Fusion: HV im Sommer
RI bekommt Banklizenz, RZB Börsezugang
Die Giebelkreuzler haben nach massiven Kursverlusten der Ostholding Raiffeisen International (RI) öffentlich Stellung bezogen: Der Sinn der beabsichtigten Fusion von RI mit der Raiffeisen Zentralbank (RZB): Die RI würde eine Banklizenz bekommen, die sie bisher nicht hatte, sagte RZB-Chef Walter Rothensteiner bei einer Pressekonferenz mit RI-Chef Herbert Stepic. Die alte RZB bekomme in neuer Form Börsezugang. Lapidarer Kommentar: "Vielleicht heißt sie dann Raiffeisen Bank International".
Derzeit werden Machbarkeitsstudien erstellt. Bis Ende März, Anfang April soll klar sein, dass es so klappt. Die entsprechenden Hauptversammlungen sollen im Juli und August statt finden. Weil sich alles innerhalb der Konzernbilanz abspielt, werden sich auch die Eigenkapitalquoten nicht ändern. Auch "Einsparungen sind nicht die primäre Motivation", so Stepic.
Kein akuter Kapitalbedarf, kein "sonstiges Problem"
Ein akuter Kapitalbedarf wird als Hintergrund für die Fusionsbestrebungen bestritten. Zurückgewiesen haben die Raiffeisen-Bankenchefs heute auch, dass die RZB zum Totalverkauf der RI gezwungen wäre, sollte die Fusion nicht kommen. Es könne "keine Rede davon sein, dass es uns nicht mehr gibt oder dass wir verkaufen müssen, wenn es nicht zur Fusion kommt", so Rothensteiner. "Wir haben weder ein Kapitalproblem noch ein sonstiges Problem."
Welche Alternativen es gibt, was die "zweitbeste Lösung" wäre, wurde nicht erläutert. "Es ist nicht so, dass beide Häuser ein wirkliches Problem haben, wenn sich in den nächsten 2 Monaten herausstellt, dass es nicht geht", sagte Rothensteiner. "Überhaupt keine Diskussion davon, dass dann die Welt zusammenbricht." Man werde dann möglicherweise wieder 5 % Börsekurs verlieren.
"Interne Memos? Bitte nicht so ernst nehmen..."
Kolportierte interne Memos, in denen steht, dass es de facto keine Alternativen geben soll zum Zusammenschluss, wollte Rothensteiner heute nicht weiter kommentieren. "Das ist eine Arbeitsunterlage. Das bitte nicht so ernst zu nehmen." Da stehe nicht darin, was komme und was nicht. Es sei mit keinem Satz gesagt, die Fusion sei die einzig mögliche Lösung.
Zum künftigen Streubesitz wurden mit Blick auf die noch nicht fertigen Bewertungen für die Zusammenführung keine Angaben gemacht. "Die Kleinaktionäre werden einen sehr ordentlichen Anteil haben", versicherte Rothensteiner. Zusätzlich zu den Prüfern von BDO und Deloitte werde ein unabhängig zu bestellender Wirtschaftsprüfer das ermittelte Austauschverhältnis bewerten.
Rothensteiner und Stepic wollen, dass die Sektorbanken auch künftig die Mehrheit halten. Je länger die Raiffeisen-Bankengruppe strategischer Mehrheitsführer der neuen Bank sei, umso besser fürs Geschäft und die Marke, meint Stepic, der von einem Wettbewerbsvorteil für starke Marken sprach.
Im Firmenbuch eingetragen haben will Raiffeisen die neue Fusionsbank bis spätestens 30. September, die Verschmelzung - die sich ja nur innerhalb der Konzernbilanz abspielt - soll dann rückwirkend per 1. Jänner 2010 erfolgen.
"Structure follows strategy", sagte Rothensteiner auf Fragen, wie sich die neue Bankenspitze darstellen wird. Nur soviel: "Es werden Ihnen die bisher bekannten Gesichter erhalten bleiben." Das vom Staat an die RZB gegebene Partizipationskapital bleibt in der fusionierten Bank. Es soll aus jetziger Sicht nicht vorzeitig zurückgezahlt werden. Rothensteiner. "Wir haben immer gesagt, das ist ein Schutzschild gegen das, was noch kommen wird."
Neuerlich wurden die RZB-Manager heute gefragt, ob sie die am Markt befindliche Volksbank AG (ÖVAG) übernehmen werden. "Das ist kein Focus für uns", erklärte Rothensteiner. "Dass wir beide Genossenschaften sind, ist das einzige, was uns verbindet."