Das spektakuläre Ausstellungsstück blickt auf eine bemerkenswerte Geschichte zurück. Am 30. August 2024 entdeckten Zeugen den leblosen Körper des riesigen Meeressäugers im Hafen von Muggia, rund zehn Kilometer südlich der Hafenstadt Triest im Golf von Triest. Um den Kadaver für die Wissenschaft und die Nachwelt zu erhalten, leiteten die Experten des renommierten WWF-Meeresschutzgebiets Miramare eine unkonventionelle Bergungsaktion ein.
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Der tote Körper wurde geborgen und in etwa 20 Metern Tiefe vor der Küste gezielt versenkt. Ein ganzes Jahr lang verblieb das Tier auf dem Grund des Meeres, wo das organische Gewebe auf völlig natürliche Weise durch Meeresorganismen abgebaut wurde. Nach Abschluss dieses Zersetzungsprozesses konnte das unversehrte Knochengerüst gehoben werden.
Aufwendige Präparation an der Universität Padua
Im Anschluss an die Hebung übernahmen Spezialisten der italienischen Universität Padua die wissenschaftliche Aufbereitung:
- Sämtliche Knochen wurden in den Universitätslaboren akribisch von Sedimentresten gereinigt.
- Fachleute restaurierten das empfindliche Skelett und härteten die Knochensubstanz für die Konservierung.
- Die Experten setzten die Einzelteile millimetergenau zu einem tragfähigen Ausstellungsobjekt zusammen.
Seit dieser Woche bildet das rekonstruierte Skelett das Prunkstück der Sonderausstellung "Profondo Presente". Die Schau ist als erste temporäre Ausstellung des Nationalen Museums für Unterwasserarchäologie in Grado konzipiert und wird für die Dauer von genau einem Jahr zu sehen sein. Realisiert wurde das Vorhaben in enger Kooperation zwischen dem WWF-Meeresschutzgebiet Miramare sowie mehreren regionalen Museen in Friaul-Julisch Venetien.
Bedrohte Giganten: Nur wenige Exemplare im Mittelmeer
Für die Meeresbiologie liefert der Fund, den Forscher auf den Namen "Boralena" tauften, unverzichtbare Erkenntnisse über den Lebensraum Adria:
- Wissenschaftliche Untersuchungen an gestrandeten Tieren geben wichtige Aufschlüsse über Todesursachen und Umweltbelastungen.
- Der Bestand an Finnwalen im gesamten Mittelmeer ist stark gefährdet und wird aktuell auf lediglich 1.200 bis 1.400 Individuen geschätzt.
- Bei dem Exemplar in Grado handelte es sich um ein junges Tier, da ausgewachsene Finnwale eine Länge von bis zu 24 Metern erreichen können.
- Auf der südlichen Welthalbkugel dokumentieren Meeresforscher sogar Exemplare mit einer Gesamtlänge von bis zu 27 Metern.
Biologisch gelten Finnwale nach dem Blauwal als die zweitgrößten Lebewesen der Erde. Zur Nahrungsaufnahme nutzen die sanften Riesen ihre Barten, mit denen sie gigantische Mengen Meerwasser filtern, um Plankton und Kleinstorganismen herauszuseihen.
Interaktive Schau und Jubiläum des Meeresschutzes
Die Sonderausstellung beschränkt sich keineswegs auf die bloße Präsentation von Knochen. Das Museum hat das Ausstellungskonzept mit modernen museumspädagogischen Elementen angereichert: Mehrsprachige Informationstafeln, ein digitaler interaktiver Tisch sowie eine spezielle dreidimensionale Nachbildung des Wals, die von Besuchern ertastet werden kann, vermitteln Wissen auf anschauliche Weise. Zudem setzt sich am Eingang eine zeitgenössische Kunstinstallation der Künstlerin Elisabetta Milan mit dem Spannungsfeld zwischen Mensch und Ozean auseinander.
Bei der feierlichen Eröffnung am Montag hob Grados Bürgermeister Giuseppe Corbatto die Dringlichkeit von Umweltschutzmaßnahmen hervor. Die empfindliche Lagune, spürbar steigende Wassertemperaturen und fortschreitende Küstenerosion verlangen konsequentes Handeln. Für das Schutzgebiet Miramare markiert die Ausstellung zugleich den Auftakt zu einem bedeutenden Meilenstein: Im Jahr 2026 begeht die Naturschutzinstitution ihr 40-jähriges Bestehen.