Neongrelle Straßen, andächtige Tempel, dampfende Küchen und atemberaubende Ausblicke in schwindelerregender Höhe – Tokio ist eine Stadt voller Gegensätze, die oft nur wenige Schritte voneinander entfernt liegen. Wer sich ihrem bunten Treiben hingibt, wird hinter jeder Ecke eine neue Überraschung erleben.
Ankommen im Großstadtfieber
Als wir im Sunroute Plaza in Shinjuku eincheckten, mussten wir noch gut zwei Stunden warten, bis das Zimmer bezugsfertig war. Also spazierten wir los Richtung Yoyogi Park, dem Picknick-Park. Kurz darauf durchschritten wir schon das Kitasando Tor im Norden des Parks und über unseren Köpfen verzweigten sich die Kronen majestätischer Bäume. Die Idylle inmitten der Millionenmetropole entschädigte mit einem Mal die lange Anreise ohne Schlaf. Nachdem wir den Meiji-Schrein aus nächster Nähe gesehen hatten, machten wir wieder kehrt, um völlig erschöpft ins Hotelbett zu fallen.
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Ramen statt Schlaf
Allerdings blieb nur wenig Zeit zum Durchschnaufen, zu sehr knurrten schon unsere Mägen. Zum Glück gibt es in Tokio an gefühlt jeder Ecke kulinarische Köstlichkeiten zu entdecken und so war die gute Laune trotz Müdigkeit schnell wiederhergestellt. Staunend drängten wir uns zwischen unzähligen Hochhäusern durch Massen von Menschen. Langsam brach der Abend heran und überall poppten bunte Leuchtreklamen auf, womit die Reizüberflutung perfekt war. Wir fanden uns im Cyberpunk Hideout "Neo Atsushi" ein, wo es zu japanischen Bieren fein gewürzte Shoyu Ramen gab. Das Lokal war nicht stark besucht, aber voll genug, um einen ersten Eindruck vom Tokioer Nachtleben zu bekommen, ehe wir gegen 20.30 Uhr den Heimweg antraten. Dabei besuchten wir noch die eine oder andere Gaming-Halle in Shinjuku.
Zwischen Sake und Spielhallen
Nach einem komatösen, 14-stündigen Schlaf fielen wir Freitagnachmittag im koreanischen Viertel Shin-Okubo ein. Dort aßen wir grandiose Maki-Rollen und beobachteten zwei Damen, die einen lebendig kleingehackten Oktopus serviert bekamen – nichts für schwache Nerven! Bei einbrechender Dunkelheit besuchten wir die Vergnügungsmeile Kabukicho, wo wir erneut Stunden in Gaming-Hallen zubrachten. Anschließend marschierten wir zur Golden Gai, deren doppelstöckige Bars ein wahrer Touristenmagnet sind. Einige Gläser Sake später hielten wir am Weg zur Unterkunft – auf der Suche nach Late-Night-Snacks – bei Seven Eleven.
Über den Dächern der Megacity
Der Tag darauf stand ganz im Zeichen des südwestlich gelegenen Nachbarbezirks, wo täglich bis zu zwei Millionen Menschen die weltberühmte Shibuya Crossing queren. Mittags schnabulierten wir glutenfreie Ramen im Shinbu Sakiya, bevor wir mit vollen Bäuchen Shibuya Sky erklommen. In 230 Metern Höhe kamen wir beim Rundumblick über Tokio mit seinen Tausenden Wolkenkratzern aus dem Staunen kaum heraus. Danach stürzten wir uns in die übervolle Takeshita Street, wo sich bunte Candy-Shops an Streichelcafés mit Ferkeln, Puppies und Meerschweinchen reihen, bevor wir vorm Yoyogi-Park wieder ausgespuckt wurden. Von dort aus schlenderten wir zurück zum Hotel, um uns nur wenige Stunden später erneut nach Shibuya zu begeben, das in den Abendstunden ebenso beeindruckend ist wie bei Tag. Und wir probierten zum ersten Mal im Leben Okonomiyaki – eine deftige Mischung aus Pizza und Kartoffelpuffer.
