Jetzt kommt die Freiheit zurück
Klimek: 'Gute Chancen, dass es der letzte Lockdown ist'
Der Zenit der dritten Welle ist erreicht. Jetzt stellt sich nur die Frage, wie rasch die Zahlen hinuntergehen und überall die Öffnungen kommen können.
Große Hoffnung. Das Impfen schreitet voran, der Ost-Lockdown zeigt Wirkung, das Homeschooling ebenso und baldige wärmere Temperaturen schmecken dem Virus naturgemäß sowieso nicht: Bleibt alles auf Schiene, rücken Öffnungsschritte in greifbare Nähe und damit die Freiheiten, nach denen wir uns alle sehnen.
"Es gibt Grund zum Optimismus", so Kanzler Kurz, wir befinden uns "auf den letzten Metern." Wissenschaftler wie der Epidemiologe Gerald Gartlehner oder Komplexitätsforscher Peter Klimek (s. Interviews) raten zur Vorsicht, unterstreichen jedoch diese Einschätzung.
Diese Woche wird der Detailplan für die Öffnungen präsentiert
Die Öffnungsschritte, die gerade aktuell verhandelt werden, sollen für die Bereiche Tourismus und Gastronomie sowie Sport und Kultur gleichzeitig erfolgen. Geplant ist das "große Öffnen" für den 17. Mai. Als zweite Variante ist auch Pfingsten (23. Mai) angedacht.
Die Frage indes bleibt weiter, wie "rasch die Zahlen nach unten gehen", sagt Simulationsforscher Niki Popper. Doch sollte mit dem Impffortschritt, dem weiteren Einhalten der Maskenpflicht und Abstandsregeln, dem Testen und der Einführung des Grünen Passes der Öffnungs-Fahrplan realistisch sein. Kanzler Kurz: "Die Weltuntergangsszenarien haben sich nicht bewahrheitet" und das Ansteckungsniveau sei mittlerweile "relativ stabil".
Es geht los. Die Gastronomie soll sowohl outdoor (Schanigärten) als auch indoor aufsperren. Allerdings mit "Reintespflicht". Es wird eine maximale Personenanzahl pro Tisch geben (nur zwei Haushalte). Auch Hotels werden aufsperren, hier liegen Sicherheitskonzepte seit Februar vor. Anfangs wird man mit Tests einchecken müssen, ab Juni mit dem Grünen Pass.
Traumzahlen wie 2019, wo es insgesamt mehr als 153 Mio. Nächtigungen gab -die bleiben zwangsläufig noch Zukunftsmusik. Die vorige Sommersaison zählte 84 Millionen Nächtigungen (ein Minus von 26 %).
Grand Opening. Die Kultur ist ebenso dran. Also Theater, Oper, Open-Air-Bühnen und Kinos. Mit Reintesten, FFP2-Masken, Schachbrettmuster bei den Sitzen (also jeder zweite Sitz frei) sowie Kapazitätsgrenzen. Beim Sport werden in Stadien Besuche erlaubt sein, ebenso der Hobbysport. Auch die Freibäder sperren auf.
Zweite "Öffnungswelle". Im Juni soll es den zweiten Öffnungsschritt geben, wo die restlichen Branchen wie Fitnesscenter, eventuell sogar die Nachtgastronomie, aufsperren dürfen. Ab dann soll auch der Grüne Pass gelten: Für Geimpfte entfällt dann die Testpf licht.
Gerüstet. "Wir werden mit denselben Auflagen wie 2020 in die Sommersaison starten", sagen die Seilbahner. "Alles ist vorbereitet", heißt es aus den Freibädern. "Wir sind gerüstet", sagen Hüttenwirte. "Wir sind Musterschüler in Sachen Sicherheit und Hygiene", so die Thermen-Betreiber. Und: Unsere Campingplätze sind bereits so gut wie ausgebucht.
Klimek: »Gute Chancen, dass es der letzte Lockdown ist«
Insider: Alle hoffen auf eine Rückkehr zur Normalität im Sommer. Ist das realistisch?
Peter Klimek: Es ist realistisch, hängt aber leider auch von Faktoren ab, die wir nur beschränkt kontrollieren können. Ganz entscheidend wird hier sein, ob es uns gelingt, das Entstehen und Verbreiten neuer Virusvarianten zu verhindern, die sich dem Impfschutz entziehen.
Insider: Was ist weiter notwendig, um mehr Freiheiten erhalten zu können?
Klimek: Die fortschreitenden Impfungen, das wärmere Wetter sowie das immer breitere Testangebot werden uns in den nächsten Wochen erlauben, Schritt für Schritt mehr Freiheiten zurückzubekommen. Die Pandemie ist aber noch nicht vorbei. Genauso, wie wir momentan in manchen Regionen schneller Öffnungsschritte setzen können, müssen wir in Zukunft auch bereit sein, regional schneller einzugreifen, sollten dort die Infektionszahlen stark ansteigen. Je früher man hier gegensteuert, wie etwa mit Ausreisetests, desto regional beschränkter und desto kürzer sind solche Gegenmaßnahmen notwendig.
Insider: War das der letzte Lockdown?
Klimek: Die Chancen stehen sehr gut, dass insbesondere für die Schulen die Präventionskonzepte weit genug vorangeschritten sind, um großf lächigere Schulschließungen nicht mehr nötig zu machen. Darüber hinaus sollten wir den Weg der Regionalisierung in den nächsten Monaten fortsetzen. Wenn das gelingt, sollte es tatsächlich der letzte großf lächigere Lockdown gewesen sein.
Insider: Wie müssen wir uns auf den Herbst und den Winter vorbereiten?
Klimek: Ähnlich wie wir es im letzten Sommer geschafft haben, müssen wir auch in diesem Sommer die Zirkulation des Virus niedrig halten. Damit verhindern wir, dass zu schnell Varianten entstehen, welche die Impfung weniger effektiv machen können. Das muss auf europäischer Ebene koordiniert erfolgen. Selbst ohne neue Varianten ist davon auszugehen, dass wir im Herbst und Winter wieder mehr vom Virus sehen werden. Es sollten dann zwar keine Lockdowns mehr notwendig sein, allerdings wird es nach wie vor Schutz-und Präventionskonzepte sowie ein konsequentes und rasches Handeln in Regionen mit größeren Ausbrüchen brauchen.
Insider: Ihre Botschaft an die Menschen?
Klimek: Testen, testen, testen. Impfen, impfen, impfen. Damit holen wir uns die Freiheiten Schritt für Schritt zurück.