Wegen eingeschränkter
Deutschland ändert Reihenfolge beim Impfen – zieht Österreich nach?
Die deutsche Bundesregierung will ihren Impfplan neu aufrollen. Ab 12:30 wird sich Kanzlerin Angela Merkel mit Ministern und Länderchefs auf einem groß angelegten Impfgipfel beraten, eine neue Verordnung soll noch diese Woche kommen. Der Grund für die rigorose Umwälzung: Der Oxford-Impfstoff von AstraZeneca wird wie erwartet in der EU zugelassen – er wird jedoch nicht für alle Bürger*innen geeignet sein.
Deutsche Experten sind sich einig
Denn die Ständige Impfkommission des deutschen Bundes (STIKO) hat empfohlen, den AstraZeneca-Impfstoff nur bei Menschen zwischen 18 und 64 Jahren anzuwenden, da es nicht ausreichend Studien über die Wirksamkeit bei Älteren gäbe. Diese Weisung wurde am Freitagabend vom renommierten Robert-Koch-Institut (RKI) publiziert. Deutschlands Experten richten sich damit gegen die Empfehlung der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA), die sich für eine Zulassung ohne Einschränkungen ausgesprochen hatte.
Impfplan: Neue Prioritäten
Deutschland wird sich aller Wahrscheinlichkeit nach den landeseigenen Fachleuten richten und das AstraZeneca-Vakzin nur jüngeren Erwachsenen verabreichen. Das heißt aber: Der ursprüngliche Plan der deutschen Bundesregierung, zunächst Risikogruppen über 80 bzw. über 70 zu impfen, muss abgeändert werden. Stattdessen könnten jüngere Menschen aus gefährdeten Bereichen oder mit Vorerkrankungen vorgezogen werden.
Folgende Menschen bekommen laut BILD jetzt den Vorzug:
- Angestellte in Gesundheitskliniken
- Menschen mit Organtransplantaten
- Menschen mit Trisomie 21
- Demenzkranke
- Menschen mit geistigen Behinderungen
Möglich ist auch, dass Polizisten und Bezugspersonen von Schwangeren einen früheren Impftermin bekommen.
Der deutsche Gesundheitsminister Jens Spahn bestätigte am Samstag, dass der Impfplan überarbeitet wird. Genauere Informationen wird es wohl erst nach dem heutigen Impfgipfel geben.
Ändert auch Österreich seine Strategie?
Auch österreichische Experten zeigen sich angesichts der AstraZeneca-Impfung skeptisch. So entschied sich das Nationale Impfgremium am Sonntagabend einstimmig dafür, den AstraZeneca-Impfstoff nur für Menschen unter 65 Jahren zu empfehlen. Als Grund für die Einschränkung gab auch das heimische Gremium einen Mangel an Daten über die Wirksamkeit bei Älteren an.
Auch der SPÖ-Pensionistenverband sowie der ÖVP-Seniorenbund äußerten Bedenken über den Einsatz des AstraZeneca-Vakzins an Personen über 65 Jahren.
Regierung diskutiert Abänderung
Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass auch die österreichische Bundesregierung ihren Impfplan abändern muss. Bundeskanzler Sebastian Kurz kündigte dies bereits gestern an: „Morgen [gemeint ist der heutige Montag] wird die Entscheidung des Nationalen Impfgremiums mit den Landeshauptleuten diskutiert und der österreichische Impfplan an die neuen Rahmenbedingungen abgestimmt. Dieser wird noch in der ersten Wochenhälfte beschlossen und veröffentlicht."