Katzen, Matcha und Geheimtipps.
Sonntags brachen wir in aller Früh auf, um die Präfekturen Setagaya und Meguro zu inspizieren. Unser erster Stopp war Shimokitazawa mit seinen unzähligen Secondhandläden, wo wir den bis dato besten Matcha der Stadt tranken. Von dort aus nahmen wir die Straßenbahn zum Gotokuji-Tempel. Die Zahl der dort aufgestellten winkenden Katzengott-Figuren ist nur schwer zu erraten – es sind aber wirklich, wirklich viele! Der nächste Halt war Sangenjaya, ein flaches Wohnviertel, das optisch ein wenig an Richmond in London erinnert. Besonders hervor stachen die gemütlichen Bars und Geschäfte, eine riesige King-Kong-Statue über einem Supermarkt und ein Straßentheater, das die Augen der Kinder rundum zum Leuchten brachte. Schließlich ging es kurz vor Einbruch der Dunkelheit an den Meguro River und bei einsetzendem Regen ging es mit aufgespanntem Schirm hinauf ins beliebte Einkaufs- und Kulturviertel Yebisu Garden Place.
Kunst zum Eintauchen
Nach dem ausgiebigen Sightseeing der vorangegangenen Tage stand am Montag TeamLab Planets auf dem Plan. Im immersiven Museum erlebten wir Kunst zum Anfassen, indem wir vier Stunden lang durch Wasserspiele und interaktive Lichtinstallationen geführt wurden, die unsere Sinne regelrecht verzauberten.
Sushi, Fischmarkt und großes Theater
Unsere Sightseeing-Tour führte weiter nach Ginza, wo wir im Kabukiza-Theater gerade so zwei Karten für die letzte Abendvorstellung des Monats ergatterten. Überglücklich gönnten wir uns im nahegelegenen Fischmarkt Meeresfrüchte und feinstes Sushi zu Spottpreisen – ein absolutes Muss für jeden, der gutes Essen liebt. Nur zwei Stunden später startete auch schon die unvergessliche Bühneninszenierung, von der wir noch Wochen später ins Schwärmen geraten sollten.
Tags darauf folgte das Kontrastprogramm – wir fielen in Disneyland ein, das aufgrund sintflutartigen Regens nur spärlich besucht war. Zu unserem Glück konnten wir dadurch zahlreiche Rides und auch die Disney-Parade mit Mickey, Donald, Moana und Co. im großen Stil erleben – 15 Stunden Disneyfieber pur. Ein völlig konträres Stadtbild bot im Anschluss Akihabara, das Mekka für alle Gaming- und Manga-Fans. Den krönenden Tagesabschluss bildete aber der 634 Meter hohe Fernsehturm Tokyo Skytree, von wo aus wir in schwindelerregender Höhe die Inselmetropole bei Nacht beäugen durften. Völlig konträr zu allen anderen Stadtvierteln, wie wir bisher gesehen haben, präsentiert sich Ningyocho. Die liebevoll gestalteten Läden und Cafés ließen unsere Herzen höherschlagen und wir verbrachten den Nachmittag damit, durch die Gässchen zu streifen.
Tempel, Tradition und Abschied
Schon bald müssen wir uns aus der Megacity Tokio verabschieden. Unser Weg führt uns noch nach Sumida ins Hokusai-Museum, ehe wir den beeindruckenden Asakusa-Senso-ji-Tempel erspähen. Auf der beinahe angrenzenden Kappabashi Shopping Street durchstreiften wir allerhand Ramschläden, deren Schätzen wir nur mit großer Mühe widerstehen konnten. Und weil wir noch etwas Zeit übrig hatten, fuhren wir mit dem Bus nach Yanaka Ginza mit seiner 170 Meter langen Open-Air-Einkaufsstraße, die im rosaroten Sonnenuntergang ihren ganzen Charme spielen ließ.
Voll großartiger Erinnerungen nahmen wir dann die U-Bahn zum Flughafen Narita, von wo aus wir ein bisschen wehmütig wieder die lange Heimreise über den Nordpol nach Wien antreten mussten.