Am 15. Juli 2026 gelang Göttling im Only One Apnea Center in Sharm El Sheikh sein zweiter Weltrekord innerhalb weniger Tage. In der Disziplin Free Immersion (FIM) erreichte der Österreicher 103 Meter Tiefe – ohne Flossen und mit nur einem Atemzug.
Für den Abstieg und den anschließenden Aufstieg benötigte er insgesamt 3 Minuten und 15 Sekunden. Die Leistung gelang ihm in der Altersklasse M1 für Taucher zwischen 50 und 59 Jahren.
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Schon zwei Tage zuvor der erste Rekord
Bereits am 13. Juli hatte Göttling in Sharm El Sheikh einen weiteren Weltrekord aufgestellt. In der Disziplin Constant Weight No Fins (CNF) tauchte er 73 Meter tief – ebenfalls ohne Flossen. Beide Leistungen sind zugleich österreichische Nationalrekorde in der allgemeinen Klasse.
"Ich habe gar nicht so große Sprünge gemacht. Jedes Jahr halt ein bisschen mehr", beschreibt Göttling seinen Weg zu den außergewöhnlichen Tiefen.
Aus Angst wurde seine große Leidenschaft
Dabei begann seine Karriere nicht mit dem Traum von Weltrekorden. Seine Begeisterung für das Freitauchen entwickelte sich laut eigener Aussage zunächst aus einer "gewissen Urangst vor tiefen und dunklen Gewässern".
Aus der Angst wurde Neugier. Göttling wollte herausfinden, was sich unter der Wasseroberfläche verbirgt. Zunächst tauchte er mit Gerät, doch die umfangreiche Ausrüstung empfand er als Einschränkung.
"Erst durch das Freitauchen bekam ich das Gefühl, die Unterwasserwelt richtig zu fühlen", erzählt der Weißbriacher.
Drei Minuten ohne Ablenkung
Bei einem Weltrekordversuch bleibt für Nebengedanken keine Zeit. "Bei einem Weltrekordversuch bzw. generell bei einem Wettkampf oder auch im Training bin ich voll auf den Tauchgang konzentriert", erklärt Göttling. Tiefe, Kraftaufwand und Körperposition müssen ständig kontrolliert werden. Dazu kommt der Druckausgleich während des Abstiegs. "Das verlangt vollen Fokus und erlaubt keine anderen, ablenkenden Gedanken."
110 Meter sind sein persönlicher Rekord
Hinter den wenigen Minuten unter Wasser steckt intensive Vorbereitung. Göttling trainiert nach eigenen Angaben fast täglich. Kraft und Ausdauer gehören ebenso dazu wie die Anpassung des Körpers an den zunehmenden Druck.
Sein persönlicher Bestwert liegt derzeit sogar bei 110 Metern. In dieser Tiefe wirkt ein Druck von rund zwölf bar auf den Körper.
Das Bundesheer brachte ihn zum Tauchen
Zum Tauchen kam Göttling über das Österreichische Bundesheer. Dort absolvierte er die Heerestauchausbildung und arbeitete mehrere Jahre als Heerestaucher.
International startet er für den Heeressportverein. "Dem Bundesheer habe ich meinen Weg als Freitaucher zu verdanken", sagt er.
Neben der Tauchausbildung habe ihm diese Zeit vor allem auch Disziplin vermittelt – eine Eigenschaft, die für seine heutigen Rekordtauchgänge entscheidend ist.
Training in Österreich – ohne Meer
Für seine Vorbereitung muss Göttling allerdings nicht ständig ans Meer reisen. Einen großen Teil seines Trainings absolviert er in einem nur rund 20 Meter tiefen See bei Wien.
Das ist besonders bemerkenswert, weil Österreich keinen Zugang zum Meer hat. Gleichzeitig geht Göttling seinem Beruf in Vollzeit nach und muss sein intensives Training in den Alltag integrieren.
Für die ganz großen Tiefen geht es dann allerdings doch regelmäßig ins Ausland.
Seine Heimat bleibt Weißbriach
So außergewöhnlich seine sportliche Karriere inzwischen ist, seine Verbindung zu Kärnten ist geblieben.
"Weißbriach und das Gitschtal wird immer meine Heimat bleiben. Dort bin ich aufgewachsen", sagt Göttling.
Die Landschaft und die Menschen dort hätten ihn stark geprägt. "Die Natur, die ständige Bewegung, die Berge und vor allem die Einstellung der Menschen in Weißbriach wirken sich sehr positiv auf die Entwicklung von uns Jugendlichen aus." Für ihn sei das Aufwachsen im Gitschtal deshalb "ein echtes Privileg".
Von Kärnten in die Karibik
Auch wenn Training und Wettkämpfe ihn inzwischen rund um die Welt führen, kehrt Göttling regelmäßig nach Hause zurück. "So oft es mir möglich ist, komme ich nach Hause, um meine Familie und Freunde zu besuchen", erzählt er.
Nach seinen beiden Weltrekorden in Ägypten wartet bereits die nächste Herausforderung: Der Freitaucher ist derzeit bei der Freitauch-Weltmeisterschaft auf Roatán in der Karibik im Einsatz.
73 Meter, 103 Meter und sogar 110 Meter persönlicher Bestwert: Für den Weißbriacher geht die Reise in die Tiefe weiter – mit dem Gitschtal weiterhin fest im Herzen.