Infektion trotz Impfung
Experte: Darum kommt es zu 'Impfdurchbrüchen'
Die in der EU zugelassenen Corona-Impfstoffe haben allesamt eine hohe Wirksamkeit gegen schwere Covid-19-Verläufe. Wie bei Vakzinen gegen andere Krankheiten ist jedoch kein hundertprozentiger Schutz möglich. In Österreich wurden laut dem aktuellen Nebenwirkungsbericht des Bundesamts für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) bei Vollimmunisierten bisher 80 Covid-Fälle gemeldet, 20 davon schwer. Acht Betroffene starben, einer war in Lebensgefahr und elf in Spitalsbehandlung.
Zahl zu erwarten
Das liegt völlig im Rahmen der von Zulassungsstudien angegebenen Wirksamkeit der Covid-19-Impfstoffe. Der Impfstoff von BioNTech/Pfizer hat den Studien zufolge eine Wirksamkeit von 95.0 Prozent, jener von Moderna eine von 94.1 Prozent, der von AstraZeneca eine von 59.5 Prozent und der von Johnson & Johnson eine von 66,9 Prozent.
Markus Zeitlinger, Leiter der Abteilung für klinische Pharmakologie an der Medizinischen Universität Wien, sagte der APA auf Anfrage, dass 80 Impfdurchbrüche überhaupt keine hohe Zahl seien. Er identifiziert in dem Zusammenhang mehrere Faktoren. Einerseits müsse man diese Zahl in Relation zu den verabreichten Impfungen sehen. Andererseits in Hinblick darauf, wie stark die Pandemie grassiert: "Wenn sich insgesamt nur 100 Leute in Österreich infiziert hätten und 80 davon sind Geimpfte, dann würde es nicht gut ausschauen. Aber (...) es haben sich viel mehr jeden Tag infiziert und selbst jetzt infizieren sich ja noch jeden Tag mehr Leute und damit ist 80 keine hohe Zahl."
Zu wenig Antikörper
Prinzipiell gilt, dass Menschen, die trotz vollständiger Covid-19-Impfung erkranken, nicht genügend Antikörper bzw. keine effizienten Antikörper gebildet hätten, so Zeitlinger. Hier spielt das Immunsystem eine Rolle. Bei älteren Menschen etwa spricht es weniger auf die Impfung an, sie haben ein schwächeres Immunsystem. Auch bestimmte Menschen, die Medikamente nehmen, beispielsweise Organ-Transplantierte, hätten ein schlechteres Immunsystem, weil die Medikamente ihr Immunsystem unterdrücken würden, erläutert Zeitlinger: "Das sind Personen, die hier besonders gefährdet sind".
Bei den acht Menschen, die nach Erlangen des vollständigen Impfschutzes verstorben sind, hat es sich laut Zeitlinger vor allem um alte und sehr alte Menschen gehandelt. Diese sind ohnehin gefährdeter, an Covid-19 zu sterben oder einen schweren Verlauf zu haben - das spielt auch nach einem versagten Covid-19-Impfschutz eine Rolle.
Auch die Zeit ist ein wichtiger Faktor. Vor allem am Anfang seien die ältesten Menschen geimpft worden. Diese hätten daher auch mehr Zeit gehabt, zum sogenannten "Impfversager" zu werden. "Wenn man jetzt vor einer Woche die zweite Impfung bekommen hat, dann hat man noch gar keine Zeit gehabt, sich zu infizieren, weil erst nach der zweiten Teilimpfung begonnen wird, zu zählen. (...) Und die anderen haben jetzt doch schon vier, fünf Monate Zeit gehabt sozusagen, sich zu infizieren." Die Gründe dafür, trotz vollständigem Impfschutz zu erkranken, akkumulieren sich also bei der älteren Generation.