hätte die Spanier immer wieder gefordert und sei mutig gewesen. Verbesserungsmöglichkeiten sah Rangnick nach Balleroberung im Spiel nach vorne. Spaniens Gegenpressing sei aber auch "auf einem sehr hohen Niveau" gewesen. "Wenn wir im Sechzehntelfinale auf einen Gegner getroffen wären, der sich in unserer Range befunden hätte, hätten wir auch noch zwei Runden weiterkommen können", meinte der 68-Jährige. "Aber das ist alles hätte, hätte, Fahrradkette."

Um den Weltranglisten-Dritten in der ersten K.o.-Runde zu vermeiden, hätten die Österreicher Gruppensieger werden müssen. Gegen Weltmeister Argentinien setzte es allerdings ein 0:2, Platz drei hätte bei einer Niederlage zum Abschluss der Gruppenphase danach nicht mehr gereicht.

"Emotionales" Turnier

Rangnick fasste Österreichs WM nicht zuletzt wegen des dramatischen Aufstiegs gegen Algerien (3:3) mit einem Wort als "emotional" zusammen. Ob er im Nachhinein irgendetwas anders machen würde? Baumgartner im Test gegen Tunesien nicht in den Kader zu nominieren, antwortete der Deutsche. "Ich hätte ihm lieber nochmal einen Tag freigegeben, aber um das vorauszusehen, müsste man Hellseher sein." Baumgartner hatte sich beim Aufwärmen für die WM-Generalprobe verletzt und fällt noch monatelang aus.

"Ansonsten wüsste ich nicht, was wir großartig hätten anders machen können", sagte Rangnick. Die Auswahl des Teamquartiers an der US-Westküste sei "absolut richtig" gewesen - sowohl die Trainingsbedingungen als auch die klimatischen Verhältnisse betreffend.

Austria's German head coach Ralf Rangnick gestures on the touchline during the 2026 World Cup round of 32 football match between Spain and Austria at the Los Angeles Stadium in Inglewood on July 2, 2026. (Photo by Patrick T. Fallon / AFP) © APA/AFP/PATRICK T. FALLON

Seinen Vertrag hat Rangnick zu Turnierstart für die nächste EM-Quali-Kampagne verlängert. "Das Ziel muss lauten, dass Österreich jetzt regelmäßig an Europa- und Weltmeisterschaften teilnimmt. Das war in der Vergangenheit nicht der Fall." Das gelte laut Rangnick für die EM 2028 in Großbritannien und Irland ebenso wie für die nächste WM, die in vier Jahren primär in Spanien, Portugal und Marokko stattfindet. "Und klar, wir wollen auch in der Nations League versuchen, wieder in die A-Gruppe aufzusteigen."

Kein großer Umbruch geplant

In dieser finden im September die nächsten Länderspiele statt. Es werden die ersten ohne Rekordteamspieler Marko Arnautovic. Es wäre "nicht verkehrt", wenn es im Sturm Verjüngungsoptionen geben würde, sagte Rangnick. "Ich sehe sie nur im Moment nicht." Wenn in den nächsten zwei Jahren kein Spieler mit österreichischen Vorfahren auftauche, den man bisher nicht kenne, seien Sasa Kalajdzic, der hoffentlich gesund bleibe, und Michael Gregoritsch die Stürmer, über die man auf der Zentralposition verfüge.

Das Durchschnittsalter des WM-Kaders war mit mehr als 28 Jahren verhältnismäßig hoch. "Ob wir einen Umbruch brauchen, weiß ich nicht", sagte Rangnick. "Es gibt gewisse Spieler, die im allerbesten Alter sind." Bei der EM 2028 sind aber selbst Laimer, Kalajdzic oder Xaver Schlager bereits über 30 Jahre alt. ÖFB-Kapitän David Alaba würde beim Turnier 36 werden.

"Ob außer Marko noch irgendjemand womöglich nicht mehr zur Verfügung steht, weiß ich nicht", sagte Rangnick über seine Kaderoptionen. Der Teamchef musste ohnehin bereits den Abschied seines langjährigen Assistenten und engen Vertrauten Lars Kornetka verkraften, der als Chefcoach voll zum deutschen Zweitligisten Eintracht Braunschweig wechselt. Rangnick: "Da müssen wir natürlich auch schauen, wie wir das am besten kompensieren."