Breitenecker-Kritik
Verstoß gegen Menschenwürde! ATV-Show „Geschäft mit der Liebe“ jetzt Fall fürs Gericht
22.05.2026Nach einer Verurteilung durch die Medienbehörde wegen schwerer Gesetzesverstöße bringt ATV das eingestellte Format „Das Geschäft mit der Liebe“ nun vor das Bundesverwaltungsgericht. Brisant: In der Kritik steht auch ORF-Generaldirektoren-Kandidat Markus Breitenecker.
Am heutigen Dienstag fand in Wien die Verhandlung vor dem Bundesverwaltungsgericht (BVwG) statt, ein Urteil wird erst im Herbst 2026 erwartet. Die Medienbehörde KommAustria wirft dem Sender „Missachtungen der Menschenwürde“ sowie „Aufstachelungen zur Gewalt gegen Frauen aufgrund des Geschlechts“ in einer Episode vor.
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Zudem gab es auf der Streamingplattform Joyn Verstöße gegen den Jugendschutz. ATV legte gegen die Entscheidung Beschwerde ein, wie der „Standard“ berichtet.
Versagen der internen Kontrollen
Konkret geht es um die Folge „Wodka-Exzesse“, bei der österreichische Männer alkoholisiert in Thailand gefilmt wurden. Auch Medienminister Andreas Babler (SPÖ) kritisierte, dass sexuelle Übergriffe verherrlicht würden. ATV-Programmgeschäftsführer Thomas Gruber gab vor Gericht zu, dass Fehler passiert seien und die internen Kontrollmechanismen versagt hätten. Nach Protesten wurde die Episode von Joyn entfernt.
Die umstrittene Toiletten-Szene
In der kritisierten Szene in Pattaya zog ein Protagonist eine Frau trotz Gegenwehr in eine Toilette. Die KommAustria hielt fest: „In der Sendung zog ein Protagonist seine 'Begleiterin' trotz deren offensichtlicher Gegenwehr in eine Toilette und deutete sexuelle Handlungen an. Er forderte die offenbar schwer alkoholisierte Frau auf, ihn oral zu befriedigen. Später warf er sich die schreiende Frau über eine Schulter und schleppte sie davon, offenkundig mit dem Ziel, ohne ihre Einwilligung geschlechtliche Handlungen vorzunehmen".
Produzent Andreas Mannsberger (Mabon Film) betonte die Freiwilligkeit der unbezahlten Frauen: „Man kennt das Format“, sagte er. Bei der Einordnung im Off-Text gab er Fehler zu: „Das sind bei der Einordnung im Off-Text sicher Fehler passiert.“ Auch kontextlose Social-Media-Werbung bereue er: „Das hat den verständlichen Aufschrei verursacht.“
Signalwirkung für Österreichs TV-Landschaft
Laut ATV sollten respektlose Männer eigentlich als „Loser“ dargestellt werden, was in dieser Folge jedoch fehlte. Nach der Einstellung des Formats im Herbst 2025 schließt ProSiebenSat.1Puls4-Unterhaltungschef Oliver Svec einen künftigen Relaunch nicht aus. Der Dreiersenat unter Richter Christopher Mersch prüft nun das Rohmaterial. Da kaum Judikatur zur Menschenwürde im TV existiert, könnte das Urteil richtungsweisend sein. Mersch verwies als Vergleich auf das deutsche Verbot vom „Zwergenweitwurf“, der trotz Freiwilligkeit die Würde verletzte.
ORF-Stiftungsräte ätzen gegen „Geschäft mit der Liebe“-Mastermind Breitenecker
Besonders brisant: Mastermind hinter „Geschäft mit der Liebe“ war einst der jetzige ORF-Generaldirektoren-Kandidat Markus Breitenecker. Breitenecker hatte „Geschäft mit der Liebe“ in seiner Zeit als Puls4ATV-Chef als „Quotenbringer“ ins Programm gehoben. Ein Umstand, der nun gleich bei mehreren roten und schwarzen Stiftungsräten für Nasenrümpfen sorgt. „Das ist doch absurd: In seinem ORF-Bewerbungsvideo spricht er von Qualität und Information. In Wahrheit hat er bei Puls4 und ATV jahrelang das genaue Gegenteil gemacht und ein Trash-Format nach dem anderen gemacht“, ätzt ein Stiftungsrat.