Nächster Skandal um gefeuerten

Impf-Chef verzichtete auf 750.000 Dosen

© APA/HERBERT NEUBAUER
Köpferollen in der Impf-Causa: Sonderbeauftragte Clemens Martin Auer wird abgezogen.
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Wien. Also doch! Gesundheitsminister Rudolf Anschober (G) ließ – kaum aus dem Krankenstand zurück – Montagfrüh die Bombe platzen: Nach Krisensitzungen in seinem Ministerium habe er schon am Sonntag Impf-Chef Clemens Martin Auer gefeuert – wie die ÖVP es am Wochenende gefordert hatte. Auer wird für das Impf-Desaster hauptverantwortlich gemacht – doch längst war Anschober selbst unter Beschuss.

Zwei Jobs weg

Auer bleibe zwar Sonderbeauftragter, verliere aber seinen Sitz im EU-„Steering Board“ für die Impfbeschaffung. Hier war er Vize-Chef gewesen. Und: Auch die Steuerungsgruppe von Gesundheits-, Heeresministerium und Kanzleramt verlässt Auer. Beide Posten übernimmt „Chief Medical Officer“ Katharina Reich. Auer bleibt aber Vertreter bei der WHO.

Zwei Gründe

Laut Anschober habe Auer selbst um seine Ablöse gebeten. Grund: Auer habe es im Jänner beim berühmt-berüchtigten „Basar“ versäumt, für Österreich zusätzliche Dosen zu sichern, ohne den Minister einzubinden. Laut den Grünen sei es da um 100.000 Dosen für Österreich gegangen. Bei dem Bazar wurden Impfstoffe verteilt, auf die einige EU-Länder verzichtet hatten.

Auer verzichtete auf Bestellung von 750.000 Dosen

Was allerdings schwerer wiegt: Auer soll auch einem Verteilungs-System zugestimmt haben, das auf Bestellmengen abzielt und nicht auf den Bevölkerungsschlüssel. Am Ende wäre Österreich um bis zu 750.000 Impfdosen benachteiligt gewesen, das erfuhr ÖSTERREICH aus EU-Kreisen. Die Regierung hat bei Kommissionschefin Ursula von der Leyen deshalb eine Änderung verlangt.
Ist die Koalitionskrise mit Auer-Aus beigelegt?

ÖVP zufrieden

Die ÖVP zeigte sich mit dem Abgang des früheren Vertrauten der ÖVP-Altvorderen Wolfgang Schüssel und Maria Rauch-Kallat (siehe Kasten) zufrieden. Damit sei die Sache – immerhin eine satte Koalitionskrise – erledigt.

Und die Grünen?

Dass Kanzler Sebastian Kurz wegen der zu wenig bestellten Dosen derart in die Offensive geht, löst beim kleineren Koalitionspartner größere Besorgnis aus. Anschober hatte zwar am Montag betont, er schaue nach vorn – die Irritation bleibt aber.
Anschober tat dann allerdings genau das, was die Grünen dem Kanzler vorgeworfen hatten: Die Verantwortung für die Impfschlappe allein auf ­andere, eben auf Auer, abzuwälzen.