Flugbranche

Ryanair setzt Regierung Frist im Steuerstreit

21.04.2026

Sollte die Regierung an der Luftverkehrssteuer festhalten, könnte Ryanair seine Wachstumspläne für Österreich auf Eis legen, und Österreich weiter an Wettbewerbsfähigkeit verlieren wird.

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Der Konflikt zwischen der irischen Billigfluglinie Ryanair und der österreichischen Bundesregierung spitzt sich zu: Europas größter Billigflieger fordert die vollständige Abschaffung der Luftverkehrssteuer – und setzt dafür eine klare Deadline. "Bis zum 1. Mai müsse die Abgabe von derzeit 12 Euro pro Passagier gestrichen werden", so Ryanair-Chef Michael O'Leary, ""andernfalls werden wir uns in Österreich weiter zurückziehen, die Anzahl der Strecken reduzieren und damit wird das Passagieraufkommen auf den österreichischen Flughäfen weiter sinken. Österreich schlittert damit in eine veritable Luftfahrtkrise", prophezeit der Airliner.

 

Adressiert ist die Forderung direkt an Bundeskanzler Christian Stocker sowie Verkehrsminister Peter Handke. Hintergrund ist das anstehende Doppelbudget, dessen Präsentation für den 10. Juni geplant ist. Eine bloße Reduktion der Steuer auf acht oder neun Euro komme für die Airline nicht infrage. "Österreich ist völlig wettbewerbsunfähig geworden und verliert Flugzeuge, Strecken und Passagieraufkommen an kostengünstigere Alternativen wie die Slowakei und italienische Regionen. Selbst Schweden hat inzwischen seine Luftverkehrssteuer abgeschafft", erklärt O'Leary im Rahmen einer Pressekonferenz in Wien.

Investitionen an klare Bedingungen geknüpft

Ryanair macht deutlich, dass weitreichende geplante Investitionen in den Standort Wien vom Ausgang des Steuerstreits abhängen. Konkret stellt das Unternehmen einen Plan über rund eine Milliarde US-Dollar in Aussicht, der die Stationierung von zehn zusätzlichen Flugzeugen in Wien vorsieht.

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Damit verbunden wären laut Airline ehrgeizige Wachstumsziele: bis zu zwölf Millionen Passagiere jährlich, 40 neue Routen sowie rund 300 zusätzliche Arbeitsplätze. Ohne Steuerabschaffung sei dieses Szenario jedoch vom Tisch. Lauda Motion-Manager Andreas Gruber kritisiert, die Regierung prüfe die Abgabe lediglich, anstatt sie – wie in anderen europäischen Ländern – konsequent zu streichen.

Wien unter Druck, Bratislava im Aufwind

Während in Österreich die Diskussion über Standortkosten anhält, verweist Ryanair auf deutliche Unterschiede in der regionalen Entwicklung. Der Flughafen Wien erwartet laut Prognosen einen Rückgang der Passagierzahlen um rund zehn Prozent. Im Gegensatz dazu boomt der nahegelegene Flughafen Bratislava: Ryanair-Chef Michael O'Leary spricht von einem Wachstum von 160 Prozent alleine im Monat März.

Airline setzt auf Expansion – auch in Österreich

Insgesamt wächst Ryanair weiter: Nach 207 Millionen Passagieren im Jahr 2024 transportierte das Unternehmen 2025 bereits 208 Millionen Fluggäste. In Österreich betreibt die Airline aktuell 83 Routen mit 14 stationierten Flugzeugen und zählte 2025 rund sechs Millionen Passagiere. Durch den Abzug von vier Flugzeugen aus Wien, wird man 2026 diese Passagierzahlen nicht mehr erreichen und rechnet mit einem Minus von 10 Prozent.
Kerosinpreise und Sommerverkehr im Blick
Trotz geopolitischer Unsicherheiten sieht Ryanair keine akuten Risiken für den Flugbetrieb. Laut O’Leary sei die "Versorgung mit Kerosin gesichert – der Energiekonzerns OMV hat ausreichende Kapazitäten". Engpässe oder Flugausfälle im Sommer erwartet die Airline nicht. Beim Kerosinpreis rechnet O’Leary mit einem Höchststand von rund 140 US-Dollar/Barrel im Mai – abhängig von der weiteren Entwicklung im Nahen Osten und der Öffnung der Straße von Hormus.
   

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