Lieferengpass

Größte Airlinie Europas muss im Sommer Flüge streichen

Aufgrund des drohenden Lieferengpasses bei Kerosin rüstet sich nun auch schon die größte Fluglinie Europas für Flugkürzungen, und das ausgerechnet in der Urlaubshochsaison im Sommer.

Immer mehr Fluglinien leiden unter den Folgen des Iran-Kriegs und den damit verbundenen Kerosin-Lieferengpässen, solange die Straße von Hormuz weiter gesperrt ist. Besonders asiatische Airlines haben wegen der stark gestiegenen Kerosinpreise bereits ihre Ticketpreise teils stark erhöht. Mehrere chinesische Fluggesellschaften kündigten höhere Treibstoffzuschläge für Inlandsflüge ab Sonntag an. Taiwans Airlines hoben die Zuschläge für ab Dienstag an. In Nepal verdoppelte die staatliche Ölfirma die Kerosinpreise.

Doch langsam wächst auch in Europa die Anspannung aufgrund der anhaltenden Lage. Die AUA-Mutter Lufthansa ist laut Konzernchef Carsten Spohr weniger von den Preissteigerungen betroffen. Auch Ryanair-Chef Brian O„Leary kündigte noch vor wenigen Tagen an, dass man die Preise vorerst unverändert lassen werde und es keine Probleme gibt.

Doch die irische Billigfluglinie dürfte nun doch zunehmend in Bedrängnis geraten. RyanAir ist von der Zahl der Fluggäste die größte Fluglinie Europas und hat noch genug Reserven, allerdings weiß man selbst hier nicht mehr, wie lange das reicht. “Der Transport nach Europa ist noch ungewiss, und wir wissen nicht, wann und wie das geschehen wird„, so O“Leary.

Bis Mai abgesichert

Bis Mai seien die Flüge zwar noch gesichert, je nachdem wie sich der Konflikt im Nahen Osten entwickelt, könnten dann allerdings 25 Prozent der Lieferungen für Ryanair gefährdet sein. Ein Umstand, der selbst dem Iren Sorgenfalten auf die Stirn treibt.

O`Leary hat ein Auge auf Lufthansa geworfen
O`Leary hat ein Auge auf Lufthansa geworfen
© oe24

Denn ausgerechnet in der Urlaubs-Hochsaison könnte der Lieferengpass dann schlagend werden. „Sollte im Juni, Juli oder August ein Risiko für 10 oder 20 Prozent der Treibstoffversorgung bestehen, müssten wir und alle anderen Fluggesellschaften damit beginnen, Flugstreichungen oder Kapazitätsreduzierungen in Betracht zu ziehen“, meint der Ryanair-Boss weiter.

Er zeigte sich aber überzeugt, dass „die Preise ziemlich schnell wieder sinken“. Der 65-jährige Geschäftsmann sei „optimistisch“, dass Kraftstoffe im vierten Quartal des Jahres wieder billiger würden, „wahrscheinlich sogar früher“, sagte er der „Wirtschaftswoche“. Er könne sich nicht vorstellen, dass die USA und Israel den Iran-Krieg noch lange fortsetzen. Die US-Regierung gerate wegen der hohen Ölpreise „mit Blick auf die Zwischenwahlen im Herbst“ selbst unter Druck.

Lufthansa gegen höhere Kerosinpreise gewappnet

Die Lufthansa hat sich laut Spohr mit Hedging-Verträgen gegen höhere Kerosinpreise gewappnet. „Damit sind über 80 Prozent des Treibstoffbedarfs für dieses Jahr gegen Schwankungen im Ölpreis finanziell abgesichert“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen“. „In unserem Modell sichern wir Ölpreis-Schwankungen rollierend auf 24 Monate ab, für das kommende Jahr sind es bereits rund 40 Prozent.“

Analysten zufolge haben sich viele Airlines mit Hedging-Kontrakten abgesichert, dennoch könnten die hohen Preise die Margen der Unternehmen beeinträchtigen. Betroffen sind zudem Airlines weltweit. Der brasilianische Verband der Fluggesellschaften (ABEAR) warnte vor „schwerwiegenden Folgen“ der Preissteigerungen für die Airlines im Land, obwohl 80 Prozent des von ihnen verbrauchten Treibstoffs in Brasilien produziert werden. Die Preise folgten dem Weltmarkt, erklärte der Verband.

Kerosinknappheiten gibt es laut Lufthansa-Chef Spohr bisher nicht. Doch sollte der Krieg in Nahost und die Blockade der Straße von Hormuz anhalten, „kann das Thema kritisch werden“. Sollten Knappheiten auftreten, „zeigen sie sich voraussichtlich zuerst außerhalb Europas“, ergänzte Spohr. Die Lufthansa versuche, sich darauf vorzubereiten, doch „auf Langstrecken ist es nur sehr begrenzt möglich, auf dem Hinflug schon Treibstoff für den Rückflug mitzunehmen“.

